Chronik

"Warnung" der Gemeinde Saalbach vor Obdachlosem: E-Mail sorgt für Aufregung

Eine E-Mail der Gemeinde an die örtlichen Bürger und Betriebe, wonach sie einen unterstandslosen Mann nicht unterstützen sollen, schlägt hohe Wellen. Der Bürgermeister meldete sich inzwischen auch zu Wort und spricht von "einem Fehler" - für den Inhalt der Mail sei aber die Polizei verantwortlich.

Saalbach ist als Wintersportort weltbekannt.  SN/heinz bayer
Saalbach ist als Wintersportort weltbekannt.

In der Mail aus dem Gemeindesekretariat vom Donnerstag ist zu lesen, dass sich in Saalbach-Hinterglemm derzeit ein unterstandsloser Mann aufhalte: Die Bevölkerung werde gebeten "dieser Person keine Lebensmittel oder Geld zu übergeben. Leider gibt es aus polizeilicher Sicht keine Handhabe gegen ihn." Außerdem, so heißt es im Mail der Gemeinde an die Mitbürger, sollen Fenster und Türen geschlossen werden, um einen unerwünschten Besuch durch den obdachlosen Mann zu verhindern.

Öffentlich gemacht hatte die Mail via Twitter der Journalist Florian Klenk, Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung "Falter". Das Sekretariat der Gemeinde hatte sich bei seiner Aussendung, die in der Folge für großen Shitstorm gegen Saalbach im Netz sorgte, auf Informationen bezogen, die sie zuvor von der örtlichen Polizei erhalten hatte. Mit der Bitte um Veröffentlichung.

Bemerkenswert: Während Klenk dazu twitterte, "Das stinkreiche Saalbach-Hinterglemm und der Obdachlose: Zu St. Martin spielen die Kinder dann sicher wieder Mantel-Teilen und vor der Pfarre teilen alle miteinander das Brot", stellte die Salzburger Polizeipressestelle den Fall von vermeintlich verweigerter Hilfe für einen Obdachlosen so dar:

Dem Polizeibericht vom Freitag zufolge handele es sich bei dem Unterstandslosen um einen 36-jährigen Ungarn, der "im Gemeindegebiet Saalbach-Hinterglemm in letzter Zeit einige Male polizeilich angefallen" sei. Konkret soll der Ungar "bis gestern eine Vielzahl von Diebstählen in Lebensmittelgeschäften" verübt haben. Dabei handele es sich laut Polizei bei besagten Tathandlungen "um ein Ermächtigungsdelikt - wobei in den bisherigen Fällen aber seitens der Geschädigten keine Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt wurde".

Darüber hinaus stellte die Polizei fest, dass die örtlichen Beamten "dem Unterstandslosen bei sämtlichen polizeilichen Amtshandlungen Hilfe angeboten haben, wie unter anderem eine Vermittlung an die Caritas". Der Ungar habe aber laut Polizeiaussendung jegliche Hilfe und Unterstützung abgelehnt. Dem nicht genug, habe sich der Mann "auch widerrechtlich Zugang in offene Häuser und Wohnungen" verschafft. Eben auf Grund der Beschwerden aus der Bevölkerung sei die entsprechende Information von der örtlichen Polizei an die Gemeinde weitergegeben worden, so Pressesprecherin Nina Laubichler.

Der Bürgermeister von Saalbach-Hinterglemm, Alois Hasenauer (ÖVP), ist derzeit im Auslandsurlaub. Er habe von der Aussendung der Mail nichts gewusst. Hasenauer teilt nun mit, dass er und auch die Gemeinde Saalbach-Hinterglemm sich "ganz klar und deutlich vom Inhalt dieser Aussage distanzieren". Für den Inhalt und die getätigten Aussagen des Schreibens trage aber "die Polizei die Verantwortung".

Hasenauer räumte zudem ein, dass "ein Fehler begangen wurde". Ein derartiger Inhalt hätte nicht über den Verteiler einer Gemeinde kommuniziert werden dürfen. Er bedauere zutiefst, dass das Ganze "dermaßen unglücklich verlaufen" sei, dass der "Eindruck entstand, dass hilfsbedürftige Menschen bei uns keinen Platz haben". Vielmehr hält Hasenauer abschließend fest: "Jeder Hilfe suchenden und hilfsbedürftigen Person wird nach allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten geholfen."

Das Klenk-Posting war bis Freitagvormittag mehr als 100 Mal kommentiert und über 400 Mal geteilt worden. Es entbrannte ein regelrechter Shitstorm gegen den bekannten und wohlhabenden Wintersportort. Von "Fremdschämen", "nie mehr Saalbach" und "moralischem Verfall" war zu lesen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.09.2019 um 08:33 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/warnung-der-gemeinde-saalbach-vor-obdachlosem-e-mail-sorgt-fuer-aufregung-73954210

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