Chronik

Von massiver Drogenanklage blieb nicht viel - Syrer erhielt dennoch drei Jahre Haft

27-jähriger Angeklagter wurde am Landesgericht Salzburg u. a. verurteilt, weil er beim Verkauf von rund 200 Gramm Kokain von Spitzenqualität an einen verdeckten Ermittler geraten war. Vom schwersten Vorwurf, nämlich von einem bereits in Wien verurteilten Großdealer zwei Kilo Kokain und zehn Kilo Cannabis bezogen zu haben, wurde der 27-Jährige aber freigesprochen.

Symbolbild.  SN/APA/BARBARA GINDL
Symbolbild.

Dass er seit Ende 2016 wiederholt Cannabis und Kokain erwarb, um seine Sucht zu befriedigen, gab der 27-jährige, in Salzburg wohnhafte Syrer, der am Dienstag vor einem Schöffengericht saß, unumwunden zu.

Auch dass er im Jänner 2019 rund 200 Gramm Kokain von Topqualität (Reinheitsgehalt 80 %) an einen verdeckten Ermittler (VE) verkauft hatte, räumte er ein.

Den schwersten Vorwurf stellte der einschlägig Vorbestrafte aber vor dem Salzburger Schöffengericht (Vorsitz: Gabriele Glatz) massiv in Abrede: Nämlich von einem schwer kriminellen Großdealer, der zuletzt in Wien neun Jahre Haft erhalten hatte, zwei Kilo Kokain und zehn Kilo Cannabis bezogen und in Salzburg weiterverkauft zu haben. Dazu sein Verteidiger RA Leopold Hirsch: "Hier schießt die Staatsanwaltschaft übers Ziel hinaus. Mein Mandant wurde bereits in einem früheren Verfahren vom Vorwurf freigesprochen, von diesem Großdealer angeblich Kokain bezogen zu haben. Da ging es um denselben Tatzeitraum wie in der jetzigen Anklage. Allein schon rein formell hat die Staatsanwaltschaft mit dem Freispruch ihr Anklagerecht damit bereits verbraucht." Abgesehen davon, so betonte Verteidiger Leopold Hirsch im nunmehrigen Prozess, habe der "schwer kriminelle Drogenbaron, der früher auch schon in Deutschland zwölf Jahre Hefat erhalten hatte, meinen Mandanten nur deshalb belastet, weil mein Mandant als Zeuge in dessen Prozess in Wien nicht zu dessen Gunsten ausgesagt hatte".

Der Senat folgte dem Argument des Verteidigers und sprach den perfekt deutsch sprechenden Syrer im Hauptvorwurf frei. Wegen seiner beiden einschlägigen Vorstrafen und wegen des hohen Reinheitsgrades der 200 Gramm Kokain, mit denen er an einen Polizeispitzel geraten war, erhielt er dennoch bereits rechtskräftige drei Jahre unbedingte Haft.

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