Chronik

"Mehr Unruhe in den Revieren"

Die "PN" sprachen mit Bezirksjägermeister Johann Sulzberger über die jagdliche Entwicklung und über neue Herausforderungen, die sich stellen. So gibt es seit Kurzem auch Schwarzwild im Pongau.

Bezirksjägermeister Bgm. Johann Sulzberger bei einer Hubertusfeier. Privat
Bezirksjägermeister Bgm. Johann Sulzberger bei einer Hubertusfeier.

Der Hubertustag (3. November) steht vor der Tür, allerorts finden Hubertusmessen statt und im Großarler Hof ging am Wochenende der große Jägerball über die Bühne. Grund genug, mit Johann Sulzberger zu sprechen. Der Filzmooser Bürgermeister ist seit drei Jahrzehnten im Bezirksjagdrat tätig und seit März 2017 Bezirksjägermeister und somit hauptverantwortlich für rund 2500 Pongauer Jägerinnen und Jäger, zehn Jagdregionen und 175.500 Hektar Jagdfläche.

Redaktion:
Sie sind der Jagd seit drei Jahrzehnten auch auf Funktionärsebene auf das Engste verbunden. Welche Änderungen gab es in diesem langen Zeitraum?
Sulzberger: Die Unruhe in den Revieren hat sehr stark zugenommen. Ich will damit sagen, dass sich viel mehr Naturnutzer den Raum teilen. Vor dreißig Jahren war beispielsweise Mountainbiken noch kein Thema. Mountainbiker sind auch heute kein Problem, wenn sie auf den dafür vorgesehenen Strecken bleiben. Problematisch wird es dann, wenn sie bis ins hinterste Eck fahren oder Jagdsteige benutzen. Es kommt auch vor, dass einem um zehn Uhr nachts drei, vier Radler mit Stirnlampen entgegenkommen. Aber das sind nur wenige, schwarze Schafe gibt es leider überall. Im Winter ist es problematisch, wenn Schneeschuhwanderer oder Tourengeher quer durch die Fütterungsgebiete unterwegs sind, das verschreckt die Tiere und stresst sie, oft bis zum Tod. Auch der Wildverbiss mit all seinen negativen Konsequenzen wie dem wirtschaftlichen Schaden und der Schädigung des Schutzwaldes kommt hinzu. Im Pongau ist es so, dass das Rotwild aufgrund all dessen immer mehr zum Nachtwild wird. Wenn sich alle an die Spielregeln halten, ist ein gedeihliches Miteinander problemlos möglich. Eine sehr gute Aktion, die wir auch massiv unterstützen ist "Respektiere deine Grenzen". An diese Verhaltensmaßregeln sollten sich alle halten, dann ist genug Platz für alle da.

Das Jagen wird immer beliebter, allein im Pongau gibt es 2500
aktive Jäger und Jägerinnen.
350 Menschen machen alljährlich die Jagdprüfung in Stegenwald. Woran liegt das?
Die Menschen haben ein Bedürfnis nach dem Naturerlebnis. Den allerwenigsten geht es dabei um das Prestige oder das Schießen an sich. Ich kann nur von mir sprechen: Beobachten, beobachten, beobachten. Das ist für mich die größte Entspannung überhaupt. Mir ist die Natur wichtig, ich will, dass mein eigenes Revier in einem ordentlichen Zustand ist. Das heißt etwa im Winter alle zwei, drei Tage zur Fütterung. Zudem lege ich Wert darauf, dass die Hochsitze aus heimischem Gehölz gebaut sind, diese Blechkasterl mag ich überhaupt nicht. Ein Jagdrevier zu pachten, ist nicht nur mit finanziellen Kosten verbunden, sondern auch mit sehr viel Arbeit und Zeitaufwand. Ein alter Spruch, der aber immer noch stimmt, ist, dass eine Jagd zu 90 Prozent Arbeit und zu zehn Prozent Vergnügen ist.

Auch das Thema Wolf steht in
engem Zusammenhang mit der Jagd. Wie stehen Sie dazu?
Ich als Jäger habe wenig Freude mit dem Wolf, aber es muss ganz klar gesagt werden, dass der Wolf hauptsächlich ein Problem für die Landwirtschaft und weniger für die Jäger ist. Für uns Jäger wäre es problematisch, wenn der Wolf im Winter in die Fütterungsgebiete eindringen und dann das Wild aufschrecken und vertreiben würde. Das würde hektarweise zu Wildverbiss führen. Das große Problem hat aber die Landwirtschaft. Warum wurde denn der Wolf vor mehr als hundert Jahren aus dem Pongau vertrieben? Das Land war damals noch wesentlich dünner besiedelt, aber die Schäden in der Almwirtschaft waren immens. Dabei war und ist es in diesem Bereich enorm schwierig, überhaupt Gewinne zu erwirtschaften

Gibt es abseits vom Wolf noch andere Tierarten, die wieder in den Pongau kommen oder auch ganz neu einwandern?
Die gibt es tatsächlich, und zwar gibt es neuerdings auch Schwarzwild, sprich Wildschweine, bei uns. Die Tiere waren ursprünglich in Nord- und Ostösterreich beheimatet und rücken alljährlich übers steirische Murtal näher. Über den Lungau sind nun erste Exemplare eingewandert, in Forstau und Untertauerm gab es erste Sichtungen. Auch in Ramsau wurde ein Keiler gesehen. Dieser wurde um Weihnachten 2017 bei Mandling von einem Auto überfahren.

Sehen Sie auch bedenkliche Entwicklungen in der Jagd?
Ja, leider. So ist es im Jagdgesetz ganz klar verboten, dass Nachtsichtgeräte benutzt werden. In diversen Katalogen finden sich aber Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras noch und nöcher, die werden leider auch benutzt. Das gehört strengstens unterbunden und streng sanktioniert. Jagd muss Jagd bleiben.


Aufgerufen am 13.11.2019 um 05:50 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/mehr-unruhe-in-den-revieren-59573806

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