Chronik

Wenn die Augen ihre Kraft verlieren

Die Zellen auf der Netzhaut von Olha Resch sterben langsam ab. Die Pflegerin kämpft nun darum, ihre Arbeit weiter ausführen zu können.

Olha Resch: „Was ich nicht möchte, ist Mitleid.“ SN/robert ratzer
Olha Resch: „Was ich nicht möchte, ist Mitleid.“

Es war ein einschneidendes Ereignis für Olha Resch. Im vergangenen Jahr war sie zum Skifahren am Hochkönig, als sie plötzlich nicht mehr weiterkam. "Ich habe die Schilder nicht richtig erkannt und bin von der blauen auf die schwarze Piste geraten. Ich musste stehen bleiben, andere Skifahrer haben mir dann ins Tal geholfen."

Eigentlich hatte die 42-jährige Diplompflegerin schon seit Langem gemerkt, dass etwas mit ihren Augen nicht in Ordnung war. "Als ich dann auch beim Autofahren Probleme bekam, bin ich zum Arzt gegangen." Im Herbst bekam sie die niederschmetternde Diagnose: Sie hat Makulopathie. Das bedeutet, dass die Zellen auf ihrer Netzhaut allmählich absterben. Im schlimmsten Fall führt die Erkrankung zur Erblindung.

Wie es mit Olha Reschs Sehkraft weitergeht, lässt sich derzeit nicht sagen. Eigentlich tritt ihre Form der Makulopathie erst im hohen Alter auf. Die Erkrankung von jüngeren Menschen ist extrem selten, deshalb gibt es wenig Erfahrungswerte. "Man kann mir nur mit Sicherheit sagen, dass es nicht mehr besser wird."

Anfangs war ihr nicht klar, was das alles für sie bedeutet. "Als mich der Augenarzt zum ersten Mal untersuchte, habe ich nicht verstanden, warum er mich so mitleidig ansieht. Im Spital wurde mir die Diagnose erklärt. Das war ein großer Schock für mich."

Auch ihre Familie sei sehr beunruhigt, was den Gesundheitszustand von Olha Resch betrifft. "Meine 14-jährige Tochter und mein 13-jähriger Sohn sind so tapfer. Aber mein Mann macht sich große Sorgen."

Sie selbst versucht derzeit, ihr Leben so weiterzuführen wie vor der Diagnose. Auto fahren kann sie nicht mehr. Derzeit kämpft sie darum, ihre Arbeit weiter ausüben zu können. Olha Resch arbeitet seit 20 Jahren als Diplompflegerin, derzeit ist sie im Seniorenheim des Roten Kreuzes in Thalgau tätig. Dabei hatte sie zuletzt immer öfter Probleme. "Ich konnte die Anzeige beim Blutdruckmessgerät nicht mehr lesen. Auch die Beipackzettel von Medikamenten kann ich nicht mehr entziffern."

Vom Salzburger Blinden- und Sehbehindertenverband hat sie eine spezielle Lupe erhalten, die ihr bei der Arbeit hilft. Auch den Computer im Thalgauer Seniorenwohnheim kann sie wieder bedienen. "Meine Chefin unterstützt mich sehr. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass auf unserem Server ein Programm installiert wird, mit dem man die Schrift auf dem Bildschirm stark vergrößern kann."

Sabrina Stattmann, Sozialarbeiterin beim Blinden- und Sehbehindertenverband, weiß, dass die Zeit nach der Diagnose besonders heikel ist. "Das ist ein großer Einschnitt. Da ist die psychische Belastung, und man braucht plötzlich viele Hilfsmittel." Im Falle von Olha Resch sei das insofern problematisch, da sie noch keinen Behindertenausweis habe und so noch keinen Anspruch auf diverse Heilbehelfe.

"Für die definitive Diagnose sind weitere Untersuchungen nötig. Frau Resch kann aber nicht ein halbes Jahr auf den Ausweis warten, weil es ja darum geht, dass sie ihre Arbeit behalten kann. Mit dem Computerprogramm ist das vorerst gegeben, aber sie wird weitere Hilfsmittel benötigen." Zudem stehen bei Olha Resch Schulungen an, da nicht klar ist, wie lange sie noch mit Patienten arbeiten kann. Auch dafür fallen Kosten an.

Olha Resch möchte ihr Leben so gut wie möglich weiterführen wie bisher. "Was ich nicht will, ist Mitleid. Wenn mich die Leute so ansehen, geht es mir selbst auch gleich wieder schlecht." Sie freut sich auf das Weihnachtsfest mit ihrer Familie. Da sie in der Ukraine geboren wurde und orthodoxe Christin ist, ist ihr Weihnachtsfest eigentlich am 6. Jänner. "Aber mein Mann ist Österreicher. Wir feiern gemeinsam am 24. 12."

SN-Info: Olha Resch wünscht sich Spenden für den Blindenverband. Konto: AT07 2040 4000 4023 3785
Wer sie direkt unterstützen will, kann das über das Rote Kreuz tun:
AT11 2040 4005 0025 1363
Verwendungszweck: Olha Resch

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