Chronik

"Viele bleiben auf der Strecke"

Es werde eine große Marktbereinigung in der Hotellerie geben, so Veit.

Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) SN/sw/öhv/lechner
Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV)

Hotelier Walter Veit aus Obertauern ist mit Jänner Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Der Betreiber des Hotels Enzian sowie der Mankei-Skihütte führt auch in Wien zwei Unternehmen. Er folgt Michaela Reitterer, deren Stellvertreter er zuvor war.

Redaktion: Nach zwei Jahren Pandemie nun dieses Amt? Darf man Ihnen dazu eigentlich überhaupt gratulieren?Walter Veit: Präsident der Hoteliervereinigung zu werden, ist natürlich gerade jetzt eine große Herausforderung.

Ich hätte gerne jemanden Jüngeren gehabt, aber die meisten Kollegen, die da infrage kommen, sind alle dermaßen eingedeckt mit Corona. Bei uns ist unsere Tochter nun aber auch als Geschäftsführerin mit dabei, daher geht es leichter.

Zusätzlich führen Sie noch Betriebe in Wien?Ja, eine gut ausgelastete Tischlerei und Glaserei in der Nähe von Schönbrunn, die bereits von meinem Großvater gegründet wurde. Daher bin ich auch regelmäßig in Wien.

Was sind nun die wichtigsten Forderungen für Ihre Branche?Es braucht vernünftige Maßnahmen zu Corona. Weitere Lockdowns müssen für unsere Branche dringend verhindert werden. Immer die Hotellerie und Gastronomie zu schließen, das kann es nicht sein. Wir haben bewiesen, dass unsere Branche sicher ist. Zusperren ist auch die teuerste Lösung. Man braucht ja nur einen Blick in die Schweiz zu werfen, wo die Hotellerie nie geschlossen war. Aber es hat dort auch keine Hüttenpartys gegeben. Hier ist bei uns künftig aber auch mehr Selbstverantwortung aller nötig.

Können Inlandsurlauber bzw. Touristen aus Deutschland die Saison noch retten?Die Auslastung durch internationale Gäste ist derzeit schlecht. Es gibt Prognosen, dass wir erst 2024 wieder mit diesen Gästen rechnen können. Wir haben viel zu wenige Urlauber aus Österreich oder Deutschland, um mit ihnen unsere Häuser füllen zu können. Davon ist besonders die Stadthotellerie betroffen.

Wie sieht die derzeitige
Buchungslage aus ?
Nach einigen guten Wochen traut sich derzeit niemand zu buchen. Viele Regeln - wie etwa die frühe Sperrstunde zu Silvester - sorgten zusätzlich für Unsicherheit und sind auch einfach nicht mehr nachvollziehbar.

Was sind nun die größten Herausforderungen für Sie?Der Fachkräftemangel ist nur ein Problem quer durch alle Branchen. Obwohl in Österreich über 400.000 Arbeitslose registriert sind, findet sich kein Personal. Wir würden jeden einstellen, der sich meldet. Aber es kommt ja keiner. Hier muss man auch unser Sozialsystem hinterfragen.

Bei vielen von uns wollen die Kinder unter diesen Voraussetzungen nicht mehr weitermachen. Wir brauchen außerdem massive Unterstützung. Vom reduzierten Umsatzsteuersatz für Gastronomie und Hotellerie will ich in diesem Zusammenhang gar nicht reden. Die meisten Winterbetriebe hatten ohnehin nur 14 Tage etwas davon.

Droht der Hotellerie ansonsten ein großes Sterben?Natürlich werden viele von uns auf der Strecke bleiben. Es gibt keine andere Branche, wo permanente Investitionen so wichtig wären. Doch überall schreibt man rote Bilanzen, man greift auf persönliche Rücklagen zurück und, was ich so höre, werden auch Banken zunehmend nervös. Es ist ein enormer Druck vorhanden. Vieles an Unterstützung kommt zu spät und dauert zu lange. Es braucht weitere Finanzspritzen, um die Liquidität aufrechtzuerhalten.

Für manche Betriebe sind würdevolle Ausstiegshilfen dringend angesagt. Es wird eine große Marktbereinigung geben. Das trifft manche auch so stark, dass sie vor dem absoluten Nichts stehen. Für "kalte" Betten gibt es keine Wertschätzung und es besteht eine Gefahr darin, dass an Bauträger verkauft wird. Betriebe müssen umgewidmet werden, ansonsten entstehen nur neue Appartements.



PONGAU-NEWSLETTER

Jetzt kostenlos anmelden und wöchentlich topaktuelle Informationen aus Ihrer Region kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 28.05.2022 um 06:45 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/viele-bleiben-auf-der-strecke-115409509

Kommentare

Schlagzeilen