Chronik

Fall Wajid Ali - Flüchtlingspfarrer Alois Dürlinger kritisiert Regierungslinie

Der pakistanische Lehrling ist sicher in Kenia angekommen. Seine Zukunft ist ungewisser denn je, eine Rückkehr nach Salzburg unwahrscheinlich.

Wenn Wajid Ali von "zu Hause" spricht, dann meint er Salzburg. "Auch wenn sie mich fortgeschickt haben", betonte der pakistanische Lehrling gegenüber Pfarrer Alois Dürlinger. Die beiden machten sich vergangene Woche nach Kenia auf. Ali hatte auf Einladung des Benediktinerordens ein Visum für das afrikanische Land bekommen. Der Pakistaner konnte damit seiner Abschiebung in die Heimat entgehen. "Ihm geht es trotz allem gut", sagt Dürlinger.

Für den Geistlichen war es die "spontanste Reise meines Lebens". Erst am Vorabend des Abflugs hatte er erfahren, in welches Land er Wajid Ali begleiten sollte. "Es musste alles schnell gehen", sagt Dürlinger. Wie berichtet, hatte der Lehrling im Mai 2018 einen negativen Asylbescheid in zweiter Instanz erhalten. Die Erzdiözese gewährte dem 23-Jährigen darauf Kirchenasyl. Sieben Monate lebte Ali im Stift St. Peter. Nach einem Meldetermin auf der Rathauswachstube nahmen ihn Polizisten am 24. Jänner fest und brachten ihn nach Wien. Ali wurde in Schubhaft genommen. "Es gab dann noch eine einwöchige Galgenfrist für eine freiwillige Ausreise", sagt Dürlinger. Die Unterstützer Alis setzten alle Hebel in Bewegung, die Wahl fiel schließlich auf Kenia. "Auch Bosnien stand zur Debatte, dabei hätte es aber noch zu viel zu organisieren gegeben - die Zeit hat ja gedrängt", sagt der Geistliche.

In Kenia wohnt Ali nun in einem Kloster in der Hauptstadt Nairobi. Der Kontakt kam über den Verein "panairobi" zustande. Die von der Salzburgerin Susanne Kerschbaumer gegründete Organisation kümmert sich um die Straßenkinder der Stadt. "Ali wird dort künftig mithelfen", sagt der Pfarrer. Der Pakistaner hat ein einmonatiges Touristenvisum für Kenia, das auf drei Monate verlängert werden soll. Dürlinger flog am Mittwoch zurück nach Österreich.

Pfarrer Alois Dürlinger (rechts) begleitete Wajid Ali (Zweiter von rechts) nach Kenia. SN/privat
Pfarrer Alois Dürlinger (rechts) begleitete Wajid Ali (Zweiter von rechts) nach Kenia.

Seine Weggefährten - allen voran der Salzburger Bernhard Jenny - bemühen sich darum, dass Ali nach Österreich zurückkehren kann. "Er will unbedingt wieder hier leben", sagt Dürlinger. Ali könnte etwa einen Antrag auf Einreise nach Österreich als Saisonarbeiter stellen. Der Lehrling sei unbescholten, gut integriert und habe sich nichts zuschulden kommen lassen. "Es wühlt mich wirklich auf, dass ausgerechnet Kenia ihm die Türen öffnet - ein Land, das selbst mit größter Armut kämpft." Um Asyl werde Ali in Kenia nicht ansuchen. Ob er tatsächlich nach Österreich zurückkehren kann, ist ungewiss.

Dürlinger habe auf der Reise lange Gespräche mit dem Flüchtling geführt. "Er redet ganz offen über seine Geschichte und die Ungewissheit", sagt der Geistliche. In seiner Heimat würde ihm große Gefahr drohen. Christen würden in Pakistan verfolgt, es gebe dort viele extremistische Gruppen. "Ali ist zwar Muslim, aber salopp gesagt hat er den Geruch eines Christen", sagt Dürlinger. Immerhin habe Ali mehrere Monate in einem Kloster gelebt.

Flüchtlingspfarrer Dürlinger kritisiert die harte Haltung der Regierung in der Migrationsfrage. Flucht dürfe nicht immer als "große Katastrophe" angesehen werden. Die Erzdiözese werde sich jedenfalls dafür einsetzen, künftig noch mehr Flüchtlingen Kirchenasyl zu gewähren. Dürlinger: "In Deutschland ist das längst anerkannte Praxis. Hierzulande kommen wir keinen Schritt voran. Wir bräuchten die Unterstützung des Staats."

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.09.2019 um 06:17 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/fall-wajid-ali-fluechtlingspfarrer-alois-duerlinger-kritisiert-regierungslinie-65295643

Kommentare

Schlagzeilen