Chronik

Frischer Wind im Museum

Unverhofft landete Andreas Herzog in seiner persönlichen Schatzkammer. Als Assistent von Kustos Hermann Mayrhofer läutet er im Bergbau- und Gotikmuseum einen Generationenwechsel ein.

Andreas Herzog (22) im Raum „Glückauf“ des Bergbau- und Gotikmuseums.   Rachersberger
Andreas Herzog (22) im Raum „Glückauf“ des Bergbau- und Gotikmuseums.  

Es sprudelt aus ihm heraus. Stundenlang könnte er über Madonnen reden. Historische Ereignisse, dazugehörige Jahreszahlen, Eckpunkte aus dem eigenen Leben genauso wie die Geschichte, wie er zu seinem Job gekommen ist. Andreas Herzog, groß geworden in Saalfelden, seit zwei Jahren in Leogang wohnhaft, spricht gern und viel. Und er spürt, dass er gerade an der richtigen Stelle sitzt, an spannenden Hebeln dreht. In einer Funktion, an die er nicht ansatzweise gedacht hätte.

"Als Hauptschüler war ich an Geschichte interessiert. Aber wirklich befasst habe ich mich nie damit. Erst recht glaubt man nicht, einmal im Museum zu landen", sagt der 22-Jährige. Seit zweieinhalb Monaten ist er nun hauptberuflich der Assistent von Kustos Hermann Mayrhofer im Bergbau- und Gotikmuseum, seine Freundin Hanna Riedlsperger hatte ihn auf die freie Stelle aufmerksam gemacht. Erste Gespräche mit Mayrhofer und Kollege Martin Seiwald hinterließen einen bleibenden Eindruck. So ließ der ausgebildete Hotel- und Touristikkaufmann seinen Marketingjob in der Hotellerie hinter sich, begab sich stattdessen auf historisches Terrain.

Das Interesse an der Kunst war schnell geweckt. "Ich bin in einer Schatzkammer gelandet. Als Einheimischer war mir nicht bewusst, was für eine Perle dieses Museum ist, welch international hochwertige Exponate hier sind - und was mit dem Zubau noch alles entsteht."

Herzogs erste Aufgaben: Leihverträge verfassen, mit Mayrhofer Sammler quer durch Österreich besuchen, viele Informationen zum Inventar des Hauses aufsaugen, Marketingagenden übernehmen. "Wir müssen mit der Zeit gehen, mit mir kehrt hier ja quasi eine neue Generation ein." Die Facebook-Seite des Museums bespielt er verstärkt, eine App mit Audioguide ist im Entstehen, er feilt an neuen Texten für die Homepage, denkt an die Zugkraft von Instagram - "dafür sollen professionelle Fotos und Videos gemacht werden." An anderer Stelle müsse er die Zeit zurückdrehen. Sein Mentor Mayrhofer schreibe viele Briefe mit der Hand, um die Bedeutung zu unterstreichen. Das werde er künftig wohl auch öfter machen. Kurz nach seinem Einstand bekam er für Unterschriften eine Feder geschenkt.

Herzog will verstärkt auch junge Leute ansprechen, außerdem ist er auf der Suche nach Praktikanten für den Sommer. "Ich sehe mich in einer großen Verantwortung, habe den Drang, Wissen weiterzugeben." Die Ausbildung zum Museumskustoden zu absolvieren, bezeichnet er als reizvoll, ob er einmal Kunst studiere, stehe in den Sternen. "Jedenfalls fühlt es sich derzeit an, in einem Hafen angekommen zu sein."

Wenn am 25. Mai die Tore für das Publikum öffnen, kann Herzog auf das generalsanierte Thurnhaus (siehe Artikel rechts) direkt von seinem künftigen Büro aus blicken.


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