Chronik

Gedenkstein beschmiert: Verein fordert Aufklärung

Nach dem Anschlag auf das Denkmal für die ermordeten Wehrmachtsdeserteure in Goldegg von Anfang September sind noch immer sehr viele Fragen offen. Zumindest will die Gemeinde das historische Kapitel aus der nationalsozialistischen Zeit nun neu aufarbeiten.

Der Gedenkstein und die Tafel wurden beschmiert.  SN/chris hofer
Der Gedenkstein und die Tafel wurden beschmiert.

Die Freunde des Deserteursdenkmals in Goldegg begrüßen den Schritt der Gemeinde, damit dieses Kapitel der Goldegger Ortschronik aus 2008 wissenschaftlich neu geschrieben werden kann. "Landesarchivdirektor Oskar Dohle hat durch Gemeindevertretungsbeschluss gegen zwei Stimmen der FPÖ diesen Auftrag erhalten", gab nun der geschäftsführende Obmann des Vereins, Paul Chalupny, in einem offenen Brief bekannt.

Außerdem verlangt die Initiative "die vollständige Aufklärung der Beschmierung des Gedenksteins und entsprechende Entschädigung für die notwendige sachgemäße Reinigung". Aus diesem Grund hat die oberösterreichische SPÖ-Abgeordnete Sabine Schatz im Nationalrat zwei Anfragen an Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) und Justizminister Josef Moser (ÖVP) gestellt. Sie will wissen, welche Sicherheitsbehörden befasst sind, welche Ermittlungsmaßnahmen gesetzt wurden und ob es sich aus Sicht des Salzburger Landesamts für Verfassungsschutz um eine rechtsextreme Tathandlung handelt. Außerdem fragt die Abgeordnete, ob das Innenministerium Maßnahmen zum Schutz des Denkmals nach dessen Schändung ergriffen hat. Bislang unklar ist weiters, ob die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen unbekannte Täter oder gegen konkrete Beschuldigte führt.

"Die Deserteure und ihre Familien müssen vollständig rehabilitiert werden"

Der Verein fordert die vollständige Rehabilitation der Deserteure und ihrer Familienangehörigen. Die Schmähungen der Deserteure in der Ortschronik seien unerträglich. Die vierte Forderung ist die Verlegung des Gedenksteins vom Gelände des Rehabilitationszentrums der Salzburger Gebietskrankenkasse "in den öffentlichen Raum im Hof des Schlosses Goldegg".

Das Denkmal erinnert an die am 2. Juli 1944 von Gestapo, Gendarmerie und SS
ermordeten, inhaftierten und deportierten Menschen aus Goldegg-Weng, darunter
junge Männer, die nicht in die Wehrmacht einrücken wollten. 14 Menschen kamen
unmittelbar an diesem Tag oder später in Konzentrationslagern ums Leben.
"Die Schändung des Denkmals, dass an alle Opfer des 2. Juli 1944 erinnert, wurde
gezielt geschändet", heißt es in der Aussendung des Vereins. Bisher unbekannte Täter sprühten in der Nacht auf 1. September 2018 grünen Lack über die Texte und die Namen auf dem Stein. Die erklärende Tafel der Gebietskrankenkasse wurde zerstört.

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