Chronik

Home Invasion: Opfer schrie in Badewanne um Hilfe

Brutaler Überfall auf einen Großarler: Vier Verdächtige stehen bald vor Gericht. Ihr Opfer hat nach den Attacken bleibende Schäden.

 SN/sprenger

Sie läuteten an der Haustür, attackierten ihr Opfer mit Faustschlägen und fesselten es mit Kabelbindern. Auf äußerst brutale Weise sollen zwei Rumänen und eine Landsfrau im Jänner dieses Jahres in das Haus eines 66-jährigen Großarlers eingedrungen sein. Das Trio soll den Mann mit einer Waffe bedroht und ausgeraubt haben. Ein weiterer Verdächtiger - er stammt ebenfalls aus Rumänien - soll in einem Fluchtauto gewartet haben. Das Quartett muss sich nun vor Gericht verantworten.

Laut Anklage kundschafteten die Verdächtigen mehrere Tage lang die Umgebung aus, ehe sie zuschlugen. Sie suchten gemäß Anklageschrift nach älteren und gebrechlichen Personen, die allein leben und von denen wenig Widerstand zu erwarten war. Der 66-Jährige ist gehörlos und erschien den Tätern somit offenbar als ideales Opfer. Die Rumänen im Alter zwischen 24 und 47 Jahren legten sich auf die Lauer und warteten, bis der Sohn des Salzburgers das Haus verlassen hatte. Sie klingelten am 28. Jänner gegen 14.30 Uhr an der Türe. Der 66-Jährige öffnete ihnen.

Einer der beiden Männer schlug den Großarler laut Anklage zu Boden. Zusammen mit seinem Komplizen soll er das Opfer mit Faustschlägen und Fußtritten attackiert haben und mit Handschellen gefesselt haben. Die 24-jährige Mitangeklagte soll den Salzburger mit einer Pistole bedroht haben. Anschließend zerrten die Verdächtigen ihr Opfer offenbar in das Schlafzimmer, warfen es mit dem Kopf nach unten auf das Bett und nahmen ihm die Handschellen ab. Stattdessen fesselten sie den Mann nun mit Kabelbindern an den Füßen und Händen. Danach trugen die Rumänen ihn laut Anklageschrift ins Badezimmer und legten ihn in die Wanne. Die 24-Jährige bedrohte den Großarler offenbar weiter mit der Waffe, ihre Landsmänner durchsuchten derweil das Haus. Sie erbeuteten 600 Euro und flüchteten. Ihr Opfer ließen sie laut Anklage gefesselt zurück. Der Mann konnte sich selbst befreien und rief um Hilfe.

Der 66-Jährige zog sich bei dem Überfall mehrere Abschürfungen und Prellungen im Gesicht zu. Und: Seinen rechten Arm kann der Mann auch knapp sieben Monate nach der Tat nur eingeschränkt bewegen. Sein Ellenbogen dürfte dauerhaft geschädigt bleiben. "Der Mann ist psychisch schwer angeschlagen", sagt Opferanwalt Stefan Rieder vom Weißen Ring. Die Täter seien in die absolute Privatsphäre des Mannes eingedrungen. "Ein Verbrechen in den eigenen vier Wänden, mehrere Täter und eine Waffe - all das macht die Tat zu einem besonderen Drama", sagt Rieder.

Die Verdächtigen - sie sind allesamt in Österreich noch unbescholten - wurden bereits am Tag nach der Tat in der Steiermark verhaftet. Das Opfer konnte die 24-jährige Angeklagte identifizieren. Sie war im Gegensatz zu ihren Komplizen während der Tat nicht maskiert. Zeugenaussagen und DNA-Spuren belasten die vier Rumänen schwer.

Knapp zwei Wochen vor dem Überfall in Großarl sollen zwei der Angeklagten in Gröbming ein weiteres ähnliches Verbrechen begangen haben. Gemäß Anklage überfielen die Männer einen 88-Jährigen in seinem Haus. Sie attackierten ihn auf brutale Weise und fesselten den Mann. Die Verdächtigen erbeuteten dabei offenbar Schmuck und Bargeld in Höhe von mehr als 6000 Euro. Das Opfer erlitt bei dem Überfall mehrere Rippenbrüche, ein Hämatom am Auge sowie Abschürfungen an Händen und Füßen. Der Mann musste mehrere Tage im Krankenhaus verbringen. Noch längere Zeit litt er unter Angst- und Panikattacken.

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