Chronik

Salzburger Fleischereibetrieb: Überleben mit mehreren Standbeinen

Das Stammhaus der Fleischerei Lettner in Gnigl kaufte Großvater Lettner im Jahr 1904. Platzmangel machte ein Umsiedeln der Zentrale nötig.


Auf den rasanten Wandel in der Fleischereibranche haben Helene und Engelbert Lettner schon vor Jahren reagiert - reagieren müssen. "Wir hatten früher fünf Standorte. Neben Gnigl und Guggenthal auch noch am Aiglhof, in der Ignaz-Harrer-Straße und in der Kaiserschützenstraße in Itzling, das eine ehemalige Mitarbeiterin von uns übernommen hat", schildert Fleischermeister Engelbert Lettner.

Er führt das Geschäft mit seiner Frau Helene, ebenfalls Fleischermeisterin. "Er hatte ja Glück, dass er eine Fleischermeisterin geheiratet hat, sonst könnten wir in unserem Geschäft niemals so gut die viele Arbeit bewältigen", schmunzelt sie. Großvater Lettner kaufte das Stammhaus in der Thurnerstraße 1904, wo schon zuvor eine Fleischerei untergebracht war.

Reiner Zerlegungsbetrieb

Vor genau 20 Jahren hat sich die Familie entschieden, die Zentrale neu zu bauen und nach Guggentahl zu verlegen. "Wir platzten aus allen Nähten, die neuen Hygienerichtlinien wären in Gnigl kaum umzusetzen gewesen, und die Nachbarn litten immer mehr unter Lärm- und Geruchsbelästigung." Die gesamte Fleisch- und Wurstproduktion wird nun ebenfalls in Guggenthal erledigt. In Gnigl - wo sie nach wie vor wohnen - haben sie die Feinkost- und Catering-Küche ausgebaut.

Der Fachbetrieb hat sich auf ausschließliche Zerlegung und Weiterverarbeitung spezialisiert. Pro Woche kommen so um die 70-80 ganze Schweine, die unter dem Markennamen "Gustino" aus Oberösterreich bezogen werden, unter das Fleischermesser. "Die Tiere haben fast Bioqualität, bei Rindfleisch verarbeiten wir ebenfalls Premiumware, und wir bestehen auf ausschließlich heimischen Lieferanten", erklärt Engelbert Lettner. Als zweite Schiene haben sie sich die Belieferung von Handelsketten (Billa, Merkur) in deren Regionalprodukt-Linien aufgebaut. Darüber hinaus beliefern sie Gastro-Großmärkte, ebenfalls für deren Regionalprodukt-Schienen.

Wie kann ein derartiger Handwerksbetrieb in Zeiten von Billigangeboten überleben? "Nur mit bester Qualität und Fachpersonal", betont Frau Helene. "Nur mit dem Einzelhandel wird es immer schwieriger, auch gut ausgebildetes Personal finden wir immer weniger", sagt sie und freut sich, dass die Mittlere der drei Töchter inzwischen ebenfalls Fleischermeisterin geworden ist.

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