Kultur

"Apropos": Ein Film über das Gute im Menschen

Die "Apropos"-Verkäufer gehören zu Salzburg wie Festung und Mozart. Ein Film zeigt nun Geschichten hinter Menschen wie Georg Aigner.



Die Verkäufer der Straßenzeitung "Apropos" kennt in Salzburg wohl jeder. Doch nur die wenigsten erahnen, welche Schicksale sich hinter diesen Menschen verbergen. Es sind Geschichten mitten aus dem Leben. Geschichten, die bewegen, verstören, in jedem Fall aber berühren.

Hubert Neufeld wollte diese Erzählungen nicht länger im Verborgenen schlummern lassen. Der 25-Jährige ist Student der Kommunikationswissenschaft an der Uni Salzburg und hat eine 50-minütige Dokumentation über fünf "Apropos"-Verkäufer gedreht, die am 23. Jänner (18.30 Uhr) im Das Kino Premiere feiert.

"Apropos. Verkäufer und Geschichten" ist ein Film, der vom Scheitern erzählt, intime Einblicke und doch humorvolle Passagen gewährt - und das alles trotz einer Schwerfälligkeit, die sich nicht zuletzt auch wegen des Drehs in winterlicher Atmosphäre wie ein Schleier über den Film legt.

Bei den Dreharbeiten im vergangenen März gab es durchaus sensible Momente. "Ein bisschen Nervosität" und "großer Respekt" seien bei Interviews mit Leuten wie Georg, der wegen eines versuchten Raubüberfalls sieben Jahre im Gefängnis saß, schon dabei gewesen, erzählt Jungregisseur Neufeld. Für ihn war es das erste große Projekt dieser Art.

Jener Georg Aigner ist einer der fünf Verkäufer, die im Film zu Wort kommen. In Stuhlfelden im Pinzgau geboren, gerät der heute 45-Jährige schnell auf die schiefe Bahn, bis er in der Landeshauptstadt strandet. Die Anonymität der Stadt hilft ihm jedoch nicht, sie macht alles noch schlimmer. Alkohol, Raufereien, Leben auf der Straße, falsche Freunde - plötzlich rennt Georgs Leben an ihm wie in Lichtgeschwindigkeit vorbei. Dann, in einer rauschigen Augustnacht im Jahr 1999, der fatale Entschluss: Georg und zwei Freunde hören von einer hohen Geldsumme, die in Hallein in einem Haus lagern soll. Doch der Raubüberfall misslingt und Georg, der das Opfer zu Boden schlägt, wird weggesperrt.

"Damals hab' ich noch gesagt, ich geh' schnell auf ein Bier zum Bahnhof. Nur eine Stunde, dann bin ich zurück", erinnert er sich. Diese Worte richtete er 1999 an Evelyne. Die gebürtige Wienerin und Georg hatten sich in Salzburg kennen- und schätzen gelernt. So sehr, dass sie sich während der siebenjährigen Haftstrafe täglich Briefe schrieben und Evelyne auf "ihren" Georg wartete, bis er 2006 freikam.

Nur vier Monate nach dessen Entlassung gaben sich beide "Apropos"-Verkäufer das Jawort. Evelyne, die bis dahin drei gescheiterte Beziehungen zu verkraften hatte, gehörte da längst zur "Apropos"-Riege. Und Georg tat es ihr von nun an gleich.

Heute nennen sich beide nicht ohne Stolz "Botschafter von ,Apropos‘" und leisten Aufklärungsarbeit in Sachen Armut in Schulen, Hochschulen und an ihrem Arbeitsplatz auf der Straße. Zudem moderieren sie eine eigene Radiosendung.

"Apropos" sei "bloß ein Heft, aber eigentlich ist es viel mehr", sind sich Georg und Evelyne einig. Wer Georg Aigner heute sieht, kann kaum erahnen, wer dieser redselige und zuvorkommende Mann einmal war. Seine Verwandlung hat er zum Großteil "Apropos" und Menschen wie Evelyne zu verdanken.

"Apropos. Verkäufer und Geschichten" zeigt Salzburg, die Stadt mit dem schönen Schein, von einer anderen Seite. Ein einfühlsames, bewegendes Porträt der Verkäufer. Die Doku von Hubert Neufeld ist ein Lehrstück vom Scheitern. Doch viel mehr ist sie Beleg dafür, auch wieder aufstehen und gewinnen zu können.

"Apropos"-Chefredakteurin Michaela Gründler sieht den Film als gutes Mittel zur Bewusstseinsbildung: "Jeder scheitert einmal, doch man muss sich wieder aufraffen." Oder wie einer der Verkäufer dieses Selbstwertgefühl beschreibt: "Erst woa ma a Sandlerzeitung, und jetzt samma Kulturpreisträger."

Aufgerufen am 25.09.2018 um 07:10 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/apropos-ein-film-ueber-das-gute-im-menschen-4064677

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