Chronik

Orkantief "Sabine": Sturmböen haben Salzburg erreicht

Das Orkantief "Sabine" hat sich nun auch in Salzburg mit den ersten heftigen Sturmböen eingestellt. Kurze Zeit später gab es die ersten Alarmmeldungen bei der Feuerwehr.

Die aktuelle Prognose der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für Salzburg sah Montag früh so aus: "Die ersten Stunden sind ziemlich mild und auch kurz sonnig. Lebhafter Föhnwind kündigt schon die Sturmfront an. Die Kaltfront mit schwerem Sturm und Regenschauern trifft im Norden (Flachgau bis Hallein) um ca. 11 Uhr mit Böen um 90 bis 100 km/h ein. Nach zwei bis drei Stunden lockern die Wolken wieder auf. In den Gebirgsgauen trifft der Sturm abgeschwächt und zeitverzögert ein. Dort gibt es Böen um 70 bis 80 km/h zwischen 12 und 16 Uhr. Mild mit 5 bis 12 Grad."

Gegen 11 Uhr am Vormittag langten bereits die ersten Alarmmeldungen bei der Salzburger Landesfeuerwehrzentrale ein: "Es gilt, umgestürzte Bäume in den Gemeinden Göming, Lamprechtshausen und Bürmoos zu beseitigen", berichtete ein Leitstellenkommandant. Die erste Zwischenbilanz um 12.30 Uhr lautete: "Zehn Einsätze, sieben Feuerwehren, 107 Mann."

Die Ferienwoche in den Bundesländern Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Kärnten und Burgenland beginnt also wenig einladend: Regen, Schnee, Kälte und Sturmböen. Nur kurz nachdem der Sturm "Petra" Österreich verlassen hat, fegt ab Montag das Sturmtief "Sabine" durch weite Teile des Bundesgebiets. "Montagvormittag kann es insbesondere in Oberösterreich und im Norden von Salzburg turbulent werden", sagt Josef Haslhofer, Sprecher der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Zu rechnen sei mit Windspitzen von 80 bis 110 km/h, danach breite sich das Sturmtief auch auf die Bundesländer Steiermark, Kärnten und Burgenland aus, wobei der Süden insgesamt "nicht so betroffen sein wird", betont Haslhofer. Was bedeutet diese Wettersituation nun für die zahlreichen Skiurlauber in Österreich? "Es ist schon ratsam, sich für Montag und Dienstag ein Ersatzprogramm zu überlegen", sagt der ZAMG-Sprecher. Freilich könne man am Montag gleich in der Früh zwei Stunden Ski laufen, aber es könne dann eben sehr schnell gehen. Und: Wenn die Urlauber ihr Zeitfenster zu sehr ausreizen würden, könne es dann zu Problemen kommen. Haslhofer rechnet auch damit, dass einige Liftbetreiber den Betrieb ihrer Skilifte aus Sicherheitsgründen temporär einstellen werden: "Montagmittag ist das Wetter leider sehr schlecht und auch der Dienstag wird in Summe ein eher ungemütlicher Tag."

Die Windstärken.  SN/dopsch
Die Windstärken.

In der Nacht auf Dienstag kommt eine zweite Front

Nach der ersten Sturmfront Montagvormittag - sie wird ab zehn Uhr maximal vier Stunden dauern - ist in der Nacht auf Dienstag mit einer weiteren Sturmfront zu rechnen. "Diese ist dann aber nicht mehr so stark, wir rechnen mit rund 80 km/h", erläutert der Wetterexperte. Durch das Sturmtief "Sabine" ist es möglich, dass Bäume umstürzen und es zu Sperren von Straßen und Bahnlinien kommen kann. Bereits am Sonntag haben die ÖBB via Twitter eine Sturmwarnung ausgegeben: "Aufgrund der hohen Windgeschwindigkeiten kann es immer wieder zu Streckenunterbrechungen wegen umgestürzter Bäume oder anderer Gegenstände kommen."

Auch das Land Salzburg hat vor dem Sturmtief gewarnt. "Da es nicht nur auf den Bergen sehr stürmisch werden wird, haben wir wenige, aber wichtige Empfehlungen zusammengestellt", sagte Markus Kurcz, Leiter des Katastrophenschutzes in Salzburg. Die Abteilung rät etwa dazu, den Aufenthalt im Freien möglichst zu vermeiden. Von Spaziergängen im Wald oder in Parkanlagen wird abgeraten. Weitere Tipps: Lose Gegenstände auf Balkonen und Terrassen befestigen oder gut verstauen. Markisen einfahren und Fenster wie Rollläden schließen. Autos - wenn möglich - in Garagen abstellen. Keine Reparaturarbeiten während der Sturmspitzen durchführen, insbesondere nicht auf Dächer steigen.

Mit einer Entspannung der Lage sei, so die Wetterexperten, erst ab Mitte der Woche zu rechnen. Der Wetterdienst Ubimet prognostizierte am Sonntag einen der schadensträchtigsten Stürme der vergangenen Jahre. "Am Bodensee sowie in Oberösterreich treten im Zuge der Kaltfront auch Gewitter auf, in deren Umfeld sind einzelne Orkanböen um die 120 km/h durchaus möglich", sagt Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Österreichischen Unwetterzentrale. Auf den Bergen wiederum lasse die Kombination aus Sturm und Neuschnee die Lawinengefahr in allen Lagen wieder deutlich ansteigen.

In Deutschland hat "Sabine" das Ausmaß eines Orkans angenommen. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen, auch beim Bahn- und Fährverkehr kam es zu Einschränkungen. Etliche Schulen bleiben am Montag geschlossen, Sport- und Konzertveranstaltungen, etwa der Auftritt von Schlagerstar Andrea Berg Sonntagabend im westfälischen Halle, wurden abgesagt. Die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) für einzelne Landesteile ausgegebenen Unwetterwarnungen dauern bis Montagabend an.

Stadt sperrt Friedhöfe, Parks, Stadtberge und Hellbrunn

Wegen der möglichen Orkanböen hat der Katastrophenschutz des Landes eine Sturmwarnung herausgegeben, die weite Konsequenzen nach sich zieht.

"Auf Anordnung des Amts für Öffentliche Ordnung als Bezirksverwaltungsbehörde bleiben in enger Abstimmung mit den städtischen Betrieben die Friedhöfe, Parks, Stadtberge sowie Hellbrunn und Hellbrunner Allee am Montag geschlossen. Dies gilt von der Früh weg bis zur Entwarnung", sagte Amtsleiter Michael Haybäck. Keinesfalls dürften daher am Montagvormittag Stadtparks und Friedhöfe besucht werden oder Wanderungen bzw. Ausflüge auf die Stadtberge stattfinden. Auch der beliebte Gaisberg-Rundwanderweg darf aus Sicherheitsgründen seit heute Montag, 10 Uhr, nicht mehr begangen werden.

Die Berufsfeuerwehr der Stadt Salzburg sei auf allfällige Einsätze vorbereitet. "Wenn nötig, stehen auch die Mannen der Feuerwache Gnigl bereit", sagte Branddirektor Reinhold Ortler.

Verhaltensempfehlungen bei Sturm:

  • Lose Gegenstände wie Terrassen- und Balkongarnituren oder Blumentöpfe befestigen bzw. wegräumen und Markisen einfahren. Fensterläden bzw. Rollläden schließen sowie Autos wenn möglich in Garagen abstellen.
  • Weiters wird empfohlen, Aufenthalte im Freien wenn möglich zu vermeiden und auch auf Spaziergänge (auch Gassigehen) im Wald und in Parkanlagen zu verzichten.
    Ratsam sei auch, keine Reparaturarbeiten während der Sturmspitzen durchzuführen, insbesondere nicht auf Dächer steigen (akute Gefahr für Leib und Leben).
  • Besondere Vorsicht ist aufgrund des starken Windes auch im Straßenverkehr geboten. Es ist auch möglich, dass es zu Stromausfällen kommt.

Aufgerufen am 07.12.2021 um 08:11 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/orkantief-sabine-sturmboeen-haben-salzburg-erreicht-83219530

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