Chronik

"Ich liebe Radiomachen"

Ohne es geplant zu haben, landete Christina Pausch aus Mariapfarr bei Ö3. Ihre Stimme ist regelmäßig im größten Radiosender des Landes zu hören.

Christina Pausch bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Radiomachen. Bild: Ronny Taferner SN/sw
Christina Pausch bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Radiomachen. Bild: Ronny Taferner

Der Lungauer Dialekt ist nicht herauszuhören, wenn ihre Stimme aus Millionen Radios in Österreich klingt. Wie das?

"Als Kind hatte ich jede Benjamin-Blümchen-Kassette - die habe ich mir stundenlang angehört und dadurch oft hochdeutsch geredet", sagt die 29-Jährige lachend. Heute moderiert Christina Pausch hauptsächlich Sendungen am Abend oder nachts und manchmal am Wochenende auf Hitradio Ö3. Gesendet wird aus Wien-Heiligenstadt, einem der modernsten Radiostudios in Europa. Radiomoderatorin zu werden, war nicht ihr Berufswunsch. Nach dem MultiAugustinum in St. Margarethen absolvierte sie die Lehre als Zahnarztassistentin. Immer wieder traf sie auf Menschen, denen ihre "interessante Stimme und Ausdrucksweise" auffielen.

2008 zog sie nach Graz und bewarb sich beim Privatsender Radio Graz, wo sie als Praktikantin im Hörerservice begann, nicht lange später wurde sie Moderatorin und bekam eine eigene Nachmittagssendung. "Das Flair im Radiostudio hat mich gefesselt."

Bei einer Livesendung von einem Event wurde sie von einem ehemaligen Radio- und Fernsehmoderator angesprochen, worauf die damals 21-Jährige bald zu Hitradio Ö3 wechselte. "Ich war verliebt in Ö3 und konnte diese Liebe bei keinem anderen Radiosender empfinden. So früh zum größten Radiosender Österreichs zu kommen, ist Fluch und Segen zugleich. Man hat sehr viele Möglichkeiten und weiß gleichzeitig, dass es in Österreich im Radiogeschäft nichts Größeres mehr gibt", resümiert die Moderatorin. 2014 beschloss sie, Ö3 zu verlassen. "Ich war damals zu jung, naiv und zu verletzlich für dieses taffe Business." Sie ging auf Reisen und arbeitete als Weinbäuerin im Familienbetrieb ihres Freundes im Weinviertel. 2016 kam sie wieder zu Ö3 zurück. Pausch erinnert sich noch genau an ihre erste Sendung: "Ich hatte Herzklopfen. Es war wie ein Date mit einer alten Liebe - so, als wäre ich nie weg gewesen."

Wenn die Lungauerin eine Sendung moderiert, denkt sie schon beim Aufstehen daran, informiert sich über das tagesaktuelle Geschehen und versucht, die passende Grundstimmung ins Studio mitzunehmen. "Mein Beruf ist mit einem ewigen Lernprozess verbunden. Es geht nicht darum, perfekt und glatt zu sein. Der Hörer spürt die Stimmung des Moderators und merkt, wenn man sich verstellt." Zwei Stunden bereitet sie sich auf die Sendung vor, dann ist Pausch on air. "Mir ist wichtig, dass ich genau weiß, wovon ich rede, denn wenn ich es nicht weiß, wie soll es dann der Hörer wissen?"

Die verschiedenen Moderationsschichten und Sendungen ermöglichen keinen geregelten Alltag. Auch wenn es manchmal schwierig ist, nach Spät- und Nachtdiensten wieder in den Tagesrhythmus zu finden, schätzt sie die Flexibilität und Abwechslung an diesem Job. Ihre Stimmung vor der Sendung bezeichnet sie als "angenehm wach und konzentriert". Nervös ist Christina Pausch nur vor neuen oder speziellen Sendungen. "Natürlich passieren ab und zu Patzer. Wirklich peinliche Momente im Radio sind aber nicht Versprecher, sondern wenn ich nicht 100 Prozent ich selbst bin und merke, dass ich mich verstelle. Authentisch zu bleiben, ist gleichzeitig die größte Herausforderung. Außerdem steht man in der Öffentlichkeit und muss mit Kritik, vor allem in sozialen Netzwerken, umgehen können."

Dass sich die Radio- und Medienbranche gerade durch die sozialen Medien in einem Wandel befindet, ist für sie nicht zu übersehen. Die Zukunft von Radio sei ungewiss. "Moderatoren sind am Ende des Tages Journalisten, die einen großen Einfluss auf Menschen haben. Gerade heutzutage ist es wichtiger denn je, im Urwald an Informationen wahre Fakten herauszufinden. Ö3 ist ein Sprachrohr für viele Menschen - ich nehme diese Verantwortung wahr." Ihr Job ist das Reden und Unterhalten. Dennoch sieht sie sich selbst als "introvertierter, als manche annehmen, sensibel und loyal. Sowie manchmal hitzig, dank einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit." In der Freizeit erholt sie sich gerne in der Natur, oft durch Reitrunden mit ihrem Pferd. Pausch lebt mit ihrem Lebensgefährten in Maissau in Niederösterreich und pendelt für die Arbeit nach Wien - wohnen möchte sie nicht in der Großstadt. An Wien schätzt sie vor allem die kulinarischen, kulturellen und beruflichen Möglichkeiten sowie die ständige Bewegung der Stadt. Ihre Lieblingsorte: "Der Brunnenmarkt und das Museumsquartier, ich mag die studentische und künstlerische Atmosphäre dort sehr."

Alle paar Monate kommt sie in den Lungau zurück, an dem sie vor allem die Herzlichkeit der Menschen, die vielen Bräuche und die traumhafte Landschaft schätzt. Der Prebersee und die Longa gehören zu ihren Lieblingsplätzen. "Als kleines Kind habe ich geglaubt, die ganze Welt schaut so aus wie der Lungau. Später ist mir bewusst geworden, dass es ein ganz besonderer Ort ist, an dem ich aufgewachsen bin."

Quelle: SN

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