Chronik

Faktencheck: Die größten Mythen zur Grippezeit

Was ist der Unterschied zwischen Grippe und Erkältung? Soll ich mich impfen lassen? Was hilft wirklich gegen Infekte? Die SN klären auf zu Husten, Schnupfen und Co.

Symbolbild. SN/robert ratzer
Symbolbild.

Die Grippewelle verläuft in Salzburg zur Zeit deutlich milder als im Vorjahr. Das ist jedenfalls aus den Krankenstandszahlen der Salzburger Gebietskrankenkasse abzulesen: Vergangene Woche wurden in Salzburg 245 Krankenstände wegen grippaler Infekte und elf wegen der echten Grippe gemeldet: Vor zwei und drei Jahren waren es zu der Zeit des Jahres doppelt so viele Fälle.
Auf der III. Medizin des Salzburger Universitätsklinikums werden Grippefälle mit schwerem Verlauf behandelt. Derzeit habe man eine übliche Zahl an Aufnahmen, sagt der Primar der Abteilung, Richard Greil. Das seien etwa drei bis vier Aufnahmen pro Tag. Genauso wie Grippeviren im Winter umherschwirren, schwirren um Grippe und grippale Infekte in der Bevölkerung zahlreiche Mythen umher. Für die SN ging Richard Greil den gängigsten Aussagen zur Grippezeit auf den Grund:

"Ich bin nicht krank, nur verkühlt"

Richard Greil: "Erkrankungen, die als Verkühlung oder Erkältung bekannt sind, sind durch Viren bedingt. Dabei handelt es sich um so genannte Rhinoviren und andere Erreger. Diese haben aber nichts mit der echten Grippe zu tun. Mit der Kälte haben diese Erkrankungen insofern zu tun, als die Kälte die Virusreplikation prädisponiert: Bei kaltem Wetter verbreiten sich die Viren besser. Die meisten Fälle gibt es jetzt in der kalten Jahreszeit, aber Ausbrüche sind auch außerhalb dieser Zeit möglich. Auf der Südhalbkugel in subtropischen Gefilden verteilen sich die Fälle auf das ganze Jahr."

"Ich fühl mich nicht gut, ich hab' die Grippe"

Greil: "Man muss ganz klar unterscheiden zwischen grippalen Infekten und der echten Grippe. Wenn Sie die einmal gehabt haben, dann werden Sie das nie wieder vergessen. Das beginnt schlagartig mit hohem Fieber, in manchen Fällen auch mit Schüttelfrost. Sie haben eine extreme Müdigkeit: Da stehen Sie nicht mehr auf. Dazu kommen Gliederschmerzen und eine Fülle an Symptomen. Diese Erkrankung kann ihnen Wochen oder sogar Monate nachhängen. Die echte Grippe hat auch eine beträchtliche Sterblichkeit: In Österreich sterben im Jahr etwa 4000 Personen an der echten Grippe oder einer Folgeerkrankung. Als zwischen 1918 und 1920 die spanische Grippe ausbrach starben zwischen drei und fünf Prozent der Weltbevölkerung: Mehr als im Ersten Weltkrieg. Besonders gefährdet sind Menschen über 65 oder Kinder und Schwangere, zudem Menschen mit chronischen Erkrankungen. Die sollten sich auch unbedingt impfen lassen. "

"Seit ich gegen Grippe geimpft bin, werde ich dauernd krank"

Greil: "Zu der Grippeimpfung gibt es sehr gute Daten aus Studien. Die einzige Nebenwirkung, die dabei nachgewiesen werden konnte, ist ein unangemessenes Gefühl im Arm, das ein bis zwei Tage andauert. Für Komplikationen gibt es überhaupt keine Hinweise. Weltweit ist die Empfehlung völlig klar: Man sollte alle Menschen, die älter als sechs Jahre alt sind, impfen. Das betrifft vor allem jene Personen, auf die oben genannte Risikofaktoren zutreffen. Bei der Impfung ist auch der persönliche Schutz nachrangig. Es geht darum, einen Herdenschutz zu erreichen. Eine hohe Impfrate in der Bevölkerung sorgt dafür, dass jene geschützt sind, die das stärkste Risiko haben. In Österreich ist die Durchimpfungsrate ganz schlecht. Bei der Grippe liegen wir bei fünf Prozent, andere Länder haben 20 oder 30 Prozent. Schlimm ist, dass wir auch in Pflegeheimen teilweise keine höhere Impfrate haben. Dort wäre das besonders wichtig."

"Ich bin immun, weil ich ständig den Viren ausgesetzt bin"

Greil: "Es gibt keine Hinweise darauf, dass exponierte Personen weniger von solchen Erkrankungen betroffen sind. Alle Infektionen können von allen bekommen werden. Große Grippeausbrüche gingen immer von Kasernen oder Bahnhofszuschüben aus, wo viele Menschen an einem Ort sind. Wenn sie in einem Krankenhaus, in Schulen oder Kindergarten arbeiten, dann sind sie den Viren stärker ausgesetzt und haben auch ein höheres Risiko zu erkranken."

"Ich nehme immer Präparat X, dann werd' gar nicht erst krank"

Greil: "Wenn Sie nicht gegen die echte Grippe geimpft sind, dann hat das Medikament Tamiflu, wenn es zu Beginn des Krankheitsausbruches genommen wird, eine präventive Wirkung. Für grippale Infekte brauchen Sie nichts. Bei einer sogenannten Erkältung sollten Sie sich einfach schonen, nicht körperlich belasten und zu Hause bleiben, um niemanden anzustecken. Bei grippalen Infekten und der echten Grippe ist die Prävention das wichtigste: Waschen Sie sich die Hände, vor allem vor dem Essen: Das sollte man sowieso tun. Auch eine Handdesinfektion ist sinnvoll, wenn etwa jemand im Haushalt grippal ist. Und greifen Sie sich nicht in die Augen, an die Nase oder an den Mund. Manche haben ja diese Angewohnheit, das häufig zu machen. Mit Medikamenten sollte man ohne ärztliche Anweisung nicht herumexperimentieren."

"Mein Arzt verschreibt mir immer gleich ein Antibiotikum"

Greil: "Wenn man eine gewöhnliche Erkältung, also einen grippalen Infekt hat, braucht man kein Antibiotikum. Wer allerdings etwa Dialysepflichtig ist oder eine Krebserkrankung hat und dann 38 Grad Fieber bekommt, der hat ein großes Risiko, eine bakterielle Superinfektion zu bekommen. In solchen Fällen wird der Arzt sehr schnell ein Antibiotikum verschreiben. Auch eine Schwangerschaft ist ein Risikofaktor für schwere Krankheitsverläufe bei der echten Grippe. Hier sollte unbedingt geimpft werden."

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.09.2018 um 09:44 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/faktencheck-die-groessten-mythen-zur-grippezeit-23091829

SGKK rät bei der Zahnspange zum "Fremdgehen"

SGKK rät bei der Zahnspange zum "Fremdgehen"

Der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK), Andreas Huss, ruft nun Eltern von Kindern, die eine Zahnspange brauchen, auch öffentlich dazu auf, zu grenznahen Kieferorthopäden auszuweichen. Grund ist, …

Goldrichtig beim Goldgassenfest

Goldrichtig beim Goldgassenfest

Am Freitag, 5. und Samstag, 6. Oktober laden die Geschäfte von 10 bis 18 Uhr zum Flanieren ein Die Unternehmer und Unternehmerinnen der Goldgasse laden zum Gassenmarkt in die mittelalterliche Shoppingmeile …

Liebelei am Kirtag

Liebelei am Kirtag

Wenn sich 2 Kinder, die sich in der Geburtsklinik kennengelernt haben (ihr Geburtstermin liegt nur 1 Tag auseinander) öfter treffen und gut verstehen!

Kommentare

Schlagzeilen