Chronik

Weicher Seeton: Die Stadt Salzburg sinkt Jahr für Jahr ab

Das Haus der Natur muss saniert werden, weil es an der Abbruchkante zwischen Fels und Seeton steht. Auch anderswo stehen Gebäude in der Altstadt schief.

Der Seeton ist berühmt und ungeliebt in Salzburg, vor allem bei Bauherren. Denn er macht das Bauen schwierig. Davon zeugen etliche frühere Baustellen, etwa jene des Kongresshauses oder der Bahnhofsgarage.

Aber nicht nur das Bauen, auch das Erhalten von Gebäuden hat auf so einem Untergrund seine Tücken. Vor allem im linken Teil der Salzburger Altstadt. Das harte Felsgestein des Mönchsberges reicht unter den Gassen, Häusern und Plätzen bis fast zum Salzachufer.

Dann beginnt der weiche Seeton, überdeckt von einer fünf bis acht Meter dicken Kiesschicht. Um ein bis zwei Millimeter pro Jahr sinkt der Seetonteil ab. Über die Jahre gesehen macht das viel aus. Seit mehr als 50 Jahren werden die Veränderungen vom Landesvermessungsamt überwacht.

"Am stärksten macht sich die Lage an der Abbruchkante beim Haus der Natur bemerkbar. Hier wird immer wieder mit Baumaßnahmen sichergestellt, dass das Museumsgebäude im ehemaligen Ursulinenkloster nicht auseinanderbricht", sagt Landesgeologe Rainer Braunstingl.

Die zum Komplex gehörende Ursulinenkirche (heute Markuskirche) musste 1973 wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt und aufwändig gesichert werden. Entweder wegen Unterspülungen durch die Salzach oder möglicherweise wegen des Erbebens im Mai 1976 in Friaul verstärkten sich die Senkungen für kurze Zeit.

Inzwischen sinkt die Seetonseite wieder gering und gleichmäßig. "Mit Gebäudeankern und Messpunkten können wir sehr genau verfolgen, wie sich die Gebäudeteile bewegen. Im Moment sind keine Baumaßnahmen nötig", sagt Braunstingl.

Salzach ist um vier Meter eingetieft

Der weiche Seeton-Untergrund wird auch bei der sich stetig eingrabenden Salzach sichtbar. In den vergangenen 150 Jahren hat sich das Flussbett der Salzach um bis zu vier Meter im Stadtgebiet eingetieft.

Am dramatischsten war es beim Jahrhundert-Hochwasser 1959. Beim Messpunkt an der Staatsbrücke wurden zweieinhalb Meter Höhenunterschied gemessen, der Fluss sackte richtiggehend ab. Beim gleichen Hochwasser wurde ein Pfeiler der Westautobahn-Brücke unterspült, das Tragwerk ist am 18. August 1959 eingebrochen.

Ehemaliges Mauthäuschen steht jetzt schief

Unübersehbares Opfer der geologischen Kante ist das frühere Mauthäuschen beim Mozartsteg. Für den 1903 errichteten Salzachübergang wurde in den ersten beiden Jahrzehnten Maut eingehoben, heute werden Kaffee und Muffins aus dem schiefen Gebäude gereicht, dessen südliches Fundament an der Bodenbefestigung der 1903 gebauten Brücke "hängt".

Das nördliche ist im Laufe der vergangenen 110 Jahre abgesunken, wie man an der Schiefstellung erkennen kann. Unter der Salzach ist der Seeton mindestens 70 Meter dick. 1984 wurde bei einer Bohrung im Bereich der heutigen Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg am Rudolfskai bis 71 Meter Tiefe kein Fels erreicht.
Die Langzeitsetzungen können von der Stadtverwaltung an zahlreichen Vermessungspunkten im Stadtgebiet heute noch nachgewiesen werden. Nur die Punkte im Felsen der Stadtberge bleiben fix auf ihrem Posten.

Quelle: SN

Aufgerufen am 11.12.2018 um 12:31 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/weicher-seeton-die-stadt-salzburg-sinkt-jahr-fuer-jahr-ab-22453843

30 Jahre Fabrik BBK 600 gefeiert

30 Jahre Fabrik BBK 600 gefeiert

Seit 1988 sind in der ehemaligen Landmaschinenfabrik Kreative am Werk Die Fabrik BBK 600 Schallmoos, seinerzeitige Bankhammer-Maschinenfabrik VBS wurde 1910 gegründet und produzierte bis 1986 in erster Linie …

Kommentare

Schlagzeilen