Chronik

Vorzeigelehrling: Erzdiözese gewährt Kirchenasyl in St. Peter

Im Ringen um einen Aufenthaltsstatus für den pakistanischen Lehrling Ali Wajid gibt es nun eine Notlösung. Eine rechtliche Basis hat diese aber nicht.

Nein, Ali Wajid sei nicht untergetaucht. Das sei wichtig zu betonen, sagt Bernhard Jenny über den 23-jährigen Lehrling. Dieser befinde sich seit Mittwochmorgen im Kloster St. Peter, wo ihm die Geistlichen Kirchenasyl gewährten. Bernhard Jenny ist Vorstandsvorsitzender des Vereins Argekultur in Salzburg-Nonntal, in dessen hauseigenem Restaurant der pakistanische Flüchtling seit dem vergangenen Oktober eine Kellnerlehre absolviert. Dort hat sich der 23-Jährige erstaunlich schnell eingelebt und rasch Deutsch gelernt.

Das Entsetzen im Umfeld des jungen Mannes war demnach groß, als er Anfang des Jahres einen negativen Asylbescheid in zweiter Instanz bekam. Durch intensive Bemühungen konnte eine Schubhaft für Ali Wajid zwischenzeitlich abgewendet werden. Am Wochenende sollte er sich aber in einem Asylquartier in Wien Schwechat einfinden. "Von dort aus werden die meisten Flüchtlinge abgeschoben", sagt Jenny.

Um das zu verhindern, griffen die Unterstützer des Pakistani zu einer Notlösung. Bernhard Jenny trat in Kontakt mit Alois Dürlinger, dem Flüchtlingsbeauftragten der Salzburger Erzdiözese. In Absprache mit dem Erzbischof entschieden sich Dürlinger und Jenny für die Variante des Kirchenasyls.

Alois Dürlinger ist sich bewusst, dass es für diesen Schritt keine rechtliche Basis gibt. "Unsere Maßnahme lebt von der Duldung der Exekutive." Wie die Behörden darauf reagieren, werden die kommenden Tage weisen. Der Polizei, bei der sich Ali Wajid seit einigen Wochen alle 48 Stunden melden muss, wurde sein neuer Aufenthaltsort bekannt gegeben. Der Schritt sei auch keine Protestmaßnahme, sagt Dürlinger. "Ich habe mit dem Erzbischof darüber gesprochen. Er sagt, wenn die Kirche jemandem Asyl gewährt, dann antwortet sie damit auf eine vorhandene Not."

Mit dem Schritt wolle man Ali Wajid Zeit verschaffen, einige Dinge zu klären. Da wäre zum einen sein Asylverfahren. Er hat zwar einen negativen Asylbescheid, sein Anwalt hat aber den Antrag auf Revision und auf aufschiebende Wirkung gestellt. Darüber wurde derzeit noch nicht entschieden. Die Behörde könnte Ali Wajid zudem auch jederzeit humanitäres Bleiberecht gewähren.

Zum anderen hoffen die Unterstützer des Pakistani, dass es auch noch eine größere politische Lösung für Menschen wie Ali Wajid gibt. In Deutschland gibt es etwa die Möglichkeit für junge Flüchtlinge, dass sie eine begonnene Lehre abschließen können. Diesbezüglich habe man auch schon von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) positive Signale bekommen. Dürlinger und Jenny hoffen, dass die Bundesregierung dem Druck aus den Ländern und von der Wirtschaft nachgibt, und auch in Österreich eine Möglichkeit für Asylbewerber schafft, ihre Lehre abzuschließen.

Für Ali Wajid ändert sich derzeit allerdings nicht viel. Ihm droht nach wie vor die Abschiebung. Dessen ist sich auch Alois Dürlinger bewusst. "Die Behörden haben jederzeit die Möglichkeit, Ali zu holen. Dem würden wir uns auch nicht widersetzen." Er missachte deshalb auch nicht die Gesetze, sagt Dürlinger. "Aber es steht jedem Bürger zu, eine gesetzliche Regelung zu hinterfragen. Am Ende meiner Tage stellt sich mir nicht die Frage: Habe ich stets nach den Gesetzen gehandelt. Ich werde mich fragen: Habe ich stets mein Gewissen befragt."

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