Chronik

Missglücktes Überholmanöver löste Busunfall in Eugendorf aus - 16 Verletzte

Auf der Westautobahn bei Eugendorf hat sich in der Nacht auf Donnerstag ein Unfall mit einem Reisebus ereignet. Dabei wurden 19 Insassen verletzt, drei davon schwer. Von den insgesamt 28 Menschen im Bus blieben neun unverletzt, darunter auch das einzige Kind, das mit im Fahrzeug gesessen ist. Todesopfer gab es keines. Nun gibt es erste Aufschlüsse über die Unfallursache.

Der Unfall hat sich um rund drei Uhr zwischen den Anschlussstellen Salzburg-Nord und Wallersee (Gemeinde Eugendorf) ereignet. In diesem Abschnitt befindet sich derzeit eine Baustelle mit Gegenverkehr.

Der Bus mit 28 Insassen war Richtung Salzburg unterwegs, als der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verlor und die Fahrbahnteiler im Gegenverkehrsbereich durchbrach und letztlich auf der Autobahn in Fahrtrichtung Wien zum Stillstand kam.

Wie richtet die Asfinag ihre Baustellen ein?

Rund um den Unfall gab es kritische Meinungsäußerungen über die Beschaffenheit der Autobahnbaustelle. Die Asfinag teilte dazu mit, dass es vor Beginn einer Baustelle Planungen zur Verkehrsführung mit Sachverständigen gebe. Danach folgen Verkehrsverhandlungen mit den Beteiligten wie Bezirkshauptmannschaften, Einsatzkräften, Land und eventuell auch Anrainergemeinden. Zuletzt wird eine Baustlle per Bescheid genehmigt.

Gegenverkehrsbereiche werden eingerichtet, wenn aufgrund der vorhandenen Breiten der Richtungsfahrbahnen oder der technischen Abläufe bei einer Sanierung keine Alternativen möglich sind. Konkret finden die vier Fahrstreifen auf einer Richtungsfahrbahn Platz, wenn diese mehr als 12,5 Meter breit ist.

Unterhalb dieser Breite ist für den Gegenverkehrsbereich eine Spurteilung erforderlich, d.h. Lenker müssen sich "entscheiden".

Asfinag-Sprecher Christoph Pollinger teilte in seiner schriftlichen Stellungnahme auf SN-Anfrage weiters mit: "Der heutige Unfall ereignete sich in einer solchen sogenannten 3+1 Gegenverkehrsführung. Zwei Fahrstreifen verbleiben auf einer Richtungsfahrbahn, ein Fahrstreifen wird im Gegenverkehr auf die andere Richtungsfahrbahn verlegt. Diese Baustellenverkehrsführung wird im Baustellenabschnitt Salzburg Nord bis Wallersee am kommenden Wochenende rückgebaut."

Aufatmen am Donnerstag gegen sieben Uhr bei den Einsatzkräften wie hier der Feuerwehr in Eugendorf: Der Verlauf des Großeinsatzes war reibungslos. Im Bild (v.l.): Hans Wolfgruber (LPD Salzburg), Hermann Gerstgrasser (RK Salzburg), Christian Putz und Klemens Pötzelsberger (beide FF Eugendorf). SN/schwi
Aufatmen am Donnerstag gegen sieben Uhr bei den Einsatzkräften wie hier der Feuerwehr in Eugendorf: Der Verlauf des Großeinsatzes war reibungslos. Im Bild (v.l.): Hans Wolfgruber (LPD Salzburg), Hermann Gerstgrasser (RK Salzburg), Christian Putz und Klemens Pötzelsberger (beide FF Eugendorf).

Stau auf A1 - aktuelle Verkehrsinfo

Polizeisprecher Hans Wolfgruber sagte in einer ersten Pressekonferenz um sieben Uhr in Eugendorf, dass sich der Unfall nach derzeitigem Stand ohne Fremdverschulden ereignete, also der Fahrer womöglich eingeschlafen sei oder ein technischen Gebrechen die Ursache war.

Am Vormittag konnte der Lenker, ein 57-jähriger Mann aus dem Kosovo, aber dann einvernommen werden. Und das ergab diese Einvernahme wie die Landespolizeidirektion um 11:23 Uhr meldete:

  • Laut Angaben des Lenkers setzte er auf Höhe Eugendorf zu einem Überholmanöver an und überholte am linken Fahrstreifen mit ca. 80 km/h einen am rechten Fahrstreifen fahrenden Lkw. Während des Überholvorgangs fuhr der Lenker mit dem Reisebus in die dortige Baustelle ein, wo sich die Fahrbahn in zwei Richtungen teilt. Da der Lkw am rechten Fahrstreifen fuhr, war es dem Buslenker nicht mehr möglich auf den für Bus und Lkw vorgesehenen Fahrstreifen nach rechts zu wechseln.

Der Reisebus touchierte mit der Betonmittelleitwand, wurde dadurch in die Höhe katapultiert und setzte mehrere Meter später wieder auf der Fahrbahn auf. Der Bus durchbrach die Betonleitwand und kam an der Leitschiene auf der Gegenfahrbahn zum Stillstand.

Glück im Unglück: Bus kippte nicht um

Der vom Busfahrer erwähnte Lkw-Fahrer dürfte vom Unfall nichts mitbekommen haben und mit seinem Lastzug weitergefahren sein. Ein zweites Schwerfahrzeug neben dem Bus hatte sich nämlich nicht an der Unfallstelle befunden. Glück im Unglück war zudem, dass der Bus nach dem Unfall nicht umgekippt sondern auf seinen Rädern zum Stillstand gekommen war.

"Im Fahrzeug haben sich 28 Personen befunden", sagte Bezirksrettungskommandant Hermann Gerstgraser. Insgesamt verletzen sich fünf Personen schwer, elf Personen leicht und zehn Fahrgäste blieben unverletzt. Alle wurden mit Rettungsfahrzeugen in das Unfallkrankenhaus und das Landeskrankenhaus Salzburg gebracht. "Die Unverletzten werden vom Kriseninterventionsteam in unserer Zentrale in der Stadt betreut", sagte Gerstgraser in den frühen Morgenstunden.

Der Reisebus war laut Wolfgruber vom Kosovo nach Hannover unterwegs. "Es handelt sich um Touristen, die offensichtlich aus dem Kosovo kommen."

Zur Unfallstelle war ein Großaufgebot an Helfern ausgerückt. Die Feuerwehren Hallwang und Eugendorf kamen mit etwa 60 Freiwilligen in acht Fahrzeugen, das Rote Kreuz rückte mit rund 50 Helfern an. Darunter waren drei Notarztteams, eines wurde sogar aus Freilassing angefordert. Darüber hinaus waren 12 Rettungsfahrzeuge aus dem Flachgau und vier aus Oberösterreich im Einsatz.

Einsatzkräfte mussten zu Fuß anrücken

Besonders problematisch war für die Einsatzkräfte, dass sie zunächst wegen des Baustellenbereichs große Probleme hatten, überhaupt zur Unfallstelle vorzudringen. Die Autobahn musste schließlich in beide Richtungen gesperrt werden, wie der Einsatzleiter der Feuerwehren, Christian Putz, berichtete. Anfangs habe man nur zu Fuß an den Unfallort kommen können.

Die Autobahn musste aufgrund der Aufräumungsarbeiten auch noch während des Frühverkehrs gesperrt werden. Erhebliche Verkehrsbehinderungen waren die Folge.

Rotes Kreuz organisierte Weiterreise

Fünf Menschen wurden nach dem Unfall zur stationären Behandlung in Salzburger Krankenhäuser aufgenommen. 23 konnte Donnerstagmittag ihre Reise nach München, Stuttgart, Mannheim, Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund und Hannover fortsetzen, um dort wie geplant Angehörige oder Freunde zu besuchen. Das Rote Kreuz hatte sich in den Stunden nach dem Unfall unter anderem mit einm Kriseninterventionsteam um diese 23 Menschen gekümmert und ein Ersatzfahrzeug besorgt. Dieses kam vom Salzburger Reisebusunternehmen Albus.

Ingo Vogl, Leiter der Krisenintervention, sagte: "Heute war die wichtigste Aufgabe, dass die Personen zu ihren Familien oder Freunden nach Deutschland weiterreisen können. Das konnten wir rasch organisieren."

Aufgerufen am 19.08.2022 um 03:05 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/missgluecktes-ueberholmanoever-loeste-busunfall-in-eugendorf-aus-16-verletzte-121547209

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