Chronik

"Radioaktive Steine sind keine Gefahr"

Die Universität hat uranhaltiges Gestein aus Sammlungen in Salzburger Schulen untersucht. Ein Professor gibt Entwarnung.

"Radioaktive Steine sind keine Gefahr" SN/berthold schmid
Professor Herbert Lettner untersuchte die Schaustücke.

In elf Salzburger Schulen wurden bei einer angeordneten Kontrolle in den Biologieräumen uranhaltigen, radioaktiven Steine sichergestellt. Die SN berichteten. Die Steine befinden sich derzeit im Physikinstitut der Uni Salzburg. "Bei den meisten Schaustücken handelt es sich um so genannte Pechblende und Verwitterungsprodukte", erklärte Herbert Lettner, Leiter des radiologischen Messlabors an der naturwissenschaftlichen Fakultät. Die meist handtellergroßen uranhaltigen Steine lagen in vielen Fällen bereits seit Jahrzehnten in den diversen Physik- und Biologieschaukästen und Mineraliensammlungen der Schulen. Sie stammen vorwiegend aus Tschechien, vorzugsweise aus dem Joachimstal in der Karlsbader Region. Dort wurden Kupfer, Silber und auch Uran abgebaut. Mit solchen Stücken konnten Lehrer ihren Schülern eindrucksvoll mit einem Messgerät die atomare Strahlung demonstrieren.

"Mit solchen Metallen wurden in der tschechischen Glasindustrie Farben erzeugt. Die Beigabe von Uran ergibt je nach Menge ein gelbliches oder grünliches Licht, Kobalt ein blaues", so der Professor. Auch seien bis in die Mitte der 1980er-Jahre Keramikfliesen mit Uranfarben verziert worden. "Wobei eines zu sagen ist: In diesem Abbaugebiet sprach man unter den Bergarbeitern von der so genannten Schneeberger Krankheit. Nichts anderes als Lungenkrebs, der durch den eingeatmeten Uranstaub ausgelöst wird", sagte Lettner. Auch in Mühlbach am Hochkönig, wo bis Anfang der 1980er-Jahre Kupfer abgebaut worden ist, sei Uran gefunden worden.

Die Sicherstellung der radioaktiven Steine erfolgte nach einem Vortrag von Thomas Neff von der Plattform gegen Atomgefahren in einem Salzburger Gymnasium. Er wies auf die Strahlungsintensität von Schaustücken hin, worauf eine landesweite Überprüfung in den Salzburger Schulen erfolgte. Bei den nun vorgefundenen uranhaltigen Stücken kann Professor Lettner Entwarnung geben: Die Messungen hätten ergeben, dass die Strahlenwerte nicht gefährlich seien, wobei die Dauer des Kontakts sowie die Entfernung zum Objekt gewichtige Faktoren seien. Lettner zieht einen Vergleich: Die normale Hintergrundstrahlung auf der Erde betrage 0,1 Mikrosievert pro Stunde, in Höhenlagen um 1800 Meter das Doppelte. Während eines Fluges in rund 10.000 Metern Höhe steige der Wert auf zwei Mikrosievert pro Stunde. "Aus diesem Grund stehen Piloten und Flugpersonal auch unter einer Strahlenkontrolle", sagte Lettner.

Die aus den Schulen stammenden Schaustücke weisen Werte von 20 bis 30 Mikrosievert auf, die jedoch mit der Entfernung rapid abnehmen. "Man müsste so ein Stück praktisch den ganzen Tag bei sich tragen, damit eine Gefährdung gegeben ist", stellte Professor Lettner fest. Wenn die Schulen ihre Schaustücke zurück wollten, gebe es kein Problem. "Wir werden ihnen aber erklären, dass man sie ordnungsgemäß verwahren, kennzeichnen und auch nicht direkt berühren soll, um zu verhindern, dass radioaktiver Staub eingeatmet wird."

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