Wer Radfahrer zu knapp überholt, wird gestoppt

Die Polizei misst derzeit, mit welchem Abstand Autolenker Radfahrer überholen. Auch Radler können viel tun, um sicherer unterwegs zu sein.

SN/neumayr/leo
Polizisten in zivil fahren derzeit viel Rad: Sie wollen wissen, wie viel Abstand Autofahrer seitlich beim Überholen lassen.
SN/neumayr/leo
Die Polizei hält Autofahrer an, die weniger als 1,50 Meter Abstand lassen.
SN/neumayr/leo
Ein spezielles Gerät misst die Entfernung zum Auto.
SN/neumayr/leo
Ursula Hemetsberger gibt Tipps für richtige Fahrrad-Kleidung.

Eine Stimme knattert im Funkgerät. "1,40 Meter, blauer VW." Ein Polizist stellt sich auf die Straße und hält den entsprechenden Pkw an. Denn die Stimme im Funkgerät gehörte dem Kollegen, der in sportlicher Kleidung stadtauswärts radelt. Was keiner ahnt: Auf seinem Mountainbike ist ein Gerät montiert, das den Abstand der überholenden Pkw misst. Ist weniger als 1,50 Meter zwischen Auto und Fahrrad, gibt der Zivilpolizist Alarm über das Funkgerät.

Die Frau, die den blauen VW lenkt, ist zuerst erstaunt. Ihrem Empfinden nach sei sie nicht zu knapp an dem Sportler vorbei gefahren. "Ich wäge freilich ab, ob ich überholen soll oder nicht. Es kommt immer auf den Gegenverkehr an." Wenn der Radfahrer unsicher unterwegs ist, etwa die Spur nicht hält oder schwankt, überhole sie lieber nicht. "Ich bin eine sichere Autofahrerin", sagt die Dame. Nach einer kurzen Aufklärung konnte die Frau wieder weiterfahren. Doch zuerst fragt sie noch: "Wird ein zu geringer Abstand künftig bestraft?"

Strafen gibt es keine, sagt Friedrich Schmidhuber, Leiter der Verkehrsabteilung. Ziel der Aktion der Polizei und des Landes Salzburgs sei es, die Autofahrer auf gefährliches Verhalten aufmerksam zu machen. Der ideale Abstand sei einen Meter plus einen Zentimeter pro Geschwindigkeit. Bei 50 km/h sind das die 1,50 Meter, auf die das Gerät am Mountainbike geeicht ist.

Ursula Hemetsberger ist Radverkehrs-Beauftragte des Landes und viel auf zwei Rädern unterwegs. "Autolenker behandeln Radfahrer oft wie einen Laternenmasten, an dem man vorbei fährt." Die Sportler seien jedoch in Bewegung und der Boden ändere sich. "Im Herbst liegen oft Kastanien auf dem Boden. Das kann zum Sturz führen."

In Salzburg zählte die Polizei im Vorjahr 830 Radunfälle. 60 Unfälle passierten, weil ein Auto einen Radler gestreift hat. Selbst wenn es nicht zum Kontakt komme, sei zu enges Vorbeifahren riskant: "Kürzlich hatten wir einen Unfall ohne Berührung. Die Dame hat sich erschreckt, weil ein Auto zu knapp überholt hat und ist gestürzt", sagt Polizist Schmidhuber.

Zur Ehrenrettung der Autofahrer müsse der Polizist aber sagen, dass sie nicht allein an den Unfällen schuld seien. Auch die Radfahrer könnten viel für ihre Sicherheit tun. Auf die Geschwindigkeit achten, zum Beispiel. Hemetsberger ergänzt, dass vor allem im Herbst und Winter Sichtbarkeit ein großes Thema ist. "Radfahrer haben eine schmale Silhouette und werden leicht übersehen." Neben den vorgeschriebenen Reflektoren und Licht empfiehlt sie, etwa die Schuhe mit einem Reflektorband zu bekleben. Es gebe auch Klackbänder, die reflektieren und man um den Hosenbund wickeln kann. Außerhalb der Stadt sei zudem eine Warnweste sinnvoll, sagt sie und zieht eine orange Weste aus ihrer Tasche. "Abstand halten!", steht darauf.

Visuelle Reize seien gut, sagt Renate Eschenlohr vom Arbö. Reflektoren machen die Autofahrer aufmerksam. "Als Radfahrer hat man kaum einen Schutz." Es bringe deshalb wenig, auf eigenes Recht zu pochen und dabei einen Unfall zu riskieren. Hemetsberger ergänzt, es sei wichtig, aufeinander zu achten. "Im Straßenverkehr sollen die Salzburger umsichtig sein und darauf prüfen, wie die anderen Verkehrsteilnehmer reagieren."

Mehr zum Thema

Outbrain