Chronik

Hochwasser in Mittersill: Lage im Pinzgau entspannt sich

Den ganzen Donnerstag kämpften die Einsatzkräfte vor allem im Oberpinzgau gegen die Fluten. Nun entspannt sich die Lage - auch in Mittersill.

Die Hochwassersituation entlang der Salzach hat sich in den frühen Abendstunden langsam entspannt. Daher konnte der Vorsorgealarm für das Zentrum von Mittersill beendet werden, teilte Dr. Bernhard Gratz mit, stellvertretender Bezirkshauptmann von Zell am See. Am Nachmittag war ein vorsorglicher Zivilschutzalarm ausgerufen worden.

Die Niederschläge haben indes aufgehört. Nun fließt das Wasser aus den dafür vorgesehenen Überflutungsräumen zurück in die Salzach. Die Schutzdämme werden aber weiterhin intensiv kontrolliert. Im Unterlauf der Salzach sinken die Pegel ebenfalls langsam.Unwetter ohne WarnungIn der Nacht auf Donnerstag ging sintflutartiger Regen über dem Pinzgau nieder. Die Bäche aus den Tauerntälern brachten enorme Wassermengen und Unmengen von Treibholz in die Salzach. Der Pinzgauer Bezirksfeuerwehrkommandant Franz Fritzenwanger sagt, es habe keine Warnung gegeben, weil es so schnell gegangen sei. "Und ab Mittwochmittag funktionierte der Salzachpegel in Mittersill nicht mehr. Ich konnte ihn am Computer nicht mehr ablesen." Das Onlinesystem des Hydrographischen Dienstes funktionierte seit Mittwoch im ganzen Bundesland nicht mehr und wurde erst am Donnerstagvormittag wieder neu gestartet.

Als der Regen stärker wurde, fuhr Fritzenwanger gegen Mitternacht in Uttendorf zur Salzach. Der Pegel stand bei 4,60 Meter. "Ich habe sofort alle Ortskommandanten im Oberpinzgau verständigen lassen." Die Feuerwehren begannen mit den Schutzmaßnahmen.

Höchster Wasserstand aller ZeitenDie Pegel stiegen und stiegen. Am späten Nachmittag erreichte er in Mittersill 5,68 Meter. "Der höchste Wert, der je gemessen wurde", sagte Ortskommandant Roland Rauchenbacher. "Ohne den neuen Hochwasserschutz wären wir abgesoffen." Beim Hochwasser 2005, als das ganze Zentrum überflutet wurde, lag der Höchstpegel bei 5,17 Meter.

Schon in der Nacht hatte die Mittersiller Feuerwehr damit begonnen, die mobilen Aluminiumwände aufzustellen. Die Geländer der Salzachbrücke wurden weggeschnitten, damit das Wasser ungehindert über die Brücke fließen konnte. Das geschah ab Mittag. Dann wurden auch die riesigen Rückhaltebecken hinter dem künstlichen Schutzdamm westlich von Mittersill geflutet.

Um 17 Uhr wurde wie 2005 Zivilschutzalarm ausgelöst. Sirenen heulten. Die Menschen wurden mit Lautsprechern gewarnt und aufgefordert, in die oberen Stockwerke zu gehen. 45 Soldaten des Jägerkompanie Saalfelden unterstützten ab 19 Uhr die Feuerwehren in Mittersill. Am Abend dann die Entwarnung: Das Wasser geht zurück.Becken früher fluten?Dem Brucker Feuerwehrchef Franz Eder wäre lieber gewesen, die Becken in Mittersill wären schon früher geflutet worden. Die Brucker und andere Feuerwehren kämpften am Nachmittag gegen eine Überflutung von Bruck und Schüttdorf. Wegen eines Streits zwischen Grundbesitzern und der Stadt Zell am See fehlt noch immer der Schutz für das Zeller Becken. Die Einsatzkräfte mussten beim Entsorgungsunternehmen Zemka einen Damm aufschütten, um Schüttdorf zu retten. Die Salzach war dort bereits über die Ufer getreten. Im Extremfall kann sie in den Zeller See durchbrechen.

Den größten Schaden richtete das Hochwasser in Neukirchen und Bramberg an. Im Neukirchner Ortsteil Rosenthal mussten zehn Häuser evakuiert werden. Die Wasserrettung musste sieben Personen mit Booten befreien. Bürgermeister Peter Nindl (ÖVP) zeigte sich aber erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist. "Der Hochwasserschutz im Marktzentrum hat gehalten. Auch die neue Pinzgaubahntrasse blieb unbeschädigt." Auch in den Orten Hollersbach, Stuhlfelden, Utterndorf und Niedernsill war die Lage angespannt.

Schäden an der Bramberger TrasseWie groß die Schäden an der Trasse in Bramberg sind, lässt sich noch nicht sagen. Sie wurde komplett überflutet. Der Schaden lässt sich erst begutachten, wenn der Wasserstand zurückgegangen ist. Der Verkehr konnte am Donnerstagabend bis Niedernsill wiederhergestellt werden.

Das Hochwasser war weder von Hydrographen noch von Meteorologen vorhergesehen worden. Über Mitteleuropa habe es seit Tagen sehr feuchte Luft gegeben, sagt Meteorologe Christian Ortner. "Exakt zu sagen, wo die Niederschläge abgehen, ist aber schwierig."

Bahnstrecken im Pinzgau gesperrt Wegen der hochwasserführenden Salzach ist die Bahnstrecke zwischen Taxenbach und Zell am See gesperrt worden. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. In der Nacht auf Freitag soll die Strecke voraussichtlich wieder geöffnet werden. Internationale Züge werden über Rosenheim umgeleitet. Zwischen Golling und Sulzau steht wegen des Hochwassers auf einer Länge von sechs Kilometern nur ein Gleis zur Verfügung. Es kommt deshalb zu Verspätungen. Aktuelle Informationen werden im Internet auf oebb.at veröffentlicht. Die Pinzgauer Lokalbahn fährt nur zwischen Zell am See und Niedernsill. Von dort gibt es bis Krimml einen Schienenersatzverkehr. Die Gerlos-Bundesstraße ist indes im Bereich Rosental und im Bereich Bramberg für den Pkw-Verkehr wieder frei befahrbar. Stadt Salzburg: Hochwasserschutz wird aufgebaut

Andere Teile des Bundeslandes Salzburg blieben trotz teils heftigen Gewitters vorerst vom Hochwasser verschont. Der Pegel hat in der Stadt Salzburg am Donnerstagabend seinen Höhepunkt überschritten. Laut Aussendung der Stadt hat die Salzach am Pegel Mayburgerkai am Nachmittag den Höchststand von 7,36 Meter erreicht und ist seither stabil bzw. leicht fallend. Nach den Prognosen des Hydrographischen Dienstes ist in den nächsten Stunden mit keinen weiteren Hochwasserspitzen zu rechnen.

Sicherheitshalber wurden Donnerstagmittag von Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt Salzburg die Hochwasser-Schutzanlagen entlang der Salzach aufgebaut.Zahlreiche Feuerwehreinsätze Bereits am Mittwochabend kam es in einigen Flachgauer Gemeinden, in Berndorf, Seeham und Nußdorf, wegen überschwemmter Keller und Straßen zu fünf Einsätzen der Feuerwehren. In Seeham schwellten mehrere kleine Bäche so stark an, dass sie über die Ufer traten und teilweise das Regenwasser in einige Keller drückte, wie die Freiwillige Feuerwehr Seeham informierte.

Starke Niederschläge haben auch in weiteren Teilen Österreichs zu Überflutungen geführt. Besonders betroffen waren neben dem Pinzgau das Burgenland, Teile Niederösterreichs und das Tiroler Unterland.

Sie sind vor Ort? Schicken Sie uns Bilder an onlinered@salzburg.com

Quelle: SN

Aufgerufen am 11.12.2018 um 06:13 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/hochwasser-in-mittersill-lage-im-pinzgau-entspannt-sich-3322762

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