Chronik

Salzburg: Vorzeigelehrling kämpft gegen seine Abschiebung

Ali Wajid gilt als Vorzeigebeispiel für Integration in Salzburg - der Pakistani hat Deutsch gelernt, macht eine Lehre und hat sozialen Anschluss gefunden. Trotzdem soll er weg.

Ali Wajid droht die Abschiebung. Jetzt hofft er auf Rettung in letzter Sekunde. SN/ANTON PRLIC
Ali Wajid droht die Abschiebung. Jetzt hofft er auf Rettung in letzter Sekunde.

Es waren dramatische Stunden für Ali Wajid. Der Flüchtling aus Pakistan, der derzeit im ARGE-Beisl seine Lehre zum Kellner absolviert, wurde am Donnerstag von einer Polizeistreife aufgehalten und festgenommen. "Ich hatte so große Angst, ich kann es gar nicht in Worte fassen", sagt Wajid.

Seit drei Jahren ist der Pakistani in Österreich. Seine Geschichte sorgte zuletzt für Aufsehen, weil er als Vorzeigebeispiel für die Integration von Flüchtlingen gilt. Er spricht sehr gut deutsch, hat eine Lehrstelle, ist dort beliebt und hat Freunde in Salzburg gefunden - und dennoch soll er abgeschoben werden.

Am 2. Mai bekam er seinen negativen Asylbescheid in zweiter Instanz. Darin wurde er aufgefordert, binnen zwei Wochen freiwillig auszureisen. Allenfalls würde er abgeschoben. "Sie wollen, dass ich gehe. Aber ich will das nicht", sagt er. Auch sein Arbeitgeber und der Verein, der Ali die Lehrstelle vermittelt hatte, setzten sich bis zuletzt dafür ein, dass der junge Flüchtling bleiben kann - ohne Erfolg.

Jetzt droht ihm die Abschiebung. Eigentlich hätte er direkt nach seiner Festnahme am Donnerstag in Schubhaft kommen sollen. Nach einigen Stunden in Polizeigewahrsam sei er allerdings gegen gelindere Mittel freigelassen worden, sagt ARGE-Obmann Bernhard Jenny. "Ich hatte ein längeres Gespräch mit einem Polizisten. Einige Stunden später kam die überraschende Nachricht, dass er doch nicht in Schubhaft muss." Ali Wajid kann nun in Freiheit auf seine Abschiebung warten. Alle 48 Stunden muss er sich bei der Polizei melden. "Ich weiß nie, ob sie mich eines Tages dort behalten."

Diese neue Entwicklung im Fall von Ali Wajid kommt kurz nach der Ankündigung von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) im SN-Interview, dass Flüchtlinge die Möglichkeit bekommen sollten, ihre Lehre abschließen zu dürfen. Im Koalitionsübereinkommen gebe es dazu allerdings keine Festlegung, sagt ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Mayer. "Dazu gibt es auch keine Kompetenzen vonseiten des Landes."

Ali Wajid hat jedenfalls die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "In meinem Leben ging es oft bergab und bergauf. Als ich in einem Boot von der Türkei nach Griechenland fuhr, wären wir fast ertrunken. Die Polizei hatte uns gefunden, das Boot drehte aber ab. Dann kehrten sie um und retteten uns doch noch." Auf so eine Rettung in letzter Sekunde hofft er nun erneut. Denn in Pakistan droht ihm wegen seiner illegalen Ausreise das Gefängnis.

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