Chronik

Hilfe für leidgeprüfte Sportlerin

Linda Le Bon verliert wegen einer seltenen Erkrankung allmählich ihr Augenlicht. Ihr großer sportlicher Ehrgeiz treibt sie weiter an.

Die ehemalige Spitzensportlerin arbeitet wegen der Augenerkrankung jetzt als Reit- statt als Skilehrerin. SN/Anton Prlic
Die ehemalige Spitzensportlerin arbeitet wegen der Augenerkrankung jetzt als Reit- statt als Skilehrerin.

Das ganze Leben von Linda Le Bon drehte sich bisher um den Sport. Ihren diesbezüglichen Ehrgeiz hat die 55-Jährige auch an ihre Kinder vererbt. Das führte letztlich dazu, dass die Familie vor 15 Jahren von Belgien nach Mühlbach am Hochkönig zog. Schon davor sei sie regelmäßig in den Pongau auf Skiurlaub gefahren, sagt Le Bon. "Wir sind jedes Jahr etwas länger geblieben. Und eines Winters hat mir meine damals achtjährige Tochter gesagt, dass sie die Aufnahmeprüfung für die Skihauptschule machen will. Ich habe ihr gesagt, wenn sie es schafft, ziehen wir nach Mühlbach. Und sie wurde tatsächlich genommen."

Beim Skifahren wurde Linda Le Bon auch zum ersten Mal ihre schwere Augenerkrankung bewusst, die ihr Leben noch einmal komplett auf den Kopf stellen sollte. Es war vor sieben Jahren, und sie arbeitete mittlerweile als Skilehrerin. "Ich wollte in der Früh meine Gruppe ins Tal führen. Da bemerkte ich auf einmal, dass mein Skistock schief war. Wenn ich ihn in die andere Hand nahm, war er aber plötzlich wieder gerade."

Sie merkte gleich, dass das Problem nicht der Stock, sondern ihre Wahrnehmung war. Der Augenarzt schickte sie ins Spital, wo ihr eine niederschmetternde Diagnose gestellt wurde: Linda Le Bon leidet an einer Makuladegeneration, durch die sie ihr Augenlicht verlieren wird. In ihrem Alter sei das sehr selten, wurde ihr gesagt: Nur eine von 65.000 erkrankten Personen sei unter 65 Jahre alt. "Ich habe es am Anfang nicht wahrhaben wollen. Aber als meine Probleme mit dem Sehen immer schlimmer wurden, musste ich mich der Realität stellen."

Ihr Sehvermögen beträgt mittlerweile weniger als zehn Prozent. Ob sie ganz erblinden werde oder noch einen kleinen Rest an Sehvermögen behalten werde, lasse sich nicht sagen, sagt Linda Le Bon. "Anfangs hat mir der Arzt noch gesagt, er glaubt nicht, dass ich ganz blind werde. Als ich ihn neulich gefragt habe, hat er mir keine Antwort mehr gegeben."

Immer mehr Tätigkeiten des Alltags wurden für Linda Le Bon unmöglich: So musste sie das Autofahren aufgeben. Am schwersten fällt ihr aber, dass sie sich von ihren sportlichen Tätigkeiten verabschieden muss. Denn der Sport hat Linda Le Bon ihr Leben lang geprägt. Als 16-Jährige ging sie in Belgien zum Militär, da sie sich so voll dem Sport widmen konnte. Sie war Leichtathletin, Langläuferin, wurde Militärweltmeisterin im Orientierungslauf.

Als Skilehrerin konnte Linda Le Bon mit Ausbruch ihrer Erkrankung nicht mehr arbeiten. Trotzdem schafft sie es noch, Unterricht zu geben: Derzeit arbeitet sie als Reitlehrerin auf einem Ferienhof. Die Intuition der Tiere helfe ihre dabei, diese Aufgabe zu meistern. "Ich spreche nicht die Kinder an, sondern die Pferde, auf denen die Kinder sitzen. Und ich orientiere mich an verschiedenfarbigen Satteldecken."

Noch kann Linda Le Bon selbstständig zur Arbeit gehen, weil sie in Mühlbach jeden Winkel kennt. Bald soll sie auch einen Blindenhund bekommen, der ihr dabei helfen kann.

In ihren eigenen vier Wänden braucht Linda Le Bon aber immer mehr Unterstützung. Zwar kann sie sich auch in dieser vertrauten Umgebung gut orientieren. Aber ihre Post kann sie nicht mehr lesen. Auch der heute notwendige Umgang mit modernen Medien fällt ihr immer schwerer: E-Mails und ihr Handy kann sie kaum noch entziffern. "Es gibt ein Computersystem, das mir digitale Inhalte vorlesen kann. Aber das ist sehr teuer." Mehrere Tausend Euro müsste sie in so ein System investieren.

Trotz aller Schwierigkeiten hat Linda Le Bon den Mut nicht verloren. Auch, weil sie seit Kurzem wieder Ski fahren kann: Mit einem Vorläufer, der ihr die Schwünge ansagt. "Am Anfang war das ein gruseliges Gefühl. Aber es klappt ganz gut."

SN-Info: Um Linda Le Bon beim Ankauf eines Assistenzsystems zu unterstützen, gehen Spenden auf das Konto des Blindenverbands. IBAN AT07 2040 4000 4023 3785
Kennwort: Für Linda Le Bon

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