Chronik

Salzburger Ex-Eishockey-Profi Corin Konradsheim kämpft nach Unfall und bitterem Urteil weiter

Ein Autounfall nach dem Training kostete den Salzburger Eishockey-Crack Corin Konradsheim fast das Leben. Für die Justiz war es kein Arbeitsunfall - ein weiterer Tiefschlag für  ihn und die Familie.

Mit erhobenem Daumen und einem Lächeln begrüßt Corin Konradsheim den Redakteur. Der großgewachsene Salzburger, eben erst 26 geworden, wird von Mutter Melina aus dem Transportstuhl gehoben und in einen Sessel gehievt. Man sieht und spürt: Mutter und Sohn arbeiten gut zusammen. Auch wenn es einiger Kraftanstrengung bedarf. Zum Gespräch in der Kanzlei von Corins Rechtsanwältin Karin Sonntag ist auch sein Vater Andreas Konradsheim gekommen, ein pensionierter Rechtsanwalt.

Am 7. August 2017 schlug das Schicksal mit voller Wucht zu

Am Abend des 7. August 2017 hat eine Tragödie das Leben von Corin - und damit verbunden - das seiner Familie auf einen Schlag drastisch wie brutal verändert. Der damals 23-jährige Corin, ein aufstrebender Eishockey-Profi, der auch schon im Nationalteam gespielt hatte, absolvierte mit seinem Eishockey-Kollegen Alexander Feichtner ein Techniktraining in der Eishalle Gmunden (OÖ). Unmittelbar nach dem Training, als Corin mit dem Auto von der Eishalle wegfuhr, kollidierte er mit dem entgegenkommenden Pkw eines 40-Jährigen. Alle drei Beteiligten wurden schwerst verletzt, Corin erwischt es am allerschlimmsten: Er erlitt massive Kopf- sowie innere Verletzungen und lag wochenlang im Koma. Er kann bis heute (noch) nicht selbstständig gehen, hat große Sprech- und Gleichgewichtsprobleme und benötigt umfassenden Therapie und Pflege.

SN-Bericht vom 10. August 2017:


Inzwischen mussten Corin und seine Eltern den nächsten Tiefschlag hinnehmen: Sein Horrorunfall wurde von den Gerichten nicht als Arbeitsunfall anerkannt. Begründung: Der junge Profisportler habe zum Unfallzeitpunkt keinen aufrechten Spielervertrag gehabt und sei damals noch für rund eine Woche beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet gewesen. Er habe damals in Gmunden kein offizielles Vereinstraining absolviert. Der Oberste Gerichtshof (OGH) dazu in seinem Urteil vom September 2019: Der Eishockey-Profi, der die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) nach ihrem Negativbescheid bezüglich Anerkennung als Arbeitsunfall klagte, habe damals ein reines "Privattraining" ohne Trainer absolviert. Ein solches begründe "keinen Unfallversicherungsschutz" im Zusammenhang mit einer "unfallversicherungspflichtigen Beschäftigung nach dem ASVG" .

Die allesamt klagsabweisenden Entscheidungen von Landesgericht Salzburg, Oberlandesgericht Linz und letztlich OGH muten umso ernüchternder an, als Corin bereits einen Dienstvertrag mit dem Eishockey-Zweitligisten EK Zell am See abgeschlossen hatte. Offiziell beginnend mit 15. August 2017. Zuvor war der junge Profi beim Heimatclub und Bundesligisten EC Red Bull Salzburg aktiv - wo er schon im Nachwuchs bestach. Dann ging es zu den Graz 99ers; zuletzt war er - bis zum 30. April 2017 - bei den Bulldogs Dornbirn engagiert.

Eishockeyprofi: Corin Konradsheim am 15. September 2013 im Dress des EC Red Bull Salzburg im Meisterschaftsspiel gegen HC Innsbruck. SN/gepa pictures/ harald steiner
Eishockeyprofi: Corin Konradsheim am 15. September 2013 im Dress des EC Red Bull Salzburg im Meisterschaftsspiel gegen HC Innsbruck.

Corin trainierte, um fit für neuen Verein zu sein

Für Corins Rechtsanwältin Karin Sonntag habe, entgegen den ergangenen Urteilen, "sehr wohl ein innerer Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem bereits abgeschlossenen Vertrag" mit den Zeller Eisbären bestanden: "Fast alle Eishockeyvereine schließen mit ihrem Spielern saisonale Verträge ab. Corin hat sich mit seiner Unterschrift beim neuen Club vertraglich verpflichtet, dass er sich in der Zwischenzeit bis zum neuen Saisonstart fit hält. Der Trainer der Zeller Eisbären hat sogar einen eigenen Trainingsplan für ihn erstellt. Er war so gesehen verpflichtet, zu trainieren: er musste ja fit sein, ansonsten wäre das ein Vertragsauflösungsgrund."

Clubs melden Spieler aus Kostengründen beim AMS an

Auch die Eltern können die Urteile nicht nachvollziehen. Und stoßen sich auch daran, dass die Gerichte auch damit argumentieren, dass es, so das OLG LInz wörtlich, "jedenfalls an einer Veranlassung durch das AMS fehlte, zur Eishalle nach Gmunden zu fahren, um zu trainieren". Vater Andreas Konradsheim: "Das klingt wie ein Hohn. Das AMS weiß ja, dass er Eishockey-Profi ist. In welchen Kurs sollen die ihn denn bitte schicken?"

Mutter Melina verweist auf ein besonderes Problem im Hintergrund: "Abgesehen davon, dass wir erwägen, gegen das Urteil Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einzulegen: Das Grundübel ist, dass fast alle Profivereine die Spieler nur für die Dauer der Meisterschaft unter Vertrag nehmen. Aus Kostengründen werden sie in der Sommerpause beim AMS angemeldet. Um Tragödien wie die von Corin zu vermeiden, soll der Eishockeyverband (ÖEHV) alle Vereine der zwei höchsten Ligen verpflichten, dass sie mit den Spielern Ganzjahresverträge abschließen."

Eishockeyprofi: Corin Konradsheim im Dress des EC Dornbirn am 15. November 2016 im Meisterschaftsspiel gegen HC Bozen. SN/gepa pictures/ oliver lerch
Eishockeyprofi: Corin Konradsheim im Dress des EC Dornbirn am 15. November 2016 im Meisterschaftsspiel gegen HC Bozen.

Eishockeyverband: "Saisonverträge sind problematisch"

Florian Russmann, Pressesprecher des OEHV, räumt im SN-Gespräch ein, "dass uns das Thema dieser problematischen Saisonverträge sehr beschäftigt". Was die Bundesliga-Clubs betreffe, so würden bislang nur die finanzstarken Vereine EC Red Bull Salzburg und KAC "ihre Spieler durchgehend beschäftigen". Dass es die anderen nicht tun, liege "am Geldfaktor". Der Verband sei aber seit längerem "zumindest mit den Vereinen der obersten Liga in Gesprächen, dass sie künftig alle ihre Spieler immer für jeweils ein ganzes Jahr anstellen".

"Ich will ohne Hilfe einen Schritt machen"

Zurück zu Corin, der tapfer weiterkämpft - wenn auch nicht mehr als Verteidiger-Hüne auf dem Eis. Nach 14 Monaten im Spital, in Reha sowie anschließend in einer betreuten Spezial-WG ist er nun seit Juli 2019 daheim bei den Eltern. Für diese fallen enorme Kosten an - Umbau des Bades und weitere intensive physiotherapeutische und logopädische Therapien sind unerlässlich. Beste Unterstützung erhält Corin von seinem Anifer Fitnesstrainer Emanuel Pogacnik. "Pogi und ich sind inzwischen beste Freunde", sagt Corin, der sich folgendes Ziel gesetzt hat: "Wieder ohne Hilfe einen Schritt machen."

Er sagt das mit einem Lächeln - und mit erhobenem Daumen.

Wer Corin finanziell helfen möchte, findet alle Infos unter www.gofundme.com/f/corins-long-way-back

Aufgerufen am 22.11.2019 um 03:00 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburger-ex-eishockey-profi-corin-konradsheim-kaempft-nach-unfall-und-bitterem-urteil-weiter-78887725

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