Chronik

"Heil Hitler"-Rufe und Deutscher Gruß beim Wirt: Bedingte Haft für Salzburger in Geschworenenprozess

Nicht geständiger 49-Jähriger war zudem wegen Zechbetrugs angeklagt.

Der Prozess fand im Schwurgerichtssaal des Salzburger Landesgerichts statt.  SN/ratzer
Der Prozess fand im Schwurgerichtssaal des Salzburger Landesgerichts statt.

Mit einer leugnenden wie höchst abenteuerlich klingenden Verantwortung wartete Donnerstag am Landesgericht Salzburg ein 49-jähriger Einheimischer auf, dem Staatsanwalt Anton Scherr neben Zechbetrug das Verbrechen der Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinn gemäß §3g Verbotsgesetz anlastete.

Laut Anklage soll der mehrfach (nicht einschlägig) vorbestrafte gebürtige Flachgauer an einem Oktoberabend 2020 bereits erheblich alkoholisiert noch ein Wirtshaus in der Stadt Salzburg aufgesucht haben. "Dort hat er, obwohl er kein Geld mehr hatte, einen Spritzer getrunken. Und auch die Kellnerin und den Küchenchef eingeladen. Plötzlich begann er, mehrfach den Hitlergruß zu zeigen und 'Heil Hitler' zu rufen. Das hat er trotz der Aufforderung mehrerer Zeugen, es zu unterlassen, noch mehrmals wiederholt", so der Staatsanwalt. Der Angeklagte wies gegenüber dem Geschworenensenat (Vorsitz: Richter Philipp Grosser) alle Vorwürfe energisch zurück: "Ich habe zur Kellnerin und zum Küchenchef nur 'Heil dir!' gesagt. Und ich habe auch nur mit der Faust auf meine Brust geschlagen und dann die Hand nach außen gestreckt. Das habe ich einmal in einem Wikingerfilm gesehen", so seine skurrile Erklärung. Auf den Vorhalt Grossers, dass ihn gleich vier Zeugen dahingehend belasten würden, dass er "Heil Hitler" gesagt und die rechte Hand zum Deutschen Gruß emporgereckt habe, entgegnete der Angeklagte harsch: "Das sind infame Beschuldigungen. Und übrigens habe ich sehr wohl die Spritzer bezahlt. Die Kellnerin hat nur dann eine viel zu hohe Rechnung vorgelegt. Die wollten sich bereichern, weil ich 'voll dicht' war."

Was den Vorwurf der Wiederbetätigung betrifft, so hatte der Staatsanwalt vor den Geschworenen ausgeführt, "dass jede positive Darstellung des Nationalsozialismus, seiner Ziele und seiner Persönlichkeiten nach außen bereits strafbar ist".

Die Geschworenen erkannten den 49-Jährigen der Wiederbetätigung schuldig, sie verneinten aber die Frage nach Vorliegen eines Zechbetrugs. Urteil: zwölf Monate und 20 Tage bedingte Haft, verhängt als Zusatzstrafe zu einer Verurteilung des Angeklagten wegen Diebstahls vom Jänner 2021. Nicht rechtskräftig.

Aufgerufen am 25.10.2021 um 10:33 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/heil-hitler-rufe-und-deutscher-gruss-beim-wirt-bedingte-haft-fuer-salzburger-in-geschworenenprozess-110559598

Schlagzeilen