Chronik

Wieder toter Geier im Nationalpark Hohe Tauern

Dämpfer für das Projekt zur Wiederansiedelung der Bartgeier: Ein 1991 ausgewildertes Weibchen ist an einer Bleivergiftung verendet. Das Blei hatte es als Rückstand aus Jagdmonition im Aas aufgenommen.

Wieder toter Geier im Nationalpark Hohe Tauern SN/anton kaindl NPHT
Bartgeier-Weibchen Nicola war im Nationalpark ausgewildert worden.  

Ende Jänner wurde "Nicola" im Raum Kals in Osttirol tot gefunden. Anfang dieser Woche traf nun das Ergebnis der veterinärmedizinischen Untersuchung ein. "Die erhobenen Befunde sprechen für eine Bleivergiftung. Die Aufnahme von Blei führt beim Greifvogel zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung und einer Schädigung des Nervensystems", heißt es im Gutachten. In der Leber wurden knapp 26 mg/kg und in der Niere 32 mg/kg Blei nachgewiesen, wie die Salzburger Landeskorrespondenz am Mittwoch bekanntgab.Fünfter Vogel mit Bleivergiftung"Durch konventionelle Bleigeschoße verbleibt je nach Treffer am Wildkörper eine mehr oder weniger starke Kontaminierung mit Blei", ist für Nationalparkdirektor Wolfgang Urban klar, wie das Schwermetall in die Nahrungskette gelangte. Und selbst der Landesjägermeister Josef Eder räumt ein: "Im Unterschied zum Menschen wird im Magen der Greifvögel das Blei durch die Magensäure zersetzt und aufgenommen." Laut Urban wurden schon 2006 bei einem Bartgeier und 2011 bei drei Gänsegeiern Bleivergiftungen diagnostiziert. Die Dunkelziffer sei extrem hoch. Und auch die Direktorin des Zoos Salzburg, Sabine Grebner, berichtet, dass immer wieder geschwächte große Greifvögel mit erhöhten Blutbleiwerten im Zoo abgegeben werden.Umstellung auf bleifreie Munition Nationalparkreferentin Landesrätin Tina Widmann hat für die nationalparkeigenen Forschungsreviere die Umstellung auf bleifreie Munition angeordnet. Seit Jahresanfang 2012 wird bleifrei geschossen. Und auch in Teilen der Berufsjägerschaft wird bereits versuchsweise bleifrei geschossen. "Bei ein, zwei Fabrikaten passt es", so Eder. Allerdings seien dies große Kaliber. Bei den durchschnittlichen Kalibern, die hauptsächlich zum Einsatz kommen, "funktioniert es noch nicht". Was dabei "nicht funktioniert" - von der Zielgenauigkeit bis Tötungswirkung -, konnte der Landesjägermeister allerdings nicht sagen. "Die Industrie ist noch nicht so weit." Und bis wann wird das möglich sein? "Das müssen Sie die Industrie fragen."

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 20.10.2019 um 02:46 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wieder-toter-geier-im-nationalpark-hohe-tauern-6283849

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