Chronik

Mit dem Rad nach Neuseeland: 28.000 Kilometer bis daheim

Angelika Hinteregger und Reinhard Maxbauer haben alles verkauft - außer ihren Fahrrädern und den Packtaschen. Mehr brauchen die beiden Salzburger ab Sonntag auch nicht.

Zuletzt müssen auch noch die Haare dran glauben. Zu lange, mit 200 Gramm viel zu schwer. "Die Haare wären für die Reise so praktikabel wie High Heels und Seidenstrumpfhosen", sagt Angelika Hinteregger. Jedes Gramm zählt auf der Reise, die die 27-Jährige mit ihrem 32-jährigen Freund Reinhard Maxbauer unternehmen wird.

Sie wollen nach Neuseeland. Auf dem Rad. Am Sonntag geht es los. Zuerst war Sydney das Ziel. "Aber Neuseeland kam uns cooler vor", sagen sie. Ein paar Kilometer mehr am Ende der Welt machen auch nichts mehr aus, wenn man schon in der Nähe ist.

Die Tour dauert 20 Monate. 28.000 Kilometer. 26 Länder. Sie haben ihre Jobs gekündigt. Das Studium ist beendet. Die Wohnung ist aufgegeben. Die beiden haben nichts mehr außer zwei Rädern und vollen Packtaschen. Und einer Richtung: Osten. Grob sind die Etappen fixiert. Entlang der Strecke aber soll Raum für Spontanität sein.

Neue Blickwinkel auf dem Weg

Das Rad sei Mittel zum Zweck der individuellen Weltentdeckung. Türkei, Iran, Oman, Kirgisistan, Pamir Highway, China - das alles zieht die beiden an. Es geht nicht um Spitzensport oder Rekorde. "Mit dem Rad ist man schnell genug, um weit zu kommen, und gleichzeitig langsam genug, um vieles zu sehen und erleben zu können." Es geht um die Begegnungen, Erfahrungen und neue Blickwinkel auf dem Weg. Wo immer sie bisher mit dem Rad unterwegs gewesen sei, "kam ich leicht mit Menschen ins Reden", sagt Hinteregger. Auf mehrwöchigen gemeinsamen Radreisen war am Ende dann immer ein Gedanke da: "Einmal richtig weit und lange zu fahren."

Seit einem Jahr planen die beiden ihre Mammut-Tour. Damit sie mit dem Rad um die Welt fahren können, haben sie kürzlich auch fünf Räder verkauft. Sie brauchen bloß zwei. Aber sie brauchen das Geld. Zehn Euro beträgt ihr Tagesbudget. Einige Unternehmen haben sie in den vergangenen Wochen auch als Kooperationspartner gewonnen.

50 Kilometer pro Tag wollen sie durchschnittlich fahren. Das erlaubt Pausen oder Umwege.

Eine ganz besondere Freiheit

Lust und Launen sollen den Weg bestimmen, und manchmal bestimmen Visaregelungen. In Turkmenistan etwa bekommen sie nur ein Fünf-Tage-Visum. Die Strecke durch das zentralasiatische Land ist aber 500 Kilometer lang. "Da werden wir eher flott sein müssen", sagt Maxbauer. Aber bis sie dort sind, dauert es ohnehin noch ein Jahr. "Wir müssen uns vielleicht ja auch nach neuen politischen Veränderungen richten", sagt Hinteregger.

Ein bisserl Wehmut schwinge nun mit, je näher der Abreisetag komme. Die ersten Etappen führen in ein langsames Abgewöhnen von der bisherigen Normalität. Erste Station ist Ungarn, wo die beiden ein Familienfest besuchen. Dann erst verlassen sie endgültig alles Vertraute.

Es überwiegt vor dem Aufbruch allerdings nicht die Wehmut. Es überwiegt das Gefühl einer besonderen Freiheit. "Es ist befreiend, seinen ganzen Krempel einmal loszuwerden", sagt Hinteregger über die Vorbereitungen.

Nichts fühle sich so an, als würde sie "etwas aufgeben müssen". Stattdessen herrscht die Vorfreude "auf einen neuen, aufs Nötigste reduzierten Lebensstil".

Hier geht's zum Blog der beiden Radreisenden: www.saddlestories.at

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