Chronik

Mit Pferdemist gegen Badende am Almkanal

Die Freuden der einen sind das Leid der anderen: So kann die Situation an heißen Badetagen in Salzburg-Leopoldskron beschrieben werden.

Josef Obermüller, Anrainer am Wilhelm-Backhaus-Weg in Salzburg-Leopoldskron unmittelbar am Almkanal, treibt es die Zornesröte ins Gesicht. "Es ist kaum mehr auszuhalten", sagt er. "Bis spät in die Nacht liegen viele, meist junge Leute an den Grünstreifen, die unmittelbar an unsere Häuser angrenzen. Manche dieser Leute führen sich unangemessen laut auf, springen gar nackt in den Kanal und bieten ein Szenario, das ich nicht weiter beschreiben möchte." An eine Nachtruhe sei nicht zu denken, auch angesichts der herrschenden Hitze und Tropennächte bei offenen Fenstern.

Anrainer des Backhaus-Wegs appellieren schon seit Monaten beim Salzburger Magistrat gegen diese Art der Beeinträchtigung beziehungsweise Störung ihrer Privatsphäre. Seitens des Magistrats hat man mittlerweile mit Plakatständern reagiert, auf denen Almkanalbesucher gebeten werden, auf die Anrainer Rücksicht zu nehmen. Zusätzlich haben Anrainer am gegenüberliegenden Almkanalufer eigene Plakate in ihren schmalen Gärten aufgestellt. "Setzen Sie sich nicht hierher zum Baden", lautet das Ersuchen.

Diese Bitten scheinen nicht den gewünschten Erfolg zu haben, wie aus dem Büro von Bürgermeister Harald Preuner zu erfahren war. "Momentan decken uns Anrainer mit Beschwerden über die dort Badenden ein, besonders schwierig ist die Situation im Bereich Wilhelm-Backhaus-Weg. Unbekannte haben auch schon zur Selbsthilfe gegriffen und Pferdemist ausgebracht (Bereich Santnergasse, Anm.), was nun die nächsten Beschwerdeführer auf den Plan ruft", so die Mitteilung.

Im Bürgermeisterbüro ist man sich sicher, dieses Problem lösen zu können, wenn da nicht der Landesumweltanwalt wäre. An der sensiblen Stelle im Bereich des Backhaus-Wegs sei die Pflanzung von Büschen vorgesehen gewesen und Heckenpflanzung habe bereits im Februar des Jahres eine naturschutzbehördliche Bewilligung erhalten. Dagegen habe jedoch am 12. März die Landesumweltanwaltschaft eine Beschwerde eingebracht. Nun müsse das Landesverwaltungsgericht darüber entscheiden und diese Entscheidung stehe noch aus.

Hintergrund der für manche nicht gleich verständlichen Beschwerde des Landesumweltanwalts ist die Sorge um einen besonders geschützten Käfer, wie die SN bereits im März berichteten. Der sogenannte Eremit aus der Familie der Rosenkäfer benötige viel Licht und dieses wäre durch eine Heckenpflanzung vermindert, so die Argumentation der Umweltanwaltschaft.

Von mehr als skurril sprechen die betroffenen Anrainer, wenn sie die Entwicklung am Almkanal im Jahr 2017 beschreiben: Bis dahin sei das gegenüber ihren Häusern liegende Ufer mit Gehölz dicht bewachsen gewesen und dieses hätte einen guten Sichtschutz gewährleistet. Als jedoch ein neues Radweg-Teilstück direkt am Kanal errichtet wurde, seien diese Büsche abgeholzt worden. Jetzt sei offenbar auf einem kurzen Teilstück ein Käfer wichtiger als die Privatsphäre von Anrainern.

Die Antwort von Umweltanwalt Wolfgang Wiener ließ im März an Deutlichkeit nichts missen. "Wenn jemand einen Sichtschutz haben will, ist der ja auch auf seinem Privatgrund möglich. Denn eine Schilfmatte etwa braucht nicht viel Platz. Dass jemand verlangt, einen Sichtschutz auf öffentlichem Grund zu bekommen, ist grenzwertig", sagte er damals im SN-Gespräch.


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