Chronik

Pro und Kontra: Radeln bei Schnee und Eis

Einige Radler können oder wollen auch bei starkem Schneefall nicht auf ihr Fahrrad verzichten. Die SN liefern Argmuente für und gegen das Winterradeln.

8000 Kilometer radelte Naturschutzbund-Vorsitzender Winfried Herbst jedes Jahr bis zu seiner Pensionierung. Der ehemalige Leiter des städtischen Abfallservice ist auch jetzt noch bei jedem Wetter mit dem Fahrrad unterwegs. "Auch bei Schnee und Eis. Wichtig ist der Regenschutz und die Beleuchtung", sagt Herbst.

Diese Ausrüstung holen sich die Winterradler etwa bei Daniel Niederreiter. Er ist Verkäufer beim Sportartikelhändler iko bei Hallwang. Prinzipiell könne man auch im tiefsten Winter sicher mit dem Fahrrad unterwegs sein, sagt Niederreiter. Das setze allerdings die richtige Ausrüstung voraus. "Wer im Winter Reifen mit Spikes montiert, hat auch auf Eis kein Problem", sagt Niederreiter. Manche seiner Kunden würden auch als Pendler ohne Auto auskommen. Für die seien neben den Reifen mit Metallstiften auch gutes Kettenöl und gute Beleuchtung wichtig. Auch GoreTex-Jacken und Überhosen sollten beim Winterradeln zur Grundausstattung gehören. "Die ist leichter als Skiausrüstung, mit der würde einem auch zu warm. Aber viele setzen sich im Winter statt dem Radhelm den Skihelm auf. Auch die Skibrille kann bei Schneefall hilfreich sein."

Die Stadt Salzburg wies auf ihrer Internetseite darauf hin, dass die städtischen Radwege auch bei dem starken Schneefall am Donnerstag geräumt würden. Freie Radwege könne man aber nicht garantieren, sagt Michael Wanner, Leiter des städtischen Bauhofs. "Wenn so viel Schnee fällt wie derzeit, ist der geräumte Radweg nach einer Stunde wieder voll Schnee. Und die Radwege liegen auch nicht auf unserer Prioritätenliste."

Wanner rät derzeit auch davon ab, auf das Rad zu steigen. "Das ist im Moment so, wie wenn man mit Stöckelschuhen auf den Berg geht. An den wenigen extremen Tagen im Jahr sollte man wirklich auf das Fahrrad verzichten."

Pro: "Schneller ans Ziel mit dem Radl"

SN-Redakteur Stefan Veigl ist bei jedem Wetter mit dem Fahrrad unterwegs. Das sagt der bekennende Winterradler zu den jetzigen Bedingungen: "Auch, wenn ich mir Kritik einhandle: Ich bin gehfaul, zeitökonomisch, sportlich und tue gerne etwas für die Umwelt. Diese vier Gründe sprechen eindeutig dafür, in der Stadt 365 Tage im Jahr möglichst viele Wege mit dem Rad zurückzulegen. Schon vor der Arbeit ein bissl Freiluftsport gemacht zu haben, gibt ein gutes Gefühl. Und ich bin schneller selbst als SUV-Fahrer, die trotz ihrer 150-PS-Karossen im Stau stehen. Weiters habe ich im Winter auch tagsüber am Rad das Licht an; trage eine Warnweste, Helm sowieso, und mein Drahtesel bekam vor dem Winter neue Bremsen. Vor mir braucht kein Autofahrer Angst zu haben. Und in 20 Jahren Radfahren ein Wintersturz mit verstauchtem Daumen ist eine passable Sicherheitsbilanz."

Kontra: "Nicht aufs Radl bei dem Schnee"

SN-Redakteur Andreas Widmayer ist bei gutem Wetter gerne mit dem Fahrrad unterwegs. Er erklärt, warum er es im Winter stehen lässt: "Radfahren ist grundsätzlich etwas Kluges. Es trägt zur eigenen Gesundheit bei. Es entlastet die staugeplagte Stadt. Und man kommt oft schneller voran als mit Auto oder Bus.

Bei bis zu einem halben Meter Schnee, teils zugeschneiten Radwegen und glatten, schmierigen, wegen der Schneemassen schmäleren Fahrbahnen ist Radfahren aber sinnbefreit. Vielleicht lässt es sich noch mit dem Inhalieren von (in der Stadt ohnehin begrenzt frischer) Luft rechtfertigen. Aber sonst durch nichts. Die Sturzgefahr sowie die Unfallgefahr für andere Verkehrsteilnehmer sind weit höher als sonst. Die Bremswege für Kfz verlängern sich enorm. Da kommt man als Radler buchstäblich unter die Räder. Also Hände weg vom Drahtesel!

Aufgerufen am 23.01.2019 um 11:17 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/pro-und-kontra-radeln-bei-schnee-und-eis-63870865

Kommentare

Schlagzeilen