Chronik

Krebsdiagnose - aber bis zu fünf Monate Wartezeit auf rettende OP in Salzburg

Gewerkschafter in Salzburg schlagen Alarm - in den heimischen Krankenhäusern müssen Patienten teils mehrere Monate auf wichtige Operationen warten. Das gilt auch für Menschen, bei denen Krebs diagnostiziert wurde. Die Landeskliniken weisen die Kritik zurück.

Lange Wartezeiten auf eine OP in Salzburg – Gewerkschafter sind empört. SN/Andreas Kolarik Fotografie
Lange Wartezeiten auf eine OP in Salzburg – Gewerkschafter sind empört.

Gerald Forcher, Landesvorsitzender der Fraktion Soziademokratischer Gewerkschafter (FSG) und SPÖ-Landtagsabgeordneter, spricht von teilweise unzumutbaren Wartezeiten für OP-Termine in Salzburg.

Forcher: "Die Beispiele von Betroffenen machen uns fassungslos. Was ist aus unserem vielgelobten Gesundheitssystem geworden? Wir haben mittlerweile bald Zustände wie in den USA - wer mehr zahlt, wird schneller behandelt. Das kann es wohl nicht sein!"

In einer Aussendung beschrieb die FSG am Freitag folgenden Fall: "Bei Charlotte W., 73 Jahre aus Salzburg Stadt, wurde Ende August 2018 eine Diagnose gestellt, die eine dringende Augen-OP verlangte. Der erste OP-Termin war allerdings erst dreieinhalb Monate später im Dezember 2018 terminisiert. Nun hieß es trotz der rasant fortschreitenden Verschlechterung der Sehfähigkeit: Bitte warten! An besagtem Tag im Dezember wurde Frau W. für 13 Uhr in die Augenklinik in die SALK bestellt. War das Warten in den vergangenen dreieinhalb Monaten noch nicht genug, hieß es nun nochmals fünf Stunden Geduld bis die OP schließlich durchgeführt wurde."

Gerald Forcher (FSG) fordert die Abschaffung von langen Wartezeiten auf Operationen. SN/fsg salzburg
Gerald Forcher (FSG) fordert die Abschaffung von langen Wartezeiten auf Operationen.

Patientin für 7 Uhr bestellt und um 18 Uhr operiert

Weiter: "Bei diesem Eingriff wurde festgestellt, dass auch das zweite Auge operiert werden muss. Neuer Termin für die zweite OP: April 2019. Also wieder vier Monate warten. Am OP-Tag wurde Frau W. für 7 Uhr in der Früh bestellt - und wieder musste sie warten. Die OP fand an diesem Tag erst um 18 Uhr statt! Die 73-jährige Salzburgerin zeigt sich verwundert über diese langen Wartezeiten: ,Es ist eine Zumutung für alle Patienten zuerst drei bis vier Monate auf den OP-Termin zu warten. Dann ist endlich der Termin da, man geht nervös und mit zitternden Händen ins Spital, denn immerhin handelt es sich ja um einen operativen Eingriff. Und dann muss man sich nochmals einen halben bzw. einen ganzen Tag bis zum eigentlichen Eingriff gedulden. Man sitzt herum und fürchtet sich. In dieser Zeit darf man nichts trinken und essen, das ist besonders unangenehm, vor allem für Senioren.'"

Rascher Termin nach Abschluss von Privatversicherung

Die FSG führt ein weiteres Beispiel an: "Beim 57-jährigen Salzburger Rudolf B. wurde Ende Oktober 2018 eine Krebs-Erkrankung festgestellt. Auf diese schockierende Nachricht hin fasste Rudolf B. den Entschluss, alles daran zu setzen, den Krebs zu besiegen. Für sein Leben zu kämpfen! Dann die nächste schockierende Nachricht: Bitte warten! Der OP-Termin ist im April 2019. Wartezeit: Fünf Monate. Fünf Monate bangen, hoffen, nachdenken. Fünf Monate den Krebs in seinem eigenen Körper ausbreiten lassen? Zufällig kommt ein Angebot einer privaten Krankenversicherung, die bei Abschluss mehr Tempo verspricht. Rudolf B. kann sich das nicht vorstellen. Er kann nicht glauben, dass unser Gesundheitssystem mittlerweile so funktioniert. Aber jeder Strohhalm, an den man sich klammern kann hilft. So schließt er im Jänner 2019 eine Privatversicherung ab. Und siehe da: Er bekommt in einer Privatklinik in Salzburg bereits im Februar 2019, also nur ein Monat später, einen OP-Termin. Rudolf B. ist sich sicher: Hätte er bereits eine Privatversicherung gehabt, hätte er nach der Diagnose Ende Oktober bereits im November den OP-Termin haben können."

24 Betten in 150.000-Einwohner-Stadt

Das dritte Beispiel der FSG: "Bettina R. erleidet einen Bandscheibenvorfall und hat dadurch quälende Schmerzen. Vorausgegangen waren zahlreiche Schmerzbehandlungen bei ihrer Hausärztin, aber irgendwann helfen auch die Spritzen nichts mehr. In der Dopplerklinik wird Bettina R. mehrmals untersucht, aber immer wieder nach Hause geschickt. So lange nach Hause geschickt, bis sie zu Hause vor Schmerzen zusammenbricht und mit dem Notarzt in die CDK-Klinik eingeliefert wird. Nach wochenlangem Martyrium endlich die Operation. Auf ihre Frage, warum so lange gewartet wird, bis die OP durchgeführt wird, bekommt sie die Antwort: ,Wir haben zu wenige Betten. Bei 150.000 Einwohnern sind an die 24 Betten in der Neurologie und Neurochirurgie für Bandscheibenprobleme viel zu wenig.'"

Gerald Forcher: "Meine Diagnose lautet: Das Salzburger Gesundheitssystem ist massiv erkrankt. Bis zu fünf Monate Wartezeit bei überlebensnotwendigen Krebs-Operationen. Aber wenn man die Kreditkarte zückt und eine teure Zusatzversicherung abschließt, wird man schneller behandelt. Wir fordern die Landesregierung auf, hier zu handeln. Die langen Wartezeiten auf Operationen müssen abgeschafft werden!"

Landeskliniken: Versicherungsstatus spielt keine Rolle

Die in der Aussendung der FSG formulierten Vorwürfe sind für die Landeskliniken (SALK) nicht nachvollziehbar. In einer Stellungnahme heißt es: "Wir möchten nochmals eindeutig klarstellen, dass grundsätzlich gilt: Eine Behandlung inklusive Wartezeiten wird in keiner Weise durch den Versicherungsstatus beeinflusst. In der Universitätsklinik für Augenheilkunde liegt die Wartezeit auf eine Operation im Durchschnitt bei 28 Tagen. Damit sind die Wartezeiten im Uniklinikum Salzburg in diesem Fachgebiet österreichweit am kürzesten. Die Wartezeiten entstehen durch eine sogenannte "Triagierung der Operationsindikationen", sodass bei weniger dringlichen Operationen eine Wartezeit entstehen kann, wenn notfällige oder sehr dringliche Operationen durchgeführt werden müssen. Am Tag der Operation kommen die Patienten in der Regel von zu Hause und müssen daher vor der Operation entsprechend vorbereitet werden. Dieser Prozess dauert in der Regel zwei bis drei Stunden. Verzögerungen können hier ebenfalls durch nicht planbare Notfälle bedingt sein.

Patienten mit Krebserkrankungen werden in der Klinik für Chirurgie nach Diagnosestellung spätestens nach 14 Tagen operiert, sofern kein vorherigen Chemotherapien oder Bestrahlungen durchgeführt werden müssen. Auch hier spielt der Versicherungsstatus keine Rolle.

Im Uniklinikum Salzburg stehen in der Universitätsklinik für Neurochirurgie insgesamt 55 Betten und in der Neurologie 118 Betten zur vollstationären Behandlung von Patienten zur Verfügung. Prinzipiell gilt auch hier, dass die Symptome die Dringlichkeit der OP-Indikation bestimmen. Besteht eine absolute OP-Indikation wird die Operation schnellstmöglich durchgeführt. Dies ist bei einem Bandscheibenvorfall zum Beispiel das Auftreten von Lähmungserscheinungen. Fehlen solche Symptome, werden vor einer Operation mit potenziellen Risiken immer die konservativen Therapiemaßnahmen zuerst ausgeschöpft. Führen diese nicht zum Erfolg, wird dann eine Operation durchgeführt.
Wir möchten betonen, dass auch wir an möglichst kurzen Wartezeiten höchstes Interesse haben. Werden uns Beschwerdefälle gemeldet, gehen wir diesen ausnahmslos nach, wenn wir die entsprechenden Daten und Informationen bekommen. Wir nehmen selbstverständlich Verbesserungen vor, wenn die Kritik berechtigt ist."

Quelle: SN

Aufgerufen am 24.10.2020 um 08:02 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/krebsdiagnose-aber-bis-zu-fuenf-monate-wartezeit-auf-rettende-op-in-salzburg-74265232

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