Chronik

Ein Weg für einen streitbaren Grünlandschützer in Salzburg

Am Dienstag wurde der Weg in Salzburg-Freisaal offiziell nach Richard Hörl benannt. Er erinnert an die Verdienste des Grünlandschützers, Sprechers der Initiative zur Rettung der Landschaft in Freisaal und Mitbegründer der Salzburger Bürgerliste. "Dank ihm ist der Gründlandschutz heute nicht verhandelbarer Konsens in der Stadtpolitik!"

Bei einem kleinen Festakt wurde am Dienstag der Geh- und Radweg, der von der Hellbrunner Straße zum Freisaalweg in Salzburg führt, nach Richard Hörl (1939 bis 2019) benannt. Bürgermeister Harald Preuner in seiner Laudatio: "Man kann fast schon sagen: Richard Hörl war eine Legende. Er hat sich zu Recht gegen die Verbauung von Salzburgs Süden erhoben: Dank ihm ist der Gründlandschutz heute nicht verhandelbarer Konsens in der Stadtpolitik!" Hörl ist als streitbarer Grünlandschützer und Mitbegründer der Salzburger Bürgerliste in die Lokalgeschichte eingegangen: Der gelernte Bäckermeister und Konditor kämpfte unter anderem für die Erhaltung der Stadtlandschaft Freisaal im Süden Salzburgs, die direkte Demokratie und die Radfahrerinnen und Radfahrer.

Widerstand gegen die Verbauung von Freisaal

Nach mehrjähriger Standortsuche für einen Neubau der 1962 wiedergegründeten Universität einigten sich Mitte der 1970er Jahre Stadt, Land und Bund auf die Wiesen rund um das Schloss Freisaal. Die Verbauung dieser Freiflächen stieß auf vehementen Widerstand bei mehreren Bürgerinitiativen. 1974 gründete Hörl mit dem Schauspieler Herbert Fux und dem Richter Eckehart Ziesel die Bürgerliste. Zusammen stemmte man sich "gegen die planmäßige Demolierung der Stadt". Als erste Grünpolitiker zogen Hörl und Fux am 2. Oktober 1977 in den Gemeinderat der Stadt Salzburg ein und arbeitete dort bis 1980. Auch danach engagierte er sich in Bürgerinitiativen.

Grünland-Deklaration 2008 im Stadtrecht verankert

Das Engagement des Bürgerrechtlers Hörl machte nicht an der Stadtgrenze halt. Berühmt ist sein nachgebauter Bauzaun von Wackersdorf. Als warnendes Symbol gegen die dortige atomare Wiederaufbereitungsanlage stand er 1986 monatelang am Alten Markt. Als Radfahrer setzte sich Hörl für das Radwegenetz mit Unterführungen unter den Salzachbrücken ein. Sein letztes Ziel war die Erhaltung der Salzburger Grünland-Deklaration in ihrer gesetzlichen Verankerung im Stadtrecht. Ein Ziel, das er im Jahr 2008 erreichte.

Der Bäcker bot das erste Schrotbrot Salzburgs an

Hörl kam am 4. April 1939 als jüngstes von drei Kindern in der Mozartstadt zur Welt. 1966 übernahm er den elterlichen Bäckereibetrieb in der Alpenstraße 18 und errichtete gemeinsam mit seiner Frau eine Café-Konditorei. Hörl war es wichtig, das Angebot ständig zu erweitern und dabei auch auf Naturkost zu setzen. In seiner "Reformbäckerei" bot er das erste Schrotbrot Salzburgs an.

Quelle: SN

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