Chronik

Nach tödlichem Unglück bei Electric Love Festival am Salzburgring: Security-Manager freigesprochen

Lichtturm war bei Sturm umgestürzt und hatte einen jungen Besucher erschlagen. Wegen fahrlässiger Tötung angeklagter Sicherheitsmanager bekannte sich im Prozess am Bezirksgericht Thalgau nicht schuldig. Er wurde nach langwierigem Beweisverfahren schließlich freigesprochen (nicht rechtskräftig).

Dieser sechs Meter hohe Turm bzw. Lichtmasten war damals umgestürzt und hatte einen 23-jährigen Festivalbesucher erschlagen.  SN/apa/fmt
Dieser sechs Meter hohe Turm bzw. Lichtmasten war damals umgestürzt und hatte einen 23-jährigen Festivalbesucher erschlagen.

Mehr als fünf Jahre nach einem tödlichen Unglück beim "Electric Love Festival" im Flachgau stand am Donnerstag ein 45-jähriger Securitymanager wegen fahrlässiger Tötung vor einem Strafrichter am Bezirksgericht Thalgau. Ein 23-jähriger Festivalbesucher wurde am 11. Juli 2015 von einem Lichtturm erschlagen, den eine Sturmböe umgeworfen hatte. Laut Strafantrag hätte der Mast besser abgesichert werden müssen. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig.

Der Unfall ereignete sich gegen 19.50 Uhr auf einem der Campingplätze am Festivalgelände in Koppl. Ein Gewitter mit starkem Niederschlag und massiven Windböen mit offenbar teils über 100 km/h hatte einen am Boden verankerten, etwa sechs Meter hohen Lichtturm umgeworfen. Dabei wurde der Festivalbesucher aus dem Flachgau auf einem vorbeiführenden Schotterweg getroffen. Nach der Obduktion durch die Gerichtsmedizin stand fest: Der Bursch erlitt massive innere Verletzungen im Bereich des Brustkorbes.

Angeklagter hatte das damalige Sicherheitskonzept erstellt

Der selbstständig tätige Angeklagte aus Österreich hatte das Sicherheitskonzept und den Notfallplan für das Electric Love Festival am Salzburgring erstellt. Die Staatsanwaltschaft ortete aber Mängel in dem Konzept. Dem Strafantrag zufolge hätte es bei einer Windgeschwindigkeit von über 60 km/h zur Absicherung des Lichtmastes mehrere Personen benötigt, weiters sei der erforderliche Sicherheitsradius von zwölf Metern um die Lichttürme nicht eingehalten worden.

Wegen des aufkommenden starken Windes hatte der Veranstalter des Festivals auf Basis eines Alarmierungskonzeptes alle technischen Geräte und Zelte mit Ballast sichern lassen. Der Angeklagte sagte heute zu dem Richter, dass das Sicherheitskonzept mit der zuständigen Behörde abgeklärt worden sei. Seinen Informationen vom Veranstalter zufolge seien zwei Security-Mitarbeiter pro Turm vorgesehen gewesen. Diese Maßnahme sei bis zu Windgeschwindigkeiten von 70 km/h geeignet, meinte der Beschuldigte. Bei Windgeschwindigkeiten von 104 km/h könne man es nicht verantworten, dort Sicherheitsmitarbeiter zu positionieren, das sei zu gefährlich. Weiters wäre es die Aufgabe der Behörde gewesen, eine Evakuierung anzuordnen, er selbst hätte diese nicht anordnen können. Die Evakuierung hätte aber nicht an den Türmen vorbeigeführt.

Staatsanwaltschaft: Sicherheitsradius um Turm wurde nicht eingehalten

Der Richter konfrontierte den Österreicher mit einer SMS eines Wetterdienstes, wonach es eine "rote" Wetterwarnung gegeben habe, das bedeute, dass mit Windspitzen bis 100 km/h zu rechnen sei. Der 45-Jährige antwortete, man habe bei dem Wetterdienst nachgefragt. "Wir haben die Info bekommen, dass das nicht für unseren Bereich gilt. Wir wurden von dem Sturm überrascht." Böen von über 100 km/h habe der Wetterdienst nicht vorhergesagt. "Der Sturm hatte nur ein kurze Zeit von vielleicht eineinhalb Minuten diese Geschwindigkeit, dann war es wieder vorbei." Bereits am Vormittag hätten Security-Mitarbeiter die Besucher am Campingplatz vor einem Unwetter am Nachmittag gewarnt und ihnen erklärt, sie sollten die Zelte sichern und sich von Bauten fernhalten.

Der für die Statik verantwortliche Sachverständige hatte vor der Veranstaltung in seinem behördlichen Abnahmebefund festgestellt, dass die Lichttürme Windgeschwindigkeiten bis 60 km/h standhalten würden. Die Aufstellfläche der Türme sei nicht allzu groß gewesen, deshalb habe er aus "sachverständiger Vorsicht" diese Geschwindigkeitsgrenze festgelegt, sagte der Experte heute als Zeuge aus. Er hatte auch einen Sicherheitsradius von eineinhalb Turmhöhen vorgegeben. Wie dieser Bereich abzusichern ist, ob etwa mit einem Gitter oder Absperrband, sei Sache des Veranstalters, erklärte der Zeuge.

Verteidiger: Unglück war Folge von nicht vorhersehbarer Naturgewalt

Ursache des Unglücks war laut Verteidiger RA Georg Zechbauer eine nicht vorhersehbare Naturgewalt. Auf dem Prozessfahrplan standen am Donnerstag noch Einvernahmen von weiteren Zeugen. Zwei Personen, die in Deutschland leben, sollen am Nachmittag per Videokonferenz befragt werden.

Am späten Donnerstagnachmittag endete der Prozess schließlich mit einem Freispruch. Die sinngemäße Begründung des Richters: Das Beweisverfahren habe ergeben, dass der Angeklagte das Unglück nicht verhindern hätte können. Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig.

Das Strafverfahren gegen den 45-Jährigen war übrigens ursprünglich eingestellt worden. Nach einer erfolgreichen Beschwerde gegen die Einstellung hatte das Landesgericht den Fall zurück an das Bezirksgericht verwiesen. Die Verhandlung war bereits zwei Mal vertagt worden.

Aufgerufen am 01.03.2021 um 09:14 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/nach-toedlichem-unglueck-bei-electric-love-festival-am-salzburgring-security-manager-freigesprochen-97140853

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