Chronik

Flachgauer Firmenchef war wegen Coronakrise ausgerastet: Laut Gutachten nicht zurechnungsfähig

Der Straßwalchner fuhr Ende März mit einem Bagger auf zwei Personen los. Laut Gerichtsgutachterin befand sich der 47-Jährige zur Tatzeit in einem "manisch-psychotischen Zustand".

Der Firmenchef wird medizinisch behandelt. SN/Robert Ratzer
Der Firmenchef wird medizinisch behandelt.

Ein Firmenchef aus dem Flachgau, der die psychische Belastung nach der Schließung seines Betriebes wegen der Coronakrise offenbar nicht verkraftet und Ende März mit einem Bagger zwei Personen attackiert hat, war laut einem Gerichtsgutachten zur Tatzeit nicht zurechnungsfähig. Demnach befand sich der 47-Jährige in einem "manisch-psychotischen Zustand", der einer Geisteskrankheit zuzuordnen sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den bisher unbescholtenen Familienvater wegen versuchten Mordes.

Zu dem Vorfall kam es auf einer Gemeindestraße in Straßwalchen. Ermittlungen zufolge rammte der Mann mit dem Bagger einen Kleinbus, in dem ein 38-jähriger Flachgauer und dessen neunjähriger Sohn saßen. Er schob den Kleinbus noch rund 50 Meter über eine Wiese. Der erschrockene Lenker und der Bub sprangen aus dem Wagen und rannten in Richtung Firmengelände. Der 47-Jährige fuhr ihnen nach, konnte sie aber nicht erwischen. Die zwei Verfolgten versteckten sich hinter einem Stapel aus Paletten. Sie blieben unverletzt. Schließlich schritt die zu Hilfe gerufene Polizei ein.

Der Unternehmer wird derzeit auf der forensischen Sonderstation einer Klinik in Salzburg medizinisch behandelt. "Mein Mandant hatte nie vor, irgendjemanden zu töten. Er war zum Vorfallszeitpunkt nicht zurechnungsfähig", zitierte der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Franz Essl, am Donnerstag im Gespräch mit der APA aus dem nun vorliegenden neuro-psychiatrischen Gutachten der gerichtlich beeideten Sachverständigen Gabriele Wörgötter.

Die Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie hat den Firmenchef am 3. April untersucht. Sie stellte fest, dass er die Realität zur Tatzeit wahnhaft-verzerrt wahrgenommen habe, er sei von paranoiden Ängsten überflutet gewesen. Der Mann habe die ihm zur Last gelegte Tat unter dem Einfluss einer Geisteskrankheit begangen, die einer höhergradigen geistig-seelischen Abartigkeit im rechtlichen Sinne entspreche. Im unbehandelten Zustand ergebe sich eine ungünstige Gefährlichkeitsprognose.

Der Verteidiger betonte, dass die akute Psychose durch die gesetzliche Maßnahme zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie ausgelöst worden sei. Der Unternehmer hatte der Psychiaterin geschildert, dass er vor der Tat aufgrund der Coronakrise zehn Nächte nicht mehr geschlafen habe, weil er tagelang darüber nachdachte, wie es mit seinem Betrieb und seinen Mitarbeitern weitergehen solle. Schließlich habe er sich für die Kurzarbeit entschieden, sei aber besorgt gewesen, dass sich die Mitarbeiter von ihm schlecht behandelt fühlen könnten.

Weiters habe er befürchtet, dass einer seiner Lkw-Fahrer möglicherweise das Coronavirus eingeschleppt habe, weil dieser rund drei Wochen vor dem Zwischenfall mit einer Fuhre in Südtirol gewesen sei, erzählte der Beschuldigte. Auch habe ihn ein Streit mit seinem Vater, dem Firmengründer, belastet, weil er den Schranken zum Firmenareal geschlossen habe, sein Vater aber nicht damit einverstanden gewesen sei.

Um sich und seine Familie vor einer Virusinfektion zu schützen, habe der 47-Jährige sein Firmengelände verbarrikadiert, erklärte der Verteidiger. "Der Tatverdacht des versuchten Mordes steht zu Unrecht im Raum. Hätte er jemanden töten wollen, hätte er die riesige, tonnenschwere Baggerschaufel auf das Auto fallen lassen. Gerade das hat er aber nicht getan."

Wie lange der Unternehmer nun auf der Forensischen Station bleiben muss, wo er gerichtlich angehalten wird, lasse sich nicht abschätzen. "Ich hoffe, dass ein signifikanter Behandlungserfolg eintritt, der später ermöglichen könnte, dass mein Mandant dann nicht in einer Anstalt bleiben muss, sondern gegen Einnahme und Überwachung von Medikamenten wieder seiner Arbeit nachgehen kann."

Der von dem Beschuldigten attackierte 38-jährige Flachgauer, ein ehemaliger Nachbar des Firmenchefs, gab gegenüber der Polizei an, dass er und sein Sohn um ihr Leben gefürchtet und Todesängste durchlebt hätten. Er sei der Meinung, dass der Unternehmer versucht habe, ihn und seinen Sohn mit dem Radlader umzubringen. Als der Unternehmer ihnen noch mit einem Gegenstand in der Hand nachgelaufen sei, habe sein Sohn geschrien, der Mann halte ein Messer in der Hand.

Quelle: APA

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