Chronik

Vorwurf versuchte Körperverletzung: Salzburger Gemeinderat Günes im Zweifel freigesprochen

Drei Ohrfeigen und ein Faustschlag oder doch nur ein Schubser? Der Salzburger Gemeinderat Osman Günes (parteilos) musste sich am Mittwoch vor dem Landesgericht verantworten.

Symbolbild.  SN/bilderbox
Symbolbild.

Der türkischstämmige Politiker soll im September 2018 seine Ehefrau attackiert, geschlagen und mit dem Umbringen bedroht haben. "Das stimmt alles nicht", sagte Günes vor Gericht.

Er habe mit seiner Frau an jenem Abend einen Streit gehabt. Dabei seien "gewiss keine Liebesworte" gefallen - bedroht habe er seine Gattin aber nicht. Der Grund für die Auseinandersetzung: Günes hatte mit den beiden Kindern auf der Rückbank in der Alpenstraße einen Autounfall. Das Rote Kreuz brachte den Gemeinderat samt Nachwuchs ins Krankenhaus. Günes verständigte seine Ehefrau nicht. "Ich wollte keine Aufregung verursachen. Heute weiß ich, dass das ein Fehler war", sagte der Angeklagte. Im Zug des Streit habe sich das Ehepaar gegenseitig geschubst. Seine Frau habe er keinesfalls geschlagen. Laut Anklage fielen die Worte "Verpiss dich, sonst bring ich dich um." Auch dies bestritt Günes vehement.

Seine Ehefrau belastete Günes schwer. Er habe ihr drei Ohrfeigen verpasst und mit einem Faustschlag am Ohr verletzt. Günes habe sie hasserfüllt angesehen. "Das waren keine normalen Blicke, ich hatte große Angst", sagte sie im Zeugenstand. Sie habe daraufhin die Polizei gerufen und bei einer Nachbarin auf die Beamten gewartet. Jene Nachbarin war am Mittwoch als Zeugin vor Gericht geladen - und sorgte für kuriose Szenen: Die Frau wollte nicht in Anwesenheit des Angeklagten aussagen. Sie bat Richter Christian Hochhauser, Günes des Gerichtssaales zu verweisen. "Er hat mich und meine Familie schon öfters bedroht", sagte die Frau. Der Richter lehnte dies ab. Zum Tathergang konnte die Zeugin keine konkreten Angaben machen.

Das Gericht sprach Günes im Zweifel vom Vorwurf der versuchten Körperverletzung und der versuchten Nötigung frei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. "Mein Mandant ist sehr erleichtert. Er ist kein schlechter Kerl", sagte Günes' Verteidiger Herbert Hübel gegenüber den SN.


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