Chronik

Föhnsturm wütet über Salzburg: Mehr als 200 Einsätze, Festung gesperrt

Muren, Überflutungen und Zivilschutzalarm in Teilen des Bundeslands Salzburg: Knapp 1000 Feuerwehrleute von 42 Feuerwehren kämpften seit Montagabend bei mehr als 200 Einsätzen gegen schwere Regenfälle und Sturm an. Dienstagfrüh haben Sturmböen in der Stadt Salzburg große Schäden auf der Festung angerichtet.

Nicht nur Kärnten, Tirol und Italien wurden in der Nacht auf Dienstag von schweren Stürmen heimgesucht. Auch im Süden des Landes Salzburg war es seit Montagabend zu starken Regenfällen gekommen, Meteorologen hatten auch hier einen orkanartigen Föhnsturm vorausgesagt. Gerechnet wurde mit Windböen bis zu 130 km/h, der Höhepunkt des Sturms wurde zwischen 20 Uhr und 6 Uhr früh vorhergesagt.

Die Landesalarm- und Warnzentrale stockte vorsorglich ihren Personalstand auf, Warnstufe Rot galt von Krimml bis Uttendorf, im Rauriser Tal, Gasteiner Tal und Hüttschlag-Großarl. Den Bewohnern des Salzburger Südens wurde empfohlen, lose Gegenstände im Freien festzuzurren, Fenster- und Rollläden zu schließen Autos in Garagen abzustellen und sich nicht im Freien aufzuhalten. Auch das Rote Kreuz im Lungau, Pinzgau und Pongau wurde in Alarmbereitschaft versetzt.

Kurz nach 21 Uhr wurde in Muhr im Lungau Zivilschutzalarm ausgelöst. Der Fluss war über die Ufer getreten und hatte den Ortskern überschwemmt. Mit Megafonen forderte die Feuerwehr die Bewohner auf, in ihren Häusern zu bleiben, die Keller zu meiden und sich in die oberen Stockwerke zu begeben. Die Gemeinde war am Dienstagmorgen noch von der Außenwelt abgeschlossen, der Wasserpegel senkte sich aber langsam. In Muhr konnten die Straßen zumindest für die Helfer wieder geöffnet werden, hier wird zur Stunde intensiv gearbeitet, um die Verbindung wiederherzustellen. Wie der Lungauer Katastrophenschutzreferent Philipp Santner sagte, sei der nahe Rotgülden-Stausee fast randvoll und drohte überzulaufen, der Zivilschutzalarm wurde am Dienstagmorgen aber wieder aufgehoben.

In Wörth bei Rauris musste die L112 nach einem Murenabgang gesperrt werden. Im Pongau trat gegen 21.30 Uhr die Großarler Ache über die Ufer. Auch in Großarl kam es zu Überflutungen, in Dorfgastein wurde der Hochwasserschutz aufgebaut. Im Gasteiner Tal hatten Freiwillige Feuerwehren schon am Nachmittag Hochwasserschutzdämme aufgebaut, auch die Feuerwehr Hüttschlag wurde alarmiert.

Dienstag früh entspannte sich durch den nachlassenden Regen die Hochwasserlage an Flüssen und Bächen. An der Mess-Stelle Wallnerau in Schwarzach wurde die Meldegrenze erreicht, ebenso wie in Bad Hofgastein, Werfen, Mörtelsdorf (Lungau) und Kendlbruck (Lungau), das meldete der Hydrographische Dienst des Landes Salzburg. Auch im Oberpinzgau (Mittersill) und Großarl zogen sich die Wassermassen zurück.

Bis 22.30 Uhr stürzten mehrere Bäume im Flachgau und in Mittersill auf Straßen, auch hier rückten die Freiwilligen Feuerwehren aus. Auch in der Stadt Salzburg gab es einzelne Einsätze für die Berufsfeuerwehr - etwa, als am Gaisberg und in der Alpenstraße Bäume auf die Fahrbahn stürzten. Auch zahlreiche Haushalte im Bundesland waren zeitweise ohne Strom.

Die Salzburg AG senkte im Staubereich der Salzachkraftwerke im Pongau als Vorsichtsmaßnahme den Pegel des Wassers, um "einen problemlosen Durchfluss gewährleisten zu können", wie es hieß.

Der Katschbergtunnel musste in der Nacht wegen eines Stromausfalls stundenlang gesperrt werden. Es kommt zum Teil nach wie vor zu Behinderungen im Verkehr. Schule und Kindergarten sind in Muhr nicht erreichbar, ebenso gibt es am Dienstag auch in Tamsweg keinen Schulbetrieb. Aus Sicherheitsgründen bleibt die Großglockner Hochalpenstraße bis Mittwoch gesperrt.

Stadtberge bleiben gesperrt

Dienstagfrüh hat der Sturm den Tennengau, den Flachgau sowie die Stadt Salzburg erreicht und vor allem in der Stadt große Schäden angerichtet. "Wir haben ab 6 Uhr kurzfristig eine große Zahl an Einsätzen hereinbekommen", sagte Werner Kloiber von der Berufsfeuerwehr Salzburg. Teilweise liefen bis zu 70 Einsätze parallel. Weil umgestürzte Bäume Stromleitungen kappten oder beschädigten, waren im Bundesland laut Salzburg AG zu Spitzenzeiten rund 3500 Haushalte zeitweise ohne Strom. Rund 50 Mitarbeiter waren und sind mit der Behebung der Störungen beschäftigt. Dienstagfrüh waren in Lofer, St. Koloman sowie in Zederhaus und Muhr noch 300 Haushalte ohne Strom.

Auf der Festung Hohensalzburg wurde ein nicht unerheblicher Teil des Daches abgedeckt. Es wurden große Teile des Zeughauses und des Schüttkastens abgedeckt sowie Kamine beschädigt. Die Dachteile wurden auf die darunterliegenden Gebäude, in den Hof und auch auf die Trasse des Reißzuges geschleudert. Der Lastenaufzug ist daher momentan nicht zu benützen. Gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt, Handwerkern, der Feuerwehr und weiteren Experten erfolgt derzeit eine genaue Schadenserhebung. Die Aufräumarbeiten laufen. So sieht es derzeit auf der Festung aus.

Die Festung Hohensalzburg wurde von den Sturmböen heftig getroffen.  SN/salzburger burgen und schlösser
Die Festung Hohensalzburg wurde von den Sturmböen heftig getroffen.

Auch der Chiemseehof, der Sitz der Salzburger Landesregierung, war betroffen. Wie hoch die Schäden tatsächlich sind, lasse sich noch nicht abschätzen, sagte Kloiber.

Auch am Dach des Chiemseehofes in der Stadt Salzburg hat der Sturm Schäden verursacht.  SN/Robert Ratzer
Auch am Dach des Chiemseehofes in der Stadt Salzburg hat der Sturm Schäden verursacht.

Wegen des sehr starken Föhnsturms hat das Amt für öffentliche Ordnung am frühen Morgen kurzfristig Parks und Friedhöfe gesperrt. Stadtwälder, Kapuziner- und Mönchsberg bleiben hingegen sicherheitshalber gesperrt. Nach einem Lokalaugenschein mit Bürgermeister Harry Preuner, der Berufsfeuerwehr und Vertretern des Amts für Öffentliche Ordnung auf der schwer beschädigten Festung wurden zusätzliche Sperren verfügt: Da von der Festung lose Dachteile oder beschädigte Kaminköpfe abzustürzen drohen, dürfen ab sofort in den südseitig der Festung am unmittelbaren Hangfuß gelegenen Grundstücken die Gärten nicht betreten werden. Die Bewohner werden auch aufgefordert, Dachböden oder den Bereich um Dachflächenfenster zu meiden. Die betroffenen Grundstücksbesitzer werden derzeit von der Polizei direkt über die Sperre verständigt, heißt es in einer Aussendung.

Wie Josef Haslhofer von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegen 8.30 Uhr zur APA sagte, sei das Schlimmste aber bereits wieder vorbei. "Der Höhepunkt wurde bereits erreicht, der Wind wird im Laufe des Vormittags zunehmend weniger." Die stärksten Böen im Stadtgebiet wurden mit 89 km/h an der Messstelle am Flughafen Salzburg erreicht. Im Lauf des Nachmittags sollte der Wind laut Experten allgemein nachlassen. Während im Norden meist die Sonne scheint, stauen sich weiter dichte Wolken von Süden her an die Tauern und es regnet am Alpenhauptkamm und im Lungau auch noch länger. Die Temperaturen erreichen je nach Föhn am Nachmittag bis 17 Grad.

Laut ÖBB-Sprecher Robert Mosser waren keine größeren Schäden im Salzburger Bahnnetz zu verzeichnen. Der Zugverkehr laufe im Bundesland planmäßig, allerdings könne es österreichweit zu Verzögerungen kommen.

Quelle: SN

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