Chronik

"Rettet die Kühe auf unseren Wiesen"

Milchpreise im Keller, Bauernsterben und trotzdem eine Überproduktion am Milchmarkt. Durch die Orientierung auf den Weltmarkt kommen unsere Kleinbauern still und leise unter die Räder.

Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten könnten in der Zukunft verschwinden. Von den rund acht Millionen weltweit vermuteten Arten sei etwa eine Million in ihrem Bestand gefährdet - das ist das alarmierende Fazit eines kürzlich präsentierten UN-Berichts.

"Immer wieder heißt es, dass die Landwirte hier die Verantwortung tragen", so Toni Maier, Salzachhofbauer in St. Johann. Was dabei aber außer Acht gelassen werde, das sei die Mitverantwortung der Gesellschaft und vor allem jene der Konsumenten: Denn was wie produziert wird, das bestimmen wir alle durch unser Kaufverhalten.

Würden wir gezielter Produkte aus regionalen Produktionen nachfragen "und wären wir vor allem dazu bereit, einen fairen Mehrpreis zu zahlen, dann würde das die ersehnte Agrarwende bedeuten", betont der Biobauer. Und er legt ein einfaches Rechenbeispiel vor: "1985 habe ich den Hof gemeinsam mit meiner Frau Rosa übernommen. Wir haben 1987 für einen Liter Milch sieben Schilling bekommen, das wären umgerechnet 50 Cent. Derzeit bekommen wir für einen Liter aus dem Biobetrieb auch nur 48 Cent."

Ein Rechenbeispiel, das auch für den Fleischpreis - er beträgt nun ein Drittel des Preises von einst - oder auch für den Holzpreis aufgestellt werden könne.

"Unsere Ausgaben von damals sind aber um fast 100 Prozent gestiegen und mit Förderungen wird dies nur zu 13 Prozent wieder wettgemacht." Bei den heutigen Preisen können beispielsweise die Milchbauern nur durch eine massive Mehrproduktion ansatzweise versuchen, ihre Kosten zu decken: "Damals haben wir 37.000 Liter Milch im Jahr erzeugt und jetzt sind es 84.000 Liter. Damit gehören wir mittlerweile zu den Kleinlieferanten."

Jeder dritte Bauer gibt auf

So entstünde der tödliche Kreislauf, dem eben viele Tier- und Pflanzenarten zum Opfer fallen: Mehr düngen, mehr mähen, anders füttern und dafür dann mehr produzieren. Der wirtschaftliche Druck auf die Bauern wächst von Jahr zu Jahr und so hat in den vergangenen Jahren jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb zugesperrt.

Landwirtschaft wird hauptsächlich nach Fläche gefördert - wer mehr hat, bekommt auch mehr. Das sei auch ein Grund, warum immer mehr Bauern europaweit aufgeben. "Aufgrund der betrieblichen Gegebenheiten können wir oft gar nicht wachsen", betont auch sein Rauriser Kollege Hans Fuchs. Der Nebenerwerbsbauer und Imker sieht sich und seinen Betrieb ebenfalls als "überstrapaziert" an: "Ich behaupte, dass kleine Bauernbetriebe in Europa gar nicht mehr erwünscht sind." Denn die kleinen, teilweise Bergbauernbetriebe erwirtschaften ihr Einkommen vor allem aus Nebenerwerben: "Wir hatten Ende der 70er-Jahre 240.000 Milchbauern in Österreich. Jetzt haben wir 25.000."

Nur Nebenerwerb rettet noch

Es sei sehr schwierig, rechnet Fuchs: "Als ich ein kleiner Bub war, haben wir für fünf Kühe einen neuen Traktor anschaffen können. Dafür bekomme ich heute vielleicht noch einen Frontlader, wenn alles gut geht. Wir arbeiten nebenbei, um alles zu erhalten, teilweise im Doppel-Nebenerwerb, aber wenn es so weitergeht, dann sind auch die letzten Idealisten weg."

Es brauche eine neue Steuerung der Produktion zur Rückkehr der Artenvielfalt. Wiesen und Weiden, auf denen sich früher verschiedene Arten tummelten, werden weiter vernichtet.

Was nicht für die Landwirtschaft gebraucht wird, wird in Bauland umgewandelt oder für Verkehrswege verbraucht.

Die Bauern fordern auch deshalb: "Die Konsumenten haben eine ungemeine Macht, aber sie müssen sich bekennen - wollen sie weiterhin nur die billigsten Lebensmittel, dann sterben nicht nur die Arten, sondern auch unsere Bauern", schließt Toni Maier.

Aufgerufen am 17.10.2019 um 01:06 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/rettet-die-kuehe-auf-unseren-wiesen-70355941

Der Wolf bringt die Almbauern in Not

Der Wolf bringt die Almbauern in Not

Der Wolf ist längst nach Österreich zurückgekehrt - mit Schäden für die Landwirtschaft. Geforderte Herdenschutzmaßnahmen lehnen die meisten Almbauern als unrealistisch ab.

Schlagzeilen