Chronik

Justizanstalt Puch: Arbeit hinter Gittern lässt die Kassen klingeln

Hinter Gittern, aber nicht weggesperrt: Die Insassen der Salzburger Justizanstalt werken in zwölf hauseigenen Betrieben und erwirtschaften 400.000 Euro jährlich.

Es ist kurz nach 11 Uhr Vormittag. Auf den hell gestrichenen Gängen der Justizanstalt Puch-Urstein herrscht Stille. Die meisten Zellen sind unbesetzt, viele Türen stehen offen. Das Salzburger Gefängnis wirkt verlassen - und doch sitzen aktuell 227 Häftlinge in Puch ein.

80 Prozent aller Insassen arbeiten unter die Woche in einem der zwölf hauseigenen Betriebe. Die Justizanstalt beherbergt unter anderem eine Wäscherei, eine Schlosserei eine Kfz-Werkstatt und zwei Großküchen.

20 Insassen sind täglich zum Küchendienst eingeteilt. Die Häftlinge kochen nicht nur für ihre Mitbewohner, sondern auch für das Halleiner Hilfswerk und den Oberalmer Kindergarten. Der 23-jährige Patrick etwa macht in der Gefängnisküche eine Kochlehre. "Ich sitze seit mehr als zwei Jahren hinter Gittern. Begonnen habe ich meine Lehre noch in Freiheit", sagt er. Im Juni steht für den 23-Jährigen die Abschlussprüfung an. "Die will ich unbedingt schaffen, ich will späte in einem Restaurant oder Gasthaus arbeiten." Ein weiterer Motivationsgrund: Schafft Patrick seine Prüfung, darf er künftig in der Beamtenkantine den Kochlöffel schwingen. "Dann wäre ich im gelockerten Vollzug und hätte Anrecht auf Freigänge", sagt er.

Für Patrick und die restlichen Insassen startet der Arbeitstag um 7.15 Uhr. Wirtschaftsleiter David Klingbacher und sein Team sorgen für einen reibungslosen Ablauf. "Die Pausen und Essenszeiten sind für alle Betriebe genau geregelt. Zeit zum Herumlungern bleibt nicht", sagt Klingbacher. Um 14.15 Uhr endet für die Häftlinge der Arbeitstag. "Die Insassen sind froh, dass sie etwas zu tun haben. In der Zelle würde ihnen die Decke auf den Kopf fallen", sagt der Beamte. Die Arbeit ist für die Gefangenen verpflichtend. Ausgenommen sind Pensionisten, Insassen in Untersuchungshaft sowie sogenannte "Komplizen". "Das sind Personen, die keinesfalls mit Mithäftlingen sprechen dürfen. Sie könnten Absprachen untereinander treffen", sagt Klingbacher.

Rund 400.000 Euro erwirtschaften die zwölf Betriebe des Gefängnisses pro Jahr. Einige Unternehmen aus der Umgebung arbeiten mit dem Gefängnis zusammen und lassen von den Insassen diverse Hilfsarbeiten erledigen. "Unsere Insassen sortieren Schrauben oder verpacken und verschicken Magazine ", sagt der Wirtschaftsleiter. Für Firmen sei dies eine gern genützte Alternative zu einer Produktionsverlagerung ins Ausland.

In den handwerklichen Betrieben sind auch Privatpersonen gern gesehene Kunden. In der Schlosserei fertigen die Insassen unter fachmännischer Anleitung Fenstergitter, Balkongeländer und Regale. In der Wäscherei erhalten Kunden ihre Wäsche auf Wunsch auch gebügelt. In der Tischlerei gibt es Gartenmöbel (ab 200 Euro), Kinderbänke (ab 60 Euro) und Nussspender (25 Euro) zu erstehen. Besonders beliebt bei den Kunden seien Vogelhäuschen. Die Preise variieren je nach Größe und Holzart. "Wir bemalen die Häuschen. Fußballfans bekommen bei uns das Haus in den Farben und mit dem Logo ihres Vereins", sagt ein Häftling. Die tägliche Arbeit in der Tischlerei mache ihm Freude. "Es ist eine perfekte Ablenkung."

Die Häftlinge werden für ihre Arbeiten nach dem Metaller-Kollektivvertrag bezahlt. 78 Prozent des Lohns muss jeder Inhaftierte für Kost, Logis und Versicherung abgeben. Das restliche Geld landet zur Hälfte auf einem Sparbuch, Die übrigen 50 Prozent bekommen die Insassen ausbezahlt. Die Justizanstalt hat einen kleinen Supermarkt, in dem die Häftlinge zu bestimmten Zeiten einkaufen können. "Moderner Strafvollzug soll möglichst die Realität abbilden. Arbeiten und sich sein Geld einteilen gehören da dazu", sagt Klingbacher.

Im Schnitt verbringt ein Häftling in Puch-Urstein acht Monate hinter Gittern. Der jüngste Insasse ist momentan 15 Jahre alt, der älteste 71. Auf 200 Männer kommen ungefähr 15 Frauen. Rund 40 Prozent der Gefangenen werden rückfällig. "Das ist ein sehr guter Wert. Die Maßnahmen zur Resozialisierung tragen Früchte", ist sich der Wirtschaftsleiter sicher. Denn: "Die Menschen sollen sich in der Haft entwickeln. Beschäftigung und Bildung sind wichtige Faktoren im Kampf gegen Kriminalität." Minderjährige Gefangene müssen daher in der Justizanstalt die Schulbank drücken. Für Ausländer gibt es verpflichtende Deutschkurse. Laut Justizministerium belaufen sich die Kosten für einen Insassen auf rund 123 Euro. Österreichweit lässt sich die Republik den Straf- und Maßnahmenvollzug 444 Millionen Euro im Jahr kosten.

Kochlehrling Patrick legt um 14.15 Uhr seine Schürze zur Seite. Sein Arbeitstag ist beendet. Sechs Monate muss er noch in Haft bleiben. "Mit Vorstrafen einen Job zu finden wird schwierig. Ich hoffe, dass ich nicht rückfällig werde."

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