Chronik

IS-Verdacht: Syrer in Salzburg vor Gericht und neue brisante Anklage

Ein in Salzburg gefasster Flüchtling steht Montag vor den Schöffen: Er soll beim IS Wachsoldat gewesen sein. Zudem wurde ein Marokkaner angeklagt: Er hatte Kontakt mit verhinderten Attentätern.

IS-Verdacht: Syrer in Salzburg vor Gericht und neue brisante Anklage SN/Copyright by: FRANZ NEUMAYR Pres
Symbolbild.

Er war der erste von einem halben Dutzend Terrorverdächtigen, die im Vorjahr mit dem Migrantenstrom nach Europa gereist und in einem Salzburger Flüchtlingslager gefasst worden waren: Ahmad Al I., ein 22-jähriger Syrer. Am 17. September klickten für ihn die Handschellen. Ermittlungen hatten ergeben, dass Ahmad Al I. dringend verdächtig sei, sich spätestens im Herbst 2014 der Terrormiliz Islamischer Staat als Kämpfer angeschlossen zu haben.

Am Montag steht der 22-Jährige nun am Landesgericht wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor einem Schöffensenat. Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bei einer Verurteilung drohen dem Syrer bis zu zehn Jahre Haft. Laut der bereits Ende Mai erhobenen Anklage soll Ahmad Al I. jedenfalls bis Anfang Februar 2015 in seiner syrischen Heimat für den IS "als Wachsoldat und bewaffneter Kämpfer" gedient haben.

Ermittler fanden demnach auf Handy und PC-Tablet des 22-Jährigen IS-Propagandamaterial und zahlreiche Bilder, die - so die Anklage - die "positive Haltung" des Angeklagten gegenüber der Terrormiliz belegen würden. Der junge Mann wird von mehreren Zeugen belastet - diesen soll er detaliiert über seine Zeit in Diensten des IS erzählt haben.

Ahmad Al I. von RA Reinhold Gsöllpointner als Verfahrenshelfer verteidigt. Der anfangs geständige Angeklagte sagte später im Rahmen des Vorverfahrens, er habe sich nur deshalb beim IS beteiligt, weil dies für sein eigenes Überleben dringend notwendig gewesen sei.

Staatsanwalt erhob weitere Anklage gegen IS-Verdächtigen

SN-Recherchen zufolge erhob die Staatsanwaltschaft kürzlich gegen einen weiteren, zuletzt in Salzburg in U-Haft sitzenden IS-Verdächtigen Anklage. Es handelt sich dabei um den Marokkaner Abid T. (26), der sich im Dezember im Flüchtlingsquartier auf dem einstigen Asfinag-Gelände in Liefering befand und den Terrorfahndern damals entwischte. Im Juli wurde er aber in Belgien gefasst und im September nach Salzburg ausgeliefert.

Der Hintergrund der nicht rechtskräftigen Anklage gegen Abid T. ist brisant: Exakt am 10. Dezember waren im Asfinag-Camp der Algerier Adel H. (29) und der Pakistaner Muhammad U. (35) verhaftet worden. Die beiden waren mit zwei späteren Paris-Attentätern in Europa eingesickert und hätten sich ebenfalls am 13. November in Paris in die Luft sprengen sollen. Allerdings flogen sie mit ihren gefälschten Pässen auf und saßen wochenlang in Griechenland fest. Erst Ende November kamen Adel H. und Muhammad U. schließlich nach Salzburg. Laut Anklage trafen sich die - inzwischen an Frankreich ausgelieferten - H. und U. dann im Dezember mit Abid T., dem jetzt Angeklagten. Während die zwei verhinderten Attentäter verhaftet wurden, gelang T. damals die Flucht. Die Staatsanwaltschaft geht offenbar davon aus, das sich der Marokkaner an der Vorbereitung weiterer Anschläge beteiligt habe.

Bisher sieben Verdächtige im Visier der Staatsanwaltschaft

Der erste Prozess am Landesgericht gegen einen in Salzburg gefassten Terrorverdächtigen war im Juni: Wegen Mitgliedschaft bei der Terrororganisation Al-Nusra-Front erhielt ein Syrer (29) zwei Jahre Haft (nicht rechtskräftig).

Ein zweiter Syrer steht nun am Montag vor Gericht, er soll IS-Kämpfer gewesen sein. Zudem gibt es weitere zwei Anklagen gegen drei IS-Verdächtige: Gegen die am 18. 12. gefassten Kamal A. aus Marokko und Youcef B. aus Algerien, sowie gegen Abid T. (Marokko). Zwei weitere mutmaßliche IS-Terroristen, Adel H. und Muhammad U., wurden Ende Juli nach Paris ausgeliefert.

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