Kultur

Eine skandinavische Klangwolke fegt über Salzburg

Das Bergen Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Juanjo Mena ist drei Abende lang bei der Salzburger Kulturvereinigung zu Gast. Mit im Gepäck haben sie jeweils die Erste von Brahms und Mahler sowie drei Trompetenkonzerte, welche unterschiedlicher nicht sein könnten.

Star-Trompeter Håkan Hardenberger gastiert in Salzburg. SN/www.neumayr.cc
Star-Trompeter Håkan Hardenberger gastiert in Salzburg.

Schwungvoll in der Bewegung und archaisch in der Gestalt: So begann am 16. Jänner das Auftaktkonzert des dreitägigen Gastspiels des Bergen Philharmonic Orchestra in Salzburg. Das Orchester, welches aus der Heimat von Edward Grieg kommt, begann mit Richard Wagners Ouvertüre zu "Der Fliegende Holländer". Ganz und gar nicht skandinavisch, möchte man meinen. Ganz im Gegenteil: Richard Wagner ließ den Fliegenden Holländer mit seinem Geisterschiff nicht das Kap der Guten Hoffnung umsegeln, sondern verlagerte die ganze Handlung an die norwegische Küste. Die Inspiration dafür war Wagners stürmische Seereise von Russland nach England, bei der das Schiff aus Not zweimal norwegische Häfen anlaufen musste.

Juanjo Mena und das Bergen Philharmonic Orchestra stellen bei ihrem dreitägigen Salzburg-Aufenthalt jeweils ein Trompetenkonzert vor. Als Solist fungiert kein minderer als der schwedische Star-Trompeter Håkan Hardenberger, der erst im Juli des vergangenen Jahres mit den Wiener Philharmonikern unter Andris Nelsons bei den Salzburger Festspielen zu Gast war. Als erstes dieser drei Trompetenkonzerte erklang am Mittwochabend "Fisher King" vom norwegischen Komponisten Rolf Wallin, welches er Hardenberger widmete und ihm sprichwörtlich auf den Leib schrieb. Eine düstere Klangwolke, gleich einem Sturm der ohne Ziel über Skandinavien fegt und nur von dem durch Mark und Bein dringenden Klang der Trompete ansatzweise gelenkt werden kann. Das Werk, welches an die Sagenwelt um den Heiligen Gral angelehnt ist, verlangt dem Interpreten die volle Bandbreite an technischen Raffinessen und eine immense Ausdauer interpretatorischer und körperlicher Natur ab. Hardenberger überzeugte dabei vollends und es schien so, als könnte er die Gratwanderung auch mit verbundenen Augen gehen.

Nach der Pause ging es für das Publikum im gut besetzten Haus für Mozart mit Brahms Erster Symphonie etwas vertrauter weiter. Der renommierte spanische Dirigent Juanjo Mena, welcher regelmäßig mit namhaften Orchestern wie dem BBC Philharmonic Orchestra, dies- und jenseits des Atlantiks für heftigen Beifall sorgt, gab dem Schlüsselwerk zwischen Klassik und Romantik einen adretten, individuellen und gut durchdachten Anstrich. Einzig das als Ausweichquartier fungierende Haus für Mozart wirkte ob der großen Orchesterbesetzung und der hohen dynamischen Bandbreite etwas zu klein geraten. Nach einem herzzerreißenden Finale im vierten Satz entführte das Orchester das Publikum mit ihrer Zugabe, zwei Sätzen aus der ersten Peer-Gynt-Suite wieder zurück in ihre norwegische Heimat. Der Tribut an Grieg, der Zeit seines Lebens eine sehr enge Verbindung zum Bergen Philharmonic Orchestra pflegte, rundete den Abend perfekt ab.

Konzert: Abo-Zyklus der Salzburger Kulturvereinigung, Bergen Philharmonic Orchestra. 17. und 18. Jänner, jeweils 19.30 Uhr, Haus für Mozart.

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.08.2019 um 07:32 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/eine-skandinavische-klangwolke-fegt-ueber-salzburg-64236640

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