Chronik

Wallack plante Straße über das Steinerne Meer

Der Erbauer der Glocknerstraße entwarf auch Pläne für eine Straße von Saalfelden zum Königssee. Sie waren jahrzehntelang vergessen.

Im März 1939 schrieb Franz Wallack, der Erbauer der Glocknerstraße, an den nationalsozialistischen Bürgermeister von Saalfelden Hans Großlercher: "Es freut mich nun, Ihnen mitteilen zu können, dass ich die Studien für das Straßenprojekt über das Steinerne Meer vollendet habe." Das Schreiben war einem Konvolut beigelegt, das Übersichts- und Detailpläne, Höhenprofile und einen ausführlichen technischen Bericht enthält. Es handelt sich um eine Machbarkeitsstudie.

Spätestens der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 machte das Vorhaben hinfällig. Fast 80 Jahre lang lagen die Papiere im Gemeindeamt und gerieten in Vergessenheit. Bis jetzt. Das Saalfeldener Heimatmuseum präsentiert im Rahmen der Sonderausstellung "200 x 200" einen Teil von Wallacks Plänen erstmals der Öffentlichkeit.

Kuratorin Andrea Dillinger sagt, das sei Heinz Zandl zu verdanken. Der pensionierte Zivilingenieur und HTL-Lehrer aus Saalfelden beschäftigt sich schon länger mit Wallack. Von den Plänen für eine Straße über das Steinerne Meer erfuhr Zandl von einem Freund, der in den 50er-Jahren bei Wallack gearbeitet hat. "Er sagte, es müsste auf der Gemeinde noch etwas geben. Alte Saalfeldener haben außerdem erzählt, dass Hitler eine Straße über das Steinerne Meer bauen wollte. Aber man wusste nichts Genaues." Zandl rief bei der Gemeinde an, und tatsächlich fand man dort nach einiger Zeit die Pläne. Sie wurden ins Heimatmuseum gebracht.

Die Hintergründe für das Straßenprojekt sind nur ansatzweise geklärt. Im technischen Bericht schreibt Wallack, dass es am 13. September 1938 im Büro der Bauleitung der Glocknerstraße in Salzburg eine Aussprache zwischen ihm und Bürgermeister Großlercher gegeben habe. Gegenstand des Gesprächs sei eine Untersuchung gewesen, ob es technisch und wirtschaftlich möglich sei, eine Straße über das Steinerne Meer zu bauen. Hauptziel der Straße sei die Verbindung der Deutschen Alpenstraße vom Bodensee zum Königssee mit der Glocknerstraße. Aber der Erreichung des auf über 2000 Meter Höhe gelegenen Plateaus würden sich außerordentliche Schwierigkeiten in den Weg stellen. "Steile, dem Steinschlag ausgesetzte Felswände von oft mehreren hundert Metern Höhe umgürten das Plateau wie eine gewaltige Festungsmauer."

Im Oktober 1938 machte Wallack mehrere Begehungen im Steinernen Meer. Als beste Trasse erkannte er jene von Saalfelden über Ramseiden, die Ostseite des Bürgerbergs, die Steinalm, den Kienalkopf und die Weißbachlscharte zum Ingolstädter Haus auf dem Hochplateau. Über das Hundstodgatterl ging es hinunter ins bayerische Wimbachtal und hinaus nach Ramsau. Die Strecke ist 48,56 Kilometer lang, hat 31 Kehren und nur einen 140 Meter langen Tunnel. Die Steigung ist nie größer als zehn Prozent. Die Kosten inklusive Straßen- und Tunnelwärterhäusern, Telefonkabel und Grundeinlösung schätzte Wallack auf 27,03 Millionen Reichsmark.

Wegen der Kosten kann sich Andrea Dillinger nicht vorstellen, dass allein die damals arme 7000-Seelen-Gemeinde Saalfelden den Auftrag für die Untersuchung vergeben hat. Für Zandl gibt es noch eine weitere Ungereimtheit - den zeitlichen Ablauf. "Im September '38 traf sich Wallack mit Großlercher. Wegen des Wintereinbruchs hatte er nur mehr den Oktober für die Begehungen. Er zeichnete aber 17 Varianten mit insgesamt 200 Kilometern Trassen. Die haben alle Hand und Fuß. Er muss alle Trassen begangen haben. Und schon im März '39 hat er die Pläne abgeliefert. Das ist nicht machbar." Möglicherweise habe Wallack schon früher an dem Projekt gearbeitet. Oder er konnte auf Vorarbeiten zurückgreifen.

Hatten nach dem im März 1938 vollzogenen "Anschluss" die Deutschen die Hände im Spiel? Sollte das Steinerne Meer zur "Alpenfestung" werden? Sollte die Straße neben einem Ausflugsziel auch ein Fluchtweg sein? Das ist nicht bekannt. Erwiesen ist allerdings, dass die Nationalsozialisten schon vor Wallack eine Straße über das Steinerne Meer planten. Diese sollte im Gegensatz zu Wallacks Hauptlinie aber östlich des Königssees verlaufen und über die Buchauerscharte nach Maria Alm führen. Am Funtenseetauern sollte außerdem ein Skigebiet entstehen. Rund sechs Kilometer der Straße wurden bis 1938 auch gebaut: Vom Obersalzberg bei Berchtesgaden bis zum heutigen Parkplatz Hinterbrand am Jenner. Die Straße gibt es als Scharitzkehlstraße heute noch. Im Juli 1938 schrieb Reichsleiter Martin Bormann an den Straßenbauer Fritz Todt, dass die Arbeiten "ungehemmt" fortgesetzt werden sollen. Der Führer sei einverstanden. Dazu kam es aber nicht mehr. Wohl zur Zufriedenheit von Generalfeldmarschall Hermann Göring, der keine Freude mit der Straße gehabt haben soll. Seine Jagd war bei der Wasseralm auf der geplanten Trasse.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 08:22 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wallack-plante-strasse-ueber-das-steinerne-meer-994042

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