Chronik

"Kritisch und nachvollziehbar berichten"

Seit Ende 2017 verstärkt Raffaela Schaidreiter als Korrespondentin das ORF-Büro in Brüssel.

ORF-Korrespondentin Raffaela Schaidreiter aus Werfen SN/sw/orf
ORF-Korrespondentin Raffaela Schaidreiter aus Werfen

Raffaela Schaidreiter ist seit sechs Jahren Mitarbeiterin des ORF. Nach zweieinhalb Jahren im ORF Landesstudio Salzburg wechselte die 33-Jährige in die ORF-Radio-Wirtschaftsredaktion nach Wien und am 1. November 2017 nach Brüssel.

Auslandskorrespondentin - das klingt nach einer spannenden Aufgabe. Wie war Ihr Weg nach Brüssel? Raffaela Schaidreiter: Der ORF schreibt Korrespondentenpositionen aus, es gibt ein Bewerbungsverfahren. Brüssel ist beliebt, weil die Arbeit sehr abwechslungsreich, spannend und bereichernd ist. Andererseits verlangt der Zeitdruck, sehr flexibel zu sein. Die Hauptsendungen im Radio sind in der Früh, im TV am Abend, das heißt, unsere Arbeitstage sind oft lange. Sie hören und sehen auch täglich Beiträge von uns, weil vieles, was in Brüssel passiert, direkt Folgen für Österreich hat. Wer als Korrespondent in Brüssel ist, muss es auch mögen, viel unterwegs zu sein, etwa im EU-Parlament in Straßburg, bei Ministerräten in Luxemburg. Kürzlich habe ich auch meinen Kollegen Christophe Kohl in unserem ORF-Büro Paris nach dem Brand der Kathedrale Notre Dame unterstützt. Dazu kommen Reisen in das jeweilige EU-Vorsitzland.

Sie sind auch studierte Forstwirtin. Die Liebe zum Wald - inwieweit ist diese Ausbildung in Ihrem Beruf hilfreich? Wenn es um Energie- und Umweltpolitik oder Landwirtschaft geht, profitiere ich von der Ausbildung an der Boku Wien und an der ETH Zürich. Grundsätzlich sehe ich ein Studium mehr als Bildung denn als Ausbildung, auch weil die Zeit an der Uni die Persönlichkeit schärft und die Art zu denken formt. Die Forstwirtschaft ist für mich nach wie vor hochspannend und ein Kontrapunkt zum schnelllebigen Journalismus. Mein Vater ist Forstwirt und wenn ich mit ihm im Wald oder in den Bergen unterwegs bin, entschleunigt das. Und, es macht demütig. Am besten beschreibt das für mich ein Zitat von Franz Kafka, das auch auf der ersten Seite meiner Diplomarbeit steht: In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.

Es stehen nun ja auch im Mai die EU-Wahlen an. Der Europawahlkampf spielt sich schwerpunktmäßig in Österreich ab. Unsere Berichterstattung aus Brüssel läuft zur Wahl nicht anders ab. Es geht darum, Entscheidung nachvollziehbar zu machen und diese kritisch zu beleuchten, unser Hintergrundwissen in Analysen zu verpacken. Ich habe den Eindruck, die EU wird oft als formloses Gebilde gesehen. Dabei sind die EU wir alle, 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Oft heißt es pauschal: die da in Brüssel, die entscheiden sowieso, was immer sie wollen. Wer das behauptet, macht es sich zu einfach. Österreich ist Teil der EU 28 und redet überall mit. Hinter Entscheidungen stehen die EU-Nationalstaaten und nicht eine Maschine namens EU. Es gibt viele Mythen, viel Unwissen.

Was bedeuten Ihnen Ihre Heimat und der Pongau Ich fühle mich im Pongau sehr verwurzelt. Ich werte es als Privileg, dass ich international arbeiten kann, aber in Werfen immer ein Zuhause habe. Meine Eltern sind es gewohnt, dass ihre Mädls viel unterwegs sind. Meine jüngere Schwester arbeitet in Washington D.C. Hin und wieder erlebe ich auch in Brüssel "Salzburger Momente" - es leben und arbeiten rund 200 Salzburgerinnen und Salzburger dort, und wenn ich einen Salzburger Dialekt höre, ergeben sich oft lustige, erdige Gespräche.

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