Chronik

Nationalpark Hohe Tauern: Täler zu verkaufen

Ein deutscher Verein will 3500 Hektar Grund im Nationalpark verkaufen. Die Nationalparkverwaltung will sie selbst erwerben.

Nationalpark Hohe Tauern: Täler zu verkaufen SN/anton kaindl
Wanderer im hinteren Obersulzbachtal bei Neukirchen. Hier und im benachbarten Untersulzbachtal befinden sich jene 3500 Hektar Grund, die zu verkaufen sind.

Der deutsche Verein Naturschutzpark mit Sitz in der Lüneburger Heide besitzt 3500 Hektar Grund im Nationalpark Hohe Tauern und will diese verkaufen. Der Verein hat die Flächen im Unter- und Obersulzbachtal bei Neukirchen dem Land und den Bundesforsten angeboten.

"Das Land hat den Ball an die Nationalparkverwaltung weitergeleitet", sagt Nationalparkdirektor Wolfgang Urban. "Wir haben Interesse und würden gern kaufen, wenn wir das Geld hätten. Es gibt Gespräche mit dem Verein." Der Preis für die gesamte Fläche betrage ungefähr 6,3 Mill. Euro. "Es handelt sich um einen Mischpreis. Das sind teilweise Wald- und für die Almwirtschaft nutzbare Flächen. Andere bestehen nur aus Gletschern und Steinen." Neben den 3500 Hektar Grund seien auch noch zwei Almhütten und zwei Jagdhütten um ein paar Hunderttausend im Angebot. Die Gesamtkosten belaufen sich somit auf rund sieben Mill. Euro.

Urban sagt, bis auf 100 Hektar befinde sich die gesamte Fläche in der Kernzone des Nationalparks. "Vieles sind Sonderschutzgebiete, die zu den wertvollsten Flächen im Park zählen. Wenn wir die Gründe kaufen, könnten wir in diesen Bereichen die Entwicklung sichern, ohne Verträge über die Außernutzungsstellung abschließen zu müssen. Dabei sind wir immer auf die Zustimmung der Grundbesitzer angewiesen."

Zum Erwerb der Flächen hofft Urban auf Zusatzförderungen von der EU und vom Bund. Auf Dauer wäre der Kauf jedenfalls sogar eine nachhaltige Investition, die sich rechne. Denn für die Außernutzungsstellung von Flächen muss die Nationalparkverwaltung Prämien an die Grundbesitzer zahlen. Ist sie selbst Grundbesitzer, fällt das weg.Auch die Bundesforste haben Interesse Auch die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) hätten grundsätzlich Interesse an den Flächen, bestätigt Unternehmenssprecherin Pia Buchner. "Wir haben schon jetzt über 20.000 Hektar Fläche im Nationalpark und sind damit einer der größten Grundbesitzer im Salzburger Anteil. Es gibt Gespräche mit dem Verein Naturschutzpark und dem Nationalpark, aber noch keine Entscheidung." Diese solle partnerschaftlich sein und im Frühjahr 2015 fallen.

Der Verein Naturschutzpark wurde 1909 von Naturliebhabern aus Deutschland und Österreich in München gegründet und hatte seinen Sitz lang beim Kosmos-Verlag in Stuttgart. Das Ziel des Vereins war es, Flächen im norddeutschen Tiefland, im Mittelgebirge und im Hochgebirge zu kaufen und diese zu Schutzgebieten zu machen. Ab 1910 setzte der Verein die Tiefland-Pläne mit den ersten Grundkäufen in der Lüneburger Heide um. Heute besitzt der Verein dort 9500 Hektar Grund und das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist das einzige Großschutzgebiet in Deutschland, das von einem privaten Verein erhalten wird. Auf dieses Gebiet konzentriert sich heute die Tätigkeit des Vereins.

Aber der Verein kaufte ab 1913 auf Vermittlung des damaligen LH-Stv. August Prinzinger auch Flächen in den Tauern. Das war der Grundstein für die Nationalparkidee in Österreich. Vor einem Jahr wurde das 100-Jahr-Jubiläum gefeiert. Die ersten Flächen, die der Verein in den Tauern kaufte, befanden sich im Stubachtal bei Uttendorf und im Felbertal bei Mittersill. Später wurden diese Täler aber für Straßen und Energieanlagen genutzt und kamen nicht in den Nationalpark. Der Verein tauschte sie daher mit den Bundesforsten gegen die Flächen im Unter- und Obersulzbachtal.

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