Chronik

Vorwurf der Steuerhinterziehung: Pascha-Anwalt kritisiert Finanz

Der deutsche Gründer der Pascha-Bordellkette ist nach der Festnahme in Salzburg wieder frei - ebenso ein verdächtiger Flachgauer.

Es war eine länderübergreifende Großrazzia, die Dienstagabend in Deutschland und Österreich stattfand. In ihrem Rahmen schlugen Vertreter der Staatsanwaltschaft Augsburg und deutsche Steuerfahnder gemeinsam mit Salzburger Finanz- und Polizeibeamten auch im Etablissement Pascha in Salzburg-Parsch zu. Und dort wurde - auf Basis eines Europäischen Haftbefehls - niemand Geringerer als Hermann Müller verhaftet.

Der 63-Jährige ist Gründer der bekannten Bordellkette Pascha mit Standorten in München, Köln, Graz, Linz und Salzburg. Seit Jahren ist Müller immer wieder Gast in deutschen Talkshows, er ist Pokerspieler, zockt mit Ex-Tennis-Star Boris Becker und ist Veranstalter von Golfturnieren.

Mittwoch um 13 Uhr war Müller aber schon wieder auf freiem Fuß - und mit ihm ein Flachgauer (72). Die deutsche Staatsanwaltschaft wirft ihnen Abgabenverkürzung im Rotlichtmilieu in großem Stil vor. Ein dritter Mann, ein Deutscher (57), sitzt hingegen jetzt in Augsburg in U-Haft.

Es geht um mehrere Millionen Euro

Müller - er hat im Pascha in Parsch seit 2005 seinen Wohnsitz - und der Flachgauer werden vom Salzburger Rechtsanwalt Robert Morianz vertreten. "Die Haftrichterin am Landesgericht hat meine Mandanten gegen gelindere Mittel enthaftet. Beide müssen sich den Behörden zur Verfügung halten." Morianz betont, dass sich der Vorwurf der Abgabenverkürzung einzig auf das Pascha in München beziehe. "Herr Müller und mein zweiter Mandant weisen entschieden zurück, sie hätten das Finanzamt München jahrelang um Umsatzsteuer in Höhe von insgesamt zwei bzw. einer Million Euro geprellt", betont Morianz. Müller könne "in keinem Fall überhaupt ein Steuerschuldner sein": Alle Standorte würden "jeweils als eine GmbH geführt und in keiner der fünf Betreibergesellschaften scheint Müller in einer Funktion auf".

Der inzwischen 63-Jährige sei seit Jahren Privatier, er sei längst für keines der Bordelle mehr operativ tätig. Morianz: "Inwieweit Herr Müller so etwas wie der heimliche Chef der Bordelle sein soll, wird die Staatsanwaltschaft Augsburg zu beweisen haben."

"Hinter den Vorwürfen liegt eine Steuerproblematik"

Laut Anwalt behauptet die Münchner Finanz Folgendes: Müller, der Flachgauer als Geschäftsführer des Pascha-München, und auch der 57-jährige Deutsche als dessen Betriebsleiter hätten bewusst Umsatzsteuer aus jenen Einkünften nicht abgeführt, die die Prostituierten für ihre sexuellen Dienste von den Kunden lukrierten. Inkriminierte Tatzeit: 2006 bis 2015. Laut Finanz sei es dabei unerheblich, ob die Prostituierten als Angestellte der Bordellbetreiber oder als Subunternehmer tätig seien.

Genau das kann Morianz nicht nachvollziehen: "Hinter den Vorwürfen liegt eine Steuerproblematik, die in Deutschland und Österreich gleich gelagert sein dürfte." Jahrelang, so der Anwalt, habe in Österreich die Finanz akzeptiert, dass Bordellbetreiber pro Prostituierter eine Monatspauschale von 300 Euro an Umsatz- und Einkommenssteuer gezahlt hätten. Nun sei diese Regelung rückwirkend außer Kraft gesetzt worden.

Laut Morianz stellen die Betreiber den Damen "nur die Zimmer und andere Räume gegen Miete zur Verfügung". Die Betreiber könnten daher auch nur Steuerschuldner bezüglich der Mieteinnahmen sein. Morianz: "Was die Einnahmen angeht, die die Damen direkt von den Freiern kassieren, so können hier wohl nur die Damen Steuerschuldner sein. Abgesehen davon: Die Höhe dieser Einnahmen ist den Betreibern gar nicht bekannt."

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