Chronik

Eine Lawine vom Dach tötete einen Arbeiter in Faistenau

Ein 47-Jähriger starb. Er und seine drei Kollegen standen ungesichert auf einem Flachdach, als sie von den Schneemassen erfasst wurden.

Die anhaltenden Schneefälle zwingen seit Tagen zum Abschaufeln der Dächer. Am Montagvormittag kam es im Faistenauer Ortsteil Vordersee zu einem Unglück: Vier Arbeiter einer Flachgauer Dachdeckerei rutschten mit den Schneemassen in die Tiefe, sie stürzten rund sechs Meter ab. Die Männer wurden zum Teil vollkommen verschüttet. Ein Arbeiter starb, zwei wurden verletzt, einer überstand den Unfall unbeschadet.

Zeugen und Anrainer hatten sofort nach den Verschütteten zu graben begonnen. Das Rote Kreuz war mit einem Notarzthubschrauber, einem Notarztwagen und einem Kriseninterventionsteam vor Ort. Die Feuerwehr rückte mit 20 Mann an. "Wir waren bereits mit zwei Fahrzeugen im Ortsgebiet unterwegs wegen umgestürzter Bäume", sagte Einsatzleiter Helmut Schöpp. "Es ist dann noch einmal Sirenenalarm ausgelöst worden." Drei bis vier Minuten nach Eintreffen seien alle Männer geborgen gewesen.

Ein 47-jähriger Serbe überlebte den Absturz nicht. Er soll rund 15 Minuten unter den Schneemassen begraben gewesen sein. Zwei Arbeitskollegen aus Syrien im Alter von 26 und 28 Jahren wurden laut Rotem Kreuz leicht verletzt ins Unfallkrankenhaus nach Salzburg gebracht. Ein 38-jähriger Deutscher hat den Absturz unverletzt überstanden. Die Männer waren während der Räumungsarbeiten nicht gesichert. Die Polizei ermittelt. "Die strafrechtliche Verantwortlichkeit ist zu klären", sagt Polizeisprecher Hans Wolfgruber. Auch das Arbeitsinspektorat ist involviert, um zu prüfen, ob die Vorschriften eingehalten wurden.

"Der Firmenchef ist am Boden zerstört", sagt Wolfgang Ebner, Innungsmeister der Salzburger Dachdecker. Dieser habe ihm geschildert, dass die Männer gerade auf dem Flachdach über dem Balkon gestanden sind, als ein Arbeiter eine Leiter positionieren wollte, um das darüberliegende Dach zu räumen. "Er hat ein Mal mit der Schneeschaufel hineingestochen. Das hat die Lawine ausgelöst." Der Unfall sei "nicht zu verhindern" gewesen. "Wir haben derzeit drei oder vier unterschiedliche Schneeprofile - es ist wie auf dem Berg", meint Ebner. Daher sei der Unterschied minimal, ob es sich wie in dem Fall um ein Blechdach mit Photovoltaikanlage oder um ein Ziegeldach handle. Sehr wohl begünstigt haben dürfte die vergleichsweise starke Neigung der Konstruktion.

Ebner spricht von einer schwierigen Rechtslage bei der Schneeräumung von Dächern. "Da arbeitet jeder im Graubereich." Das Arbeitnehmerschutzgesetz verlange zwar eine entsprechende Sicherung bei Räumungsarbeiten. Jedes Dach habe sogar eine entsprechende Ausstattung. "Aber bei zwei Metern Schnee ist das nicht nutzbar. Und ein Gerüst kann man nicht aufstellen, wenn im Garten drei Meter liegen." Bei Unfällen seien Unternehmer wie Private häufig mit Regressforderungen von Versicherungsanstalten und Gebietskrankenkassen konfrontiert.

Sauer stößt dem Unternehmer aus Hof das Verhalten einiger Hausbesitzer auf, die meinten, die Dienste der Handwerker zum Schneeräumen seien umsonst. "Alle Leute, die schaufeln, setzen ihr Leben aufs Spiel für die, die drinnen sind. Viele sind sich dessen nicht im Klaren."

Bürgermeister Josef Wörndl sagt, in den vergangenen Tagen habe die Gemeinde nach zahlreichen Anfragen aus der Bevölkerung an die Feuerwehr eine Liste von Handwerksbetrieben ausgegeben, die ihre Dienste zur Verfügung gestellt hatten. Denn die Feuerwehr sei einerseits mit der Schneeräumung auf öffentlichen Gebäuden, andererseits mit der Bergung von Fahrzeugen und umgestürzten Bäumen beschäftigt gewesen. "90 Prozent der Bewohner haben Hand angelegt und die Dächer vom Schnee befreit", schätzt der Bürgermeister. Er mahnt zur Vorsicht. "Man sieht, dass auch Profis etwas passieren kann."

Quelle: SN

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