Chronik

Murtalbahn nach Unfall Anfang der Woche wieder in Betrieb: "Kinder haben Schutzengel gehabt"

Die Kinder befanden sich auf der Fahrt zur Zeugnisverteilung. Da stürzte der Triebwagen der Murtalbahn in den Fluss. Alle Kinder und der Triebwagenführer konnten sich retten. Ab Anfang nächster Woche soll der Zugverkehr wieder möglich sein.

Einige Schaulustige stapfen durch die noch nasse Kleewiese an der rechten Seite der Mur in Kendlbruck, um einen Blick auf den abgestürzten Triebwagen der Murtalbahn zu erhaschen. "Mein Gott! Die vielen Kinder, die am letzten Schultag im Zug gesessen sind. Die haben wohl viele Schutzengel gehabt", sagt ein Predlitzer, der mit seinem Schäferhund unterwegs war.

Am linken Murufer, an jener Stelle, an der der Triebwagen um 7.05 Uhr entgleist und mehrere Meter in den Fluss gestürzt ist, sammeln sich immer wieder Einsatzkräfte. Sie besprechen das weitere Vorgehen - nachdem sie alle Insassen in Sicherheit gebracht haben. Bei dem Unfall erlitten 17 Personen Verletzungen unbestimmten Grades.

Die Unglücksstelle. SN/apa
Die Unglücksstelle.

Nach ersten Ermittlungen war ein Triebwagenzug (zwei Triebwagen und ein Steuerwagen) auf der Fahrt in Richtung Tamsweg in einer leichten Rechtskurve gegen einen massiven Baumstrunk geprallt. Dieser war nach einem schweren nächtlichen Gewitter von der angrenzenden Steilböschung auf die Gleise gestürzt.

Murtalbahn: Kollision konnte nicht verhindert werden

Der 53-jährige Lokführer konnte trotz Notbremsung eine Kollision nicht verhindern. "Der Triebwagen wurde regelrecht ausgehebelt", sagt Philipp Santner, Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg. Der Wagen stürzte über den rund fünf Meter hohen Bahndamm und blieb linksseitig in der Mur liegen. Der zweite Triebwagen und der Steuerwagen blieben auf den Schienen stehen. Offensichtlich war die Kupplung zwischen erstem und zweitem Triebwagen gerissen. Nach Auskunft der Steiermärkischen Landesbahnen, dem Betreiber der Murtalbahn, führte der Fluss zum Unfallzeitpunkt Niedrigwasser.

"Im abgestürzten Triebwagen befanden sich 15 bis 20 Personen. In der Paniksituation haben zum Glück alle Ruhe und Besonnenheit gewahrt. Die Fahrgäste konnten sich mit Hilfe des Lokführers sowie gegenseitiger Hilfe über den Hinterausgang ans Ufer retten", sagt Santner, der in zwei Wochen die Pension antritt.

Vorsorglich hatten Wasserretter und Feuerwehrleute noch den Fluss abgesucht, um sicher zu sein, dass sich kein Fahrgast des abgestürzten Zugs mehr im Wasser befindet. Wenig später stellte sich heraus, dass es allen gelungen war, das Ufer zu erreichen, und niemand vermisst wird. In der Zwischenzeit war eine große Rettungs- und Bergeaktion von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Berg- und Wasserrettung angelaufen. 153 Helfer - darunter auch Notärzte - eilten zur schwer zugänglichen Unfallstelle.

Hubert Bacher, Bezirksrettungskommandant des Roten Kreuzes aus Murau: "Wir haben mehr als 60 Personen betreut, darunter waren auch einige Eltern. Neun Kinder sind in Krankenhäuser gebracht worden. Eines wurde zur weiteren Abklärung mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus Schwarzach geflogen. "Wir haben Gott sei Dank keine Schwerstverletzten, sondern nur Leichtverletzte. Der Einsatz hat perfekt funktioniert."

Im Feuerwehrhaus Predlitz wurde eine Sanitätshilfsstelle eingerichtet, wo die Verletzten erstversorgt worden sind. Mehrere Schüler wurden in das Krankenhaus Tamsweg und in das Landeskrankenhaus Murtal (Standort Stolzalpe) gebracht. Laut Anton Schilcher, Bezirksrettungskommandant des Roten Kreuzes im Lungau, wurde eine verletzte Person als Vorsichtsmaßnahme mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus Schwarzach geflogen.

Auch der Salzburger Polizeihubschrauber war im Einsatz. "Experten des Landeskriminalamts werden die Unfallstelle genau vermessen und untersuchen", heißt es dazu. Etwas weiter entfernt sagt ein Anrainer: "Bei jedem schwereren Unwetter wird die Murtalbahn in Mitleidenschaft gezogen. Wenn das so ist, muss die Bahn eingestellt werden und künftig mit Bussen gefahren werden."

Zugverkehr ab Anfang nächster Woche wieder möglich

Der Zugverkehr könne mit Anfang nächster Woche wieder aufgenommen werden. "Die Gleise sind nur leicht beschädigt", teilte Gerhard Harer, Geschäftsführer der Steiermark Bahn und Bus (StB) am Samstag mit. Um den abgestürzten Triebwagen zu bergen, wurde ein Spezialkran angefordert. Die auf den Schienen verbliebenen beiden Garnituren wurde schon abgeschleppt und begutachtet. Der Schaden stellte sich als gering heraus. Verkehrslandesrat Stefan Schnöll machte sich am Freitagnachmittag selbst ein Bild von der Unfallstelle.

Die Garnitur stürzte ins Wasser.   SN/freiwillige feuerwehr tamsweg
Die Garnitur stürzte ins Wasser.
Feuerwehr und Wasserrettung sind an der Unfallstelle.  SN/freiwillige feuerwehr tamsweg
Feuerwehr und Wasserrettung sind an der Unfallstelle.

Der Unfall könnte vor allem in der Steiermark die Diskussion um den Erhalt der Murtalbahn neuerlich befeuern. Wie berichtet erwägen steirische Landespolitiker die Umstellung der Verbindung in den Lungau auf Busse.

Das wird in Salzburg anders gesehen: Eine Einstellung wäre ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz sowie den öffentlichen Verkehr, meint etwa LAbg. Sabine Klausner (SPÖ). Auch der derzeit nur touristisch genutzte Abschnitt zwischen Tamsweg und Mauterndorf (die Taurachbahn) müsse in ein Zukunftskonzept mit Güterverkehr integriert werden. Landesrat Schnöll: "Wir bekennen uns zu 100 Prozent zur Murtalbahn."

Auch Stunden nach dem Zugunglück war der Unfall das Tagesgespräch in den angrenzen Orten im Lungau sowie in der Steiermark. Lediglich jene Lehrerinnen einer nahen Volksschule, die ihre Kinder feierlich in die Sommerferien verabschiedeten, ließen sich nichts anmerken.

Ein Gastwirt auf der steirischen Seite meinte: "Wir werden wohl noch lang über das Geschehen reden. Denn was da passiert ist, grenzt an ein Wunder, wenn man die Bilder vom abgestürzten Zug sieht und weiß, dass sich darin viele Kinder befunden haben und es alle mehr oder minder gut überlebt haben. Da waren wirklich Schutzengel oder gar der liebe Gott unterwegs."

Die Murtalbahn verkehrt zwischen Unzmarkt und Tamsweg. Der Waggon ist gegen 7.05 Uhr in Ramingstein entgleist und in den Fluss gestürzt. 54 Personen befanden sich im Zug.  SN/feuerwehr tamsweg
Die Murtalbahn verkehrt zwischen Unzmarkt und Tamsweg. Der Waggon ist gegen 7.05 Uhr in Ramingstein entgleist und in den Fluss gestürzt. 54 Personen befanden sich im Zug.
Die Murtalbahn verkehrt zwischen Unzmarkt und Tamsweg. Der Waggon ist gegen 7.05 Uhr in Ramingstein entgleist und in den Fluss gestürzt. 54 Personen befanden sich im Zug.  SN/berthold schmid
Die Murtalbahn verkehrt zwischen Unzmarkt und Tamsweg. Der Waggon ist gegen 7.05 Uhr in Ramingstein entgleist und in den Fluss gestürzt. 54 Personen befanden sich im Zug.

Aufgerufen am 20.09.2021 um 08:52 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/murtalbahn-nach-unfall-anfang-der-woche-wieder-in-betrieb-kinder-haben-schutzengel-gehabt-106347055

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