Chronik

"Potenzmittel waren als Ostergeschenk gedacht"

In dem am Landesgericht laufenden Betrugsprozess gegen vier Salzburger Angeklagte wegen massenhaften Verkaufs von gefälschten Potenzmitteln erstaunte der Hauptbeschuldigte am zweiten Verhandlungstag mit abenteuerlich klingenden Aussagen.

"Potenzmittel waren als Ostergeschenk gedacht" SN/cobracz - Fotolia
Symbolbild.

Der hauptbeschuldigte 54-jährige Geschäftsmann - eigenen Angaben nach unter anderem in der Erotikbranche tätig - bestreitet energisch, Mitglied beziehungsweise "Salzburger Ableger" einer europaweit agierenden kriminellen Organisation gewesen zu sein. Die aus dutzenden Personen bestehende Bande soll den Ermittlungen deutscher Behörden zufolge mit dem Vertrieb gefälschter Potenzpillen im deutschsprachigen Raum insgesamt rund 20 Millionen Euro erwirtschaftet haben. In Asien produzierte Pharmaka wurden als vermeintliche Originalpräparate der Marken Viagra, Cialis oder Levitra angepriesen.

Auf die Feststellung von Günther Nocker, dem Vorsitzenden Richter, dass beim Hauptangeklagten und seinem mitangeklagten Sohn "3000 Einheiten von Erektionsmitteln sichergestellt worden sind", entgegnete der Unternehmer: "Ja das stimmt schon. Aber diese Sachen waren als Geschenke für unsere vielen Mitarbeiter gedacht. Für die Erotikdarsteller und so. Es war damals ja knapp vor Ostern." Faktum ist jedenfalls: Die besagten "Erektionsförderer" waren Fälschungen und keine Originalpräparate.

Geschäftsmann und Sohn Mitglieder einer kriminellen Organisation?

Der 54-Jährige (Verteidiger: RA Sebastian Boecker) soll laut Anklage zwischen Ende 2009 und Ende 2011 mit seinem Sohn (Verteidiger: RA Marc Gollowitsch) die aus China und Indien stammenden, gefälschten Pillen "in großer Zahl entgegen genommen, gelagert, versandfertig gemacht und zur Post gebracht" haben. Zudem habe er sich an der vor allem in Deutschland operierenden Bande mit Namen "Pillendienst" insofern beteiligt, als er über diverse Firmen, hinter denen er gestanden sei, "Konten zur Verfügung stellte und Einnahmen aus den Pillengeschäften über diese Konten vor allem ins Ausland transferierte".

Ebenfalls in Salzburg auf der Anklagebank sitzen die Ehefrau des Geschäftsmannes, eine Thailänderin, sowie ein - als einziger geständiger - Außendienstmitarbeiter (Verteidiger: RA Michael Hofer).

Die Gruppierung wird als "Pillendienst-Bande" bezeichnet

Die Bezeichnung der Bande - einige der Mitglieder wurden bereits in einem großen Verfahren in Deutschland verurteilt - leitete sich von ihrem umsatzstärksten Internet-Shop namens "pillendienst.com" ab. Derartige Webportale wurden von Bandenmitgliedern eigens für den möglichst anonymen Verkauf der Präparate eingerichtet. Allein über pillendienst.com seien europaweit allein bis April 2010 rund 230.000 Bestellungen erfolgt. Tatsächlich waren die von den Kunden georderten Pillen von schwacher Wirkung oder wirkungslos. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 03:27 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/potenzmittel-waren-als-ostergeschenk-gedacht-1046842

Schlagzeilen