Chronik

"Schwarzer Humor entlastet"

Ingo Vogl ist mehr als "nur" Kabarettist. Als Leiter des Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes behält er Bodenhaftung. Am Freitag gastiert er mit seinem Programm "Kindheut" im Stadtkino Hallein.

Ingo Vogl nimmt das Interview fürs Rote Bankerl ganz und gar nicht auf die leichte Schulter. SN/sw/Strübler
Ingo Vogl nimmt das Interview fürs Rote Bankerl ganz und gar nicht auf die leichte Schulter.

Der 47-jährige Vater zweier Kinder im Gespräch über Gegensätzlichkeiten, Aufklärungsvorträge an Schulen - und den Sinn des Lebens.

Redaktion: Was verbindet Sie mit dem Tennengau?
Ingo Vogl: Zuallererst bin ich einmal hier geboren, und zwar bei der damals vielleicht berühmtesten Hebamme Österreichs. Es war nicht einfach, ich war eine Steißgeburt. Ob es gut gegangen ist, müssen andere beurteilen.

Dem Thema Kinderkriegen und noch mehr dem Kinder- haben widmen Sie sich auch in Ihrem Programm "Kindheut". Was erwartet die Besucher?
Es geht um die Frage, wie es uns heute mit dem Elternsein geht, aber auch darum, wie sich das Kinderhaben verändert hat. Das Thema Überforderung spielt dabei natürlich eine Rolle.

Gibt's da schon auch was zu lachen?
Dort wo es kritisch und schwierig wird, muss man darüber sprechen und darüber lachen. Ich kann also garantieren, dass es trotzdem lustig wird (lacht).

Sie sind nicht nur Kabarettist, sondern auch Leiter des Kriseninterventionsteams beim Roten Kreuz. Wie passen so gegensätzliche Tätigkeiten zusammen?
Das ist kein Widerspruch. Ich war ursprünglich Sozialarbeiter und habe schon während meiner Ausbildung mit dem Kabarett-Spielen begonnen. Es war aber nicht so, dass ich das Kabarett bewusst als Gegenpol gewählt habe. Allerdings versuche ich, die Vorzüge der Gegenpole zu nutzen. Ich würde wohl den Kontakt zum Boden verlieren, wenn ich ausschließlich Kabarett machen würde. Umgekehrt ist das Kabarett ein guter Ausgleich zu Themen mit einem hohen emotionalen Faktor.

Der Humor als eine Antwort auf Trauer und Schmerz?
Gerade für die Einsatzkräfte ist es enorm wichtig, nach Ausnahmesituationen auf die Stressverarbeitung zu achten. Es mag für manche unverständlich klingen, aber im richtigen Rahmen mit den eigenen Leuten wirkt schwarzer Humor entlastend.

Es darf also auch mal die schnelle Pointe sein?
Klar, aber mir ist schon wichtig darauf hinzuweisen, dass ich auf der Bühne keine Comedy mache. Nicht jeder zweite Satz muss ein Schenkelklopfer sein. Es darf ruhig auch mal ernster zugehen.

Wie oft muss denn das Publikum lachen, damit sie den Abend als Erfolg verbuchen? Oder messen Sie den Erfolg anders?
Es ist nicht die Anzahl der Lacher oder die Dauer des Schlussapplauses. Wenn eine 80-Jährige meine Hand nimmt und sich dafür bedankt, dass ich gewisse Dinge offen anspreche, weiß ich, dass es funktioniert hat. Oder wenn ich in den ersten Minuten merke, dass Kommunikation stattfindet, dass es ein gegenseitiges Reagieren ist und ich mitgetragen werde, weiß ich, dass es ein lässiger Abend wird. Manchmal muss ich mehr Energie reinstecken, um einen ähnlichen Erfolg zu haben. Der Anspruch an mich selbst ist aber schon der, dass die Leute nach jedem Abend sagen, es war lässig.

Sie haben eine 12-jährige Tochter und einen neunjährigen Sohn. Finden die witzig, was Sie machen?
Sie kennen zumindest alle meine Programme und sind in einem Alter, in dem sie schon Kabarettraum-kompatibel sind. Ich kriege dann auch Rückmeldungen und Fragen, wofür ich sehr dankbar bin. Sie kommen ja auch vor in meinem Programm, darum hab ich mir das vorab von ihnen freigeben lassen.

Sie halten seit vielen Jahren auch Gesundheits- und Aufklärungsvorträge an Schulen. Haben sich die Themen über die Jahre verändert?
Die Themenblöcke Rauchen, Alkohol, Drogen und Sex sind dieselben. Ich werde sicher nicht, nur weil heute jeder ein Handy hat, nur mehr darüber und nicht mehr übers Rauchen reden. Es sind aber natürlich neue Probleme hinzugekommen. Die Thematik Internet-Pornos war vor 20 Jahren noch nicht da. Heute stellt sich nur die Frage, wann man damit in Berührung kommt.

Worum geht's im Leben?
Um's Glücklichsein, Gesundheit und Respekt.


Aufgerufen am 19.10.2018 um 02:20 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/schwarzer-humor-entlastet-20767639

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