Kultur

Als der Jazz den Weg nach Gastein fand

Im Oktober 2000 schuf Sepp Grabmaier in seinem Wohnzimmer eine wesentliche Kulturinstitution. "Jazz im Sägewerk" feiert das 20-Jahr-Jubiläum.

Jazzkonzerte hat es im Gasteiner Tal schon vorher vereinzelt gegeben, oftmals als Beiwerk in den Hotels. Doch eine eigene Heimstätte für improvisierte Musik? Das war neu. Als der schwedische Pianist Esbjörn Svennson im Oktober 2000 seine Kunst des Triospiels im Sägewerk unter Beweis stellte, wurde eine Vision Realität. "Ich habe mir vorher nicht vorstellen können, dass so etwas in meinem Wohnzimmer passiert", erinnert sich Sepp Grabmaier. Der Jazz-Liebhaber aus Bad Hofgastein verwirklichte zur Jahrtausendwende seinen Traum, den Jazz in seinen Familienbetrieb bringen.

Seither haben Hunderte Konzerte jazz-affines Publikum aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ins Tal gelockt, das Snow-Jazz-Festival und die Konzertreihe Summer Jazz in the City erweiterten die Spielstätten auf alle drei Gasteiner Gemeinden. Umfasste die erste Spielzeit zwölf Konzerte, wuchs die Jazzsaison auf 40 bis 50 Konzerte an. "Es braucht Zeit, bis man realisiert, was da abgegangen ist", sagt Grabmaier, während seine Gedanken um die persönlichen Konzerthighlights dieser 20 Jahre kreisen. Trompeter Enrico Rava und Pianist Stefano Bollani in ihrem Duo-Konzert etwa. Oder die Dialoge des Klarinettisten Pierre Charial mit Michael Riessler und dessen Drehorgel, "das war ein Wahnsinn". Auch die Kammerjazz-Grenzgänger Vincent Courtois und Louis Sclavis hätten für eine Sternstunde gesorgt, sagt Sepp Grabmaier.

Die kleine Besetzung ist die ideale Größe für die atmosphärisch dichte Spielstätte, die das Team des Vereins "Jazz im Sägewerk" in Grabmaiers Familienbetrieb schuf. Doch auch orchestraler Sound findet im Sägewerk Platz, wendet der Hausherr ein. "Das Konzert der Jazz Big Band Graz 2018 etwa - da glaubte man, die Bude fängt zu fliegen an vor lauter Energie."

2020 war dagegen eine Vollbremsung, und das nicht nur wegen Corona. Der österreichweite Lockdown sorgte für eine Absage von "Snow Jazz" - und zwar während des laufenden Festivalbetrieb. Sepp Grabmaiers Lungentransplantion im Juni wog persönlich wohl schwerer. Die Genesung nach dem Eingriff sorgt beim Aktivposten für Zufriedenheit und Dankbarkeit: "Wunschtraum habe ich keinen mehr."

Das Jubiläumswochenende von 16. bis 18. Oktober soll die Bandbreite des Sägewerks spiegeln: "Das Programm ist repräsentativ für unser Tun." Auf "Veri und die Luxuscombo", die am Freitag den Jazz-Reigen eröffnet, sei er gestoßen, als er in Sizilien tagelang auf einem Hügel festgesessen sei - und die Band auf Ö1 gehört habe, erzählt Sepp Grabmaier. "Im Vorjahr waren sie beim ,Summer Jazz' zu Gast, ich selbst konnte sie aber nicht hören. Nun lernen wir einander endlich persönlich kennen."

Gitarrist Emilio Sampaio wiederum hätte mit seiner Großformation heuer bei Snow Jazz spielen sollen, einen Tag vor dem Gig kam das Veranstaltungsverbot. "Die 18 Mann starke Big Band kann jetzt auch nicht spielen, weil wir mehr Abstand auf der Bühne benötigen würden." Eine kleine Besetzung ist aber auch Sampaios Nonett, das am Samstag zu hören sein wird, nicht. Beim Solokonzert des österreichischen Pianisten David Helbock am Sonntag kommen hingegen garantiert keine Beklemmungsgefühle auf der Bühne auf. Der Babyelefant kann aufatmen.

Ein "Jazz Hoagascht" ist auch angesagt. Der soll den Stammgästen, die sich auch aus Wien und Deutschland angesagt haben, die Möglichkeit bieten, "sich auszutauschen und über ihre Leidenschaft Jazz zu reflektieren." Wie lässt sich das mit der vorgezogenen Sperrstunde vereinbaren? "Wir müssen die Bar nicht zusperren, aber wir dürfen nach 22 Uhr nichts mehr ausschenken", erläutert Grabmaier. Pandemiebedingt wird das Sägewerk an den drei Tagen nicht zur Gänze gefüllt sein. "Wir haben eine feste Sitzplatzordnung, zwischen 80 und 100 dürfen kommen."

Das Snow Jazz Festival 2021 wurde vorsorglich abgesagt. "Wir feiern das 20. Festival, da möchte ich es krachen lassen. Das ist unter den aktuellen Voraussetzungen nicht möglich. Daher befinden wir es für vernünftiger, die Jubiläumsausgabe auf 2022 zu verschieben." Die reguläre Saison hingegen soll mit österreichischen Newcomern und Geheimtipps über die Bühne gehen.

Konzerte: 20 Jahre Jazz im Sägewerk, Bad Hofgastein, 16. bis 18. 10.

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