Chronik

Wussten Sie, dass . . . Hallein früher Mühlbach hieß?

Die Tennengauer Ortsnamen haben zum Teil einen kuriosen Ursprung. Eine Gemeinde hat ihren Namen gar vom "struppigen Unterholz".

Hallein hieß früher ganz anders. Die Saline war ausschlaggebend, dass die zweitgrößte Stadt heute Hallein heißt.  SN/robert ratzer
Hallein hieß früher ganz anders. Die Saline war ausschlaggebend, dass die zweitgrößte Stadt heute Hallein heißt.

Warum heißt der Tennengau eigentlich Tennengau? Vielleicht haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt. Das Land Salzburg gibt unter der Rubrik "Grenzfälle" immer wieder Kurioses zum Besten. Diesmal dreht sich alles um die Ortsnamen. Aber zurück zum Tennengau. Tannen gibt es zwischen Salzburg und dem Pass Lueg so manche, nicht mehr aber Tennen, also Dreschplätze. Von letzteren hat der politische Bezirk Hallein den Namen Tennengau erhalten. Die Bezeichnung taucht erst 1874 auf, damals noch mit "ä" geschrieben - 1907 vom damaligen Landeshauptmann-Stellvertreter August Prinzinger als "sachlich wie sprachlich unmögliche Form" abgelehnt. Daher heißt der Tennengau auch nicht Tännengau. Dessen ungeachtet wurde Alt-Landeshauptmann Albert Schumacher zwei Jahre später als "Ritter von Tännengau" in den erblichen Ritterstand erhoben.

Wie spricht man Tennengauer Orte aus?

Sprachforscher Ingo Reiffenstein ist im zweiten Band des Historisch-Etymologischen Lexikons der Salzburger Ortsnamen der Herkunft der Ortsbezeichnungen im Tennengau akribisch auf den Grund gegangen. So erfährt man, dass die Betonung auf der letzten Silbe ein Zeichen für einen romanischen Ortsnamen ist, wie etwa der Gollinger Ortsteil Torren oder Vigaun, bei denen ortsunkundige und Navi-Stimmen Gefahr laufen, mit ihrer Aussprache bei Einheimischen für Gelächter zu sorgen.

Bluntautal - das verfinsterte Tal

Eben hinter dem Torrener Berg - richtig ausgesprochen auf der zweiten Silbe - beginnt das bei Naturfreaks und Wanderern beliebte Bluntautal, dessen Name Reiffenstein aus dem Mittelhochdeutschen für "verfinstern" herleitet. Was angesichts der eingepferchten Lage zwischen Hagengebirge und Hohem Göll nachvollziehbar erscheint. Der 2522 Meter hohe Göll verdankt diesen Namen seiner unbewachsenen Gipfelregion, die slawische Bewohner mit ihrem Wort "galu" für "kahl" bezeichneten. Verborgen ist die Taugl, nämlich vollständig, wenn sie bei Trockenheit im Unterlauf versiegt. Kein Wunder also, dass das althochdeutsche "tougal" für "verborgen" und "geheim" hier die Namenspatenschaft übernahm.

Hallein hieß früher Mühlbach

Bis 1249 gibt es schriftliche Belege, dass Hallein früher Mühlbach hieß. Die dortige Saline war danach namensgebend, aus dem deutschen Wort entwickelte sich schließlich Hallein, das jedoch nichts mit dem Wortstamm "sal" für Salz, sondern "hall" für Saline zu tun hat. Und wer meint, Hallein am Ende betonen zu müssen, liegt zumindest sprachhistorisch gesehen daneben. Die Stadtteile Gamp (von "campus" für Feld) und Rif (von "ripa" für Ufer) sind waschechte Römernamen.

Struppiges Krispl, Kuchl mit Kapuze

Die Gemeinde Krispl darf die Bezeichnung für das "struppige Unterholz" als namensgebend für sich reklamieren. Kuchl hat dem aus der Talebene aufragenden Georgenberg, lateinisch "cucullus" Kapuze, seinen Namen zu verdanken. Rußbach, erst seit 1903 als Gemeinde aus Abtenau herausgelöst, bezieht seinen Namen nicht vom schmutzigen Ruß, sondern von der althochdeutschen Bezeichnung für die Ulme, veraltet noch als Rüster bekannt - die Touristiker können aufatmen.

Spielberg: Benannt nach dem Liebesspiel der Auerhähne

Dass in den Lammer- und Salzachöfen ebenso wie in der Ofenau nicht gebacken wird, sondern dort das Wasser aufgrund der engen Klamm brodelt, ist jedem spätestens nach einem Besuch dort klar. Der Spielberg in Krispl, benannt nach dem Liebesspiel der Birk- und Auerhähne, eignet sich nichtsdestotrotz dank seiner grasbewachsenen Hänge für Familien zum verspielten Wandern.

Serie: Kurioses über Grenzen hinweg

Die Salzburger Grenzfälle versammeln Kuriositäten rund um die Grenzen Salzburgs und bilden eine aufschlussreiche Lektüre zu Geschichte, Landeskunde und Politik des Bundeslandes. Der Autor Stefan Mayer beschäftigt sich seit 2002 mit grenzfälligen Besonderheiten in und um Salzburg. Er gestaltet die monatliche Serie "Grenzfälle", von der bereits vier Bücher erschienen sind. Band 4 kann per E-Mail an landesmedienzentrum@salzburg.gv.at bzw. telefonisch unter +43 662 8042-2417 um 6,90 Euro bestellt werden. Digitale Versionen aller vier Bände stehen unter www.salzburg.gv.at/grenzfaelle zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung.

Quelle: SN

Aufgerufen am 13.12.2018 um 06:36 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/wussten-sie-dass-hallein-frueher-muehlbach-hiess-38737543

Stefan Ilsanker: "Ich drücke Salzburg fest die Daumen"

Stefan Ilsanker: "Ich drücke Salzburg fest die Daumen"

Der Halleiner Stefan Ilsanker spricht über den heutigen Show-Down mit Red Bull Leipzig in der Europa League und seine Pläne für Weihnachten. Im Sommer 2008 trafen die "Tennengauer Nachrichten" den Halleiner …

Annaberg-Lungötz: Ein Urgestein mit Ablaufdatum

Annaberg-Lungötz: Ein Urgestein mit Ablaufdatum

Seit vergangener Woche ist es offiziell: Der längstdienende Ortschef des Tennengau und einer der "alten Hasen" landesweit geht mit März in Politpension. Nach jahrelanger Suche hat Josef Schwarzenbacher nun …

Schlagzeilen