Chronik

"Zu Weihnachten glüht bei uns die Hotline"

Wenn die Geburt Christi gefeiert wird, geht es im Hebammenzentrum rund. Die "ruhigen Tage" versetzen junge Mütter oft in Stress.

 Ständig bereit für einen Einsatz sind Bianca Lackner sowie ihre Kolleginnen vom Hebammenzentrum.  Bild: erwin simonitsch SN/sw
Ständig bereit für einen Einsatz sind Bianca Lackner sowie ihre Kolleginnen vom Hebammenzentrum.  Bild: erwin simonitsch

Seit 20 Jahren ist Bianca Lackner als Hebamme tätig. Mehr als 700 Geburten hat sie begleitet - "es ist für mich Alltag, aber niemals Routine. Es ist immer wieder ein Erlebnis", sagt die zweifache Mutter.

Vor neun Jahren hat sie das Hebammenzentrum mitgegründet, in dem derzeit fünf, ab kommendem Frühjahr sechs Hebammen freiberuflich tätig sind. In der Weihnachtszeit wird es zu einer besonders begehrten Anlaufstelle für Schwangere und junge Mütter. "Bis Sylvester ist viel Arbeit, da glüht unsere Hotline", sagt Lackner. Der Grund dafür seien die "ruhigen Tage".

Lackner: "Viele Mütter klagen dann über Brustentzündungen, einer der Hauptauslöser dafür ist Stress. Dann beruhigen wir sie, versuchen, sie emotional runterzuholen. Ruhe ist die beste Medizin. Wir sagen ihnen: Jetzt ist es genug mit der Verwandtschaft, mit Kochen und Bewirten." Die Frauen wollten für die ganze Familie alles perfekt gestalten. Aber durch das Baby sei die Situation nun eine andere. "Das kleine Kind steht jetzt im Mittelpunkt, es muss nicht für alle anderen auch alles perfekt sein." Vor- und Nachsorge beschäftige die Hebammen um diese Zeit verstärkt. Es gebe aber auch psychologische Probleme. "Dann müssen wir an Psychologen weiterleiten."

Der Heilige Abend ist kein Wunschtermin für Geburten

Der 24. Dezember sei bei den meisten Frauen kein Wunschtermin für eine Geburt, sagt Lackner. "Wer schon Kinder hat, will diese nicht allein zu Hause lassen. Und man kann dann ja auch nicht mit der Familie feiern. "

Hebamme Susanne Harms begleitete vor einigen Jahren eine Geburt am Heiligen Abend. "Das war wunderschön. Wir haben in der Nacht auf den 24. entbunden, die Geburt ist sehr gut verlaufen, das Baby war so richtig rosig, hat gleich geschrien, auch die Mutter hat es als gut empfunden. Dann ist die ganze Familie gekommen, die Kinderaugen haben geleuchtet und es war natürlich das beste Christkindl für alle. Die Familie hat dann am Abend wunderbar Weihnachten gefeiert."

Geplant war die Geburt zu diesem Termin nicht, sagt Harms. Sie hatte einen Anruf von der hochschwangeren Frau erhalten. "Sie sagte, sie verspüre starke Wehen. Mein Befund war, entweder die Rettung rufen und möglicherweise schon bei der Salzachbrücke entbinden oder in Ruhe zu Hause gebären. Wir haben uns für zu Hause entschlossen."

Im Hebammenzentrum selbst finden normalerweise keine Geburten statt. Lackner: "Die Frauen melden sich bei Blasensprung oder bei Wehenbeginn. Wir kommen zu ihnen, schauen uns den Befund an und manches Mal sehen wir, dass wir es nicht mehr bis ins Krankenhaus schaffen. Dann entbinden wir daheim."

Die Mitarbeiterinnen des Hebammenzentrums betreuen Frauen in der Regel ab der Schwangerschaft. "Dadurch bauen wir eine besondere Beziehung auf", sagt Lackner. Öfters kämen Frauen bereits bei Vorliegen eines Kinderwunsches. "Sie kommen dann zum Akupunktieren, das unterstützend zu anderen Therapien erfolgen kann. Wichtig ist, dass sie eine Person haben, die sie kennen, wo sie ohne Hemmungen anrufen können, auch bei kleinen Sorgen und Problemen. Dadurch fängt man auch öfters größere Probleme ab."

Nach der Geburt betreuen die Hebammen die jungen Mütter ab dem Tag, an dem diese nach Hause kommen. "Anfangs daheim bei ihnen, bis es ihnen gut geht und beide stabil sind. Dann - zumeist nach einer Woche - bestellen wir sie ins Hebammenzentrum zur Wiegekontrolle. Die ersten acht Wochen sehen wir sie regelmäßig. Wir arbeiten auch mit dem Kinderarzt sehr gut zusammen."

Es braucht auch Spenden zur weiteren Finanzierung

Offen hat das Hebammenzentrum sozusagen rund um die Uhr - per Telefon ist eine Hebamme ständig erreichbar. Auch andere freiberufliche Hebammen verweisen in der Weihnachtszeit - wenn sie selbst frei haben - darauf. "Die Rufbereitschaft ist wichtig", betont Lackner. Sie soll beibehalten werden, auch wenn es finanziell schwieriger geworden sei. Denn eine EU-Förderung sei ausgelaufen, das verursache eine Lücke von 20.000 Euro pro Jahr. "Das müssen wir jetzt anders finanzieren. Gott sei Dank gibt es eine große Wertschätzung in der Region. So haben die Hirschenpass, die Familie Kogler und andere uns mit Spenden sehr unterstützt", so Lackner.

Tel.-Hotline: 0664/190 31 30, weitere Informationen unter: www.hebammen-oberpinzgau.aT

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