Chronik

"Einiges ist in Wien noch nicht angekommen"

Bauernbund-Chef Silvester Gfrerer wird neuer ÖVP-Bundesrat. Gfrerer führt in Großarl mit seiner Familie den "Griesbichlhof".

Die Mehrheit unserer Bauern sind Nebenerwerbsbauern. Gfrerer bewirtschaftet selbst einen Bergbauernhof in Großarl. riedler
Die Mehrheit unserer Bauern sind Nebenerwerbsbauern. Gfrerer bewirtschaftet selbst einen Bergbauernhof in Großarl.

Insgesamt sind es vier Generationen, die da gemeinsam mit Pferden, 30 Stück Rindern, Hasen und Zwergziegen unter einem Dach leben und den 18 Hektar großen Betrieb samt Forstwirtschaft betreiben: "Ich bewirtschafte den Hof nun in dritter Generation", erzählt Gfrerer, "meine Mutter ist mit 89 Jahren die Älteste und das jüngste Enkerl ist zwei Jahre alt."

Gfrerer ist Mitglied zweier Agrarwirtschaften und seine Rinder sind im Sommer alle auf der Alm, während er herunten mit seiner Familie "Urlaub am Bauernhof" anbietet. "Mein Schwiegersohn ist ebenfalls bereits am Hof und nur so ist es für mich möglich, dass ich mich auch politisch engagiere." Das tut er gleich mehrfach: Silvester Gfrerer ist Obmann der Bezirksbauernkammer, des Bezirksbauernbundes, des Vereins Salzburger Alm- und Bergbauern und seit 20 Jahren in der Gemeindevertretung von Großarl. Dass das zweite Bundesratsmandat der Salzburger ÖVP an Gfrerer ging, darauf hatte sich das ÖVP-Bezirkspräsidium vergangene Woche geeinigt. "Für mich war das eher überraschend", meint er und betont, dass er sich darauf freue, das Land und die ländlichen Regionen - ob Tourismus oder Wirtschaft - auf Bundesebene zu vertreten. "Welche Möglichkeiten ich da im Detail habe, das ist mir derzeit noch gar nicht alles klar, ich werde mich darauf umfassend vorbereiten."

Die Land- und Almwirtschaft ist ihm natürlich ein wesentliches Anliegen. "Wenn man nur das aktuelle Thema Wolf hernimmt: Wir haben großteils Nebenerwerbsbauern und leben in einer Region mit einem großen Strukturwandel. Dieses Thema ist in Wien noch nicht angekommen. Ob und wie eine nachhaltige Berg- und Almwirtschaft mit einer Weidetierhaltung in Zukunft noch möglich ist." Die Bauern reagieren derzeit sehr unterschiedlich auf die aktuelle Situation, "besonders die Schaf- und Ziegenbauern sind sehr besorgt, hier ist noch einiges zu tun".

Im Unterschied zum restlichen Österreich gibt es in Salzburg noch zahlreiche bewirtschaftete Almen. Mehr als 70 Prozent der Weidetierhalter sind Nebenerwerbsbauern, für umfassende Schutzmaßnahmen fehle aber die Kapazität. Die Kleinstrukturiertheit der Almwirtschaft in Salzburg lasse es auch nicht überall zu, Schutzzäune aufzustellen. "Mir geht es auch um eine grundsätzliche Absicherung der Landwirtschaft als Familienbetrieb und Arbeitsplatz. Die Agrarpolitik der EU und die Vorschläge zur Finanzierung sind nicht zufriedenstellend. Generell brauchen wir für die ländliche Entwicklung mehr Unterstützung, die Kürzungsvorschläge sind so nicht hinzunehmen. Dazu werde ich mich beim kommenden Ratsvorsitz, den Österreich in der EU einnehmen wird, einbringen. Auch die Verhandlungen zur Zusammenlegung der Krankenkassen brauchen noch Gesprächszeit am Verhandlungstisch."

Die Angelobung von Gfrerer erfolgt am 28. Juni.

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